James Blunt im Interview: "Die letzten Alben waren nicht ich"

James Blunt im Interview
Redakteur Konstantin Betsis traf James Blunt kurz vor seinem Konzert in Köln.

"Die Unschuld wiederfinden"

Mit Songs wie 'You're Beautiful' oder 'Goodbye my Lover' avancierte der ehemalige Soldat James Blunt zu einem weltweit gefeierten Star. Mittlerweile hat der Brite mehr als 17 Millionen Alben verkauft. Mit dem vierten Longplayer 'Moon Landing' ist der 40-jährige Singer/Songwriter derzeit auf Welt-Tournee. Wenige Stunden vor seinem Konzert in Köln trafen wir Blunt zum Interview. Gut gelaunt erzählte er von seiner Suche nach sich selbst, der Zeit im Kosovo-Krieg und von Kinderjahren in Deutschland.

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Von Konstantin Betsis

Hallo James, Glückwunsch zu deinem aktuellen Album 'Moon Landing‘. Was macht es für dich persönlich zu einem besonderen?

James Blunt: Nach drei Alben und drei Welt-Tourneen bin ich hingegangen und habe wieder etwas Persönlicheres geschrieben. Bei den letzten beiden Alben habe ich gemerkt, dass ich nur noch Lieder für meine Zuhörer schreibe, um die Arenen zu füllen. Das war nicht ich. Deshalb bin ich nach Los Angeles geflogen und habe 'Moon Landing' mit dem Produzenten aufgenommen, der schon vor den Fans da war. Mit ihm habe ich mein Premieren-Album 'Back to Bedlam' produziert. Es war mein Ziel, die Unschuld wiederzufinden.

Wo siehst du den größten Unterschied zu den vorherigen drei Alben?

Blunt: 'Back to Bedlam' habe ich geschrieben, ohne die Musikindustrie zu kennen. Es ist naiv und frei. Dann war es plötzlich Mainstream – was für ein dreckiges Wort! In meinem zweiten Album 'All the Lost Souls' beschreibe ich die dunkle Seite der Szene. Das dritte 'Some Kind of Trouble' ist ein reines Tour-Album, um die Fans zu befriedigen. Jetzt geht es wieder um mich.

Du hast sechs Jahre als Soldat für Großbritannien gedient und warst unter anderem auch im Kosovo im Einsatz. Wie hat dich diese Zeit in deiner Musik beeinflusst?

Blunt: Als Musiker hat alles in meinem Leben einen Einfluss auf die Musik. Kindheit, Schule oder auch die Zeit beim Militär. In dem Lied 'Blue on Blue' geht es beispielsweise darum, wie sich zwei Soldaten aus der selben Armee versehentlich abknallen. Ich möchte damit sagen: Häufig sind die Menschen, die wir am meisten lieben, auch diejenigen, die wir am meisten verletzen.

Warum würdest du deine Gitarre nicht mehr gegen ein Gewehr tauschen?

Blunt: Ich glaube, ich habe mich seit der Zeit im Militär überhaupt nicht verändert. Ich fühle mich mit beidem wohl. Man muss nur wissen, wann man das Gewehr und wann die Gitarre benutzen sollte (lacht).

Hast du für deine Kameraden gespielt?

Blunt: Na klar. Ich hatte die Gitarre immer dabei. So wie andere einen Football oder Karten herausgekramt haben, war es bei mir die Gitarre. Man muss nur die richtigen Momente abwarten. 'Goodbye my Lover' habe ich jedenfalls meinen Soldaten-Freunden nicht vorgespielt.

"Ich habe die Zeit in Deutschland geliebt"

James Blunt: "Ich habe mich nicht verändert"
2005 wurde James Blunt danke seiner Mega-Ballade 'Your're Beautiful' schlagartig bekannt.

Dein Soft-Rocker-Image sorgt häufig für Spott. Was entgegnest du den Menschen darauf? Fühlst du dich in deiner Rolle wohl?

Blunt: Es ist doch klar. Über alles, was mit Emotionen zu tun hat, kann man sich auch am besten lustig machen. Ich gehe eben nicht auf die Bühne und erzähle von meinem schnellen Auto oder teuren Uhren, weil das nichts in mir auslöst. Stattdessen offenbare ich vor tausenden von Menschen meine Stärken und Schwächen - ohne irgendwelchen Schnickschnack, einfach nur ehrlich. Für gewöhnlich kritisieren mich dafür Leute, die sich nicht aus ihrem Loch trauen. Sie sind nicht greifbar. Sobald sie vor dir stehen, machen sie sich in die Hose.

Du bist seit längerem auch in den Schlagzeilen, weil du Beleidigungen auf Twitter mit lustigen und schlagfertigen Antworten konterst. Wie kommt's?

Blunt: Wenn ich kein Sänger wäre, würde ich auch keinen Twitter-Account besitzen. Dort sind vor allem Menschen, die es für nötig erachten, dass die Welt ihre Meinung zu allen möglichen Dingen erfährt. Von mir wird das erwartet. Also sage ich ab und an das, was ich denke.

Andere Stars engagieren Leute, die das für sie erledigen. Warum tust du das nicht?

Blunt: Weil mir das Spaß macht. Wenn ich Bilder von meinem Frühstück online stellen würde, wäre das verrückt. Dann wäre etwas mit meinem Ego nicht in Ordnung. Aber die Neckereien erinnern mich an die Zeit im Militär. Das ist alles nicht so ernst gemeint. Ich lache über die Beleidigungen. Aber genauso lache ich auch mit den Leuten, die so etwas schreiben.

Du hast als Neunjähriger für zwei Jahre am Möhnesee in Westfalen gelebt, als dort dein Vater stationiert war. Was hast du für Erinnerungen an diese Zeit?

Blunt: Ich habe es geliebt. Es war die schönste Zeit meiner Kindheit. Das Haus war direkt am See. Wenn der See zugefroren war, haben wir als Kinder Eishockey gespielt. Im Sommer war dann Schwimmen oder Segeln angesagt. Es gab keinen besseren Ort als diesen.

Fühlst du eine besondere Verbundenheit, wenn du für Konzerte hierher kommst?

Blunt: Es ist das Land, wo ich mich am meisten willkommen fühle. Ich kenne mich ganz gut aus, Freunde leben hier. In Deutschland toure ich weltweit am häufigsten. Das macht mich glücklich.

Wie schaffst du es, trotz des Ruhms auf dem Boden zu bleiben?

Blunt: Ich bin nicht derjenige, der sich verändert hat. Die Menschen um mich herum werden aufgeregt, wenn sie mit mir zusammensitzen. Ich bin ein Sänger, Musik ist wichtig. Aber es gibt noch viel wichtigere Dinge. Ärzte, Lehrer, das sind Leute, die wir fotografieren sollten. Das halte ich mir immer vor Augen. Meine Perspektive hat sich mit dem Ruhm nicht verändert.

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