Jaguar XE S: Zwischen Sport und Luxus

Jaguar XE S: Zwischen Sport und Luxus
Jaguar XE S: Perfektes Handling auch auf der Rennstrecke © Jaguar

Am Ende der achthundert Meter langen Geraden des Circuito de Navarra muss das Kleinhirn dem rechten Fuß signalisieren, dass ein leichtes Anheben gefälligst zu unterbleiben hat und nur Memmen auf das Pedal daneben, auch Bremse genannt, wechseln. Die ist erst gefordert, nachdem der Jaguar die beiden Rechtsknicks mit einem Tempo von um die 200 Sachen genommen hat und eine ziemlich fiese Kehre zur nächsten Herausforderung wird. Die ist nur mit einem beherzten Tritt in die Eisen zu meistern, nach dem sich die Katze duckt wie auf der Beutejagd, bereit zum Sprung. Der wird, anders als in der freien Wildbahn, auf der möglichst erfolgreichen Suche nach der Ideallinie am Scheitelpunkt der Kurve ausgelöst. Der rechte Fuß ist wieder voll auf dem Gas, die Blechkatze hebt die Haube und stürmt in die nächste Biegung.

- Anzeige -

Top-Auto der indisch-englischen Allianz

"So wollte ich das sehen", grüßt Instruktor Chris grinsend vom Beifahrersitz. "Jetzt hast du eine Ahnung davon, was dieses Auto kann." Rekapitulierend ließen sich die Ereignisse von ein paar Sekunden so zusammenfassen: Jede Menge Speed, ein überragendes Fahrwerk, kraftvoll zupackende Bremsen und sportlichste Beschleunigung dank eines achtstufigen Automatikgetriebes, das die Befehle der Schaltpaddel am Lenkrad in Sekundenbruchteilen umsetzt. Der neue Jaguar XE S mit 340 PS, der mit den schärfsten Krallen im Rudel der vier Modellvarianten, hat das Zeug zum Shootingstar in der Premium-Mittelklasse. Seine Performance jedenfalls liegt auf demselben Niveau wie das seiner Konkurrenten aus Stuttgart, Ingolstadt und München. Die werden von der XE-Reihe wenig überrascht sein. Denn dieses Auto ist nur eine Bestätigung dessen, was die Engländern in den letzten Jahren mit den Modellen XF, XJ und F-Type bereits erreichten: das fulminante Comeback einer Traditionsmarke.


Die indischen Besitzer lassen die Engländer gewähren

Schuld daran sind die Inder. Nachdem Tata Motors im März 2008 Jaguar übernahm und damit aus dem Würgegriff von Ford befreite, ging es langsam, aber stetig bergauf. Entgegen der Meinung vieler sogenannter Experten, die mit der Transaktion den schleichenden Exitus einhergehen sahen, zeigten die Autobauer von der Insel mit viel Enthusiasmus und Sportsgeist, dass auch "Made in Great Britain" ein Qualitätsmerkmal sein kann. Entscheidend dabei war, dass sich der neue Besitzer nicht als Blutsauger, sondern als Blutspender zeigte. "Tata hat uns einfach arbeiten lassen, ohne groß reinzureden," verriet ein Mitglied des Jaguar-Managements vertraulich. "Wir mussten die Erlöse nicht abführen, sondern konnten in den letzten Jahren rund vier Milliarden Euro in die Entwicklung stecken."


Ergebnis: der neue XE. Ein rundum gelungenes Auto, das optisch die klare Handschrift von Design-Ikone Ian McCallum trägt und technisch teilweise neue Wege gegangen ist. Wie mit der Leichtbauarchitektur aus Aluminium, die ein Gewicht der Rohkarosserie von nur 342 Kilogramm ergab. Wie mit der Doppelquerlenkerachse vorne und der Einzelradaufhängung hinten, beide auch als Alu. Gemeinsam mit einer optimalen Gewichtsverteilung und der bei Jaguar erstmals verbauten elektromechanischen Serviceleistung stand am Ende der Entwicklung ein Fahrwerk, das durch ein erstaunliches und verblüffend einfaches Handling Bestnoten verdient. "Wir haben unser Bestes getan", lächelt Tim Clark, Chef der Fahrwerkentwicklung, mit typisch britischem Understatement. "Wie gut das Auto ist, müssen andere entscheiden".


Der Mann hat gut reden. Denn die Prognose, dass der ab Mitte Juni erhältliche XE seine Klientel finden wird, ist nicht sehr gewagt. Bei Jaguar setzt man bei den Stückzahlen vor allem auf die beiden Dieselmodelle mit 163 und 180 PS. Auch die sind flott unterwegs, Kurvenkünstler obendrein. Der nicht einmal 20.000 Euro teurere XE S aber hat etwas Spezielles, jene Art von Besonderheit, die einem Jaguar schon immer anhaftete. Es ist die Mischung von Sportlichkeit und Luxus, die die Spreu vom Weizen trennt. 5,1 Sekunden von Null auf Hundert sind eine klare Ansage, aber ebenso viel Aufmerksamkeit erregt man mit dem XE-Topmodell bei Tempo 30 auf den Shoppingboulevards dieser Welt. Tja, und gerne hätten wir das Haar auf dem feinen Leder des Interieurs gefunden. Es ist uns nicht gelungen. Nicht einmal der Grundpreis von 54.600 Euro, sonst gerne genommen, bietet Anlass zur Kritik. Der XE S und seine Modellkollegen sind ihr Geld wert. Auch das gehört zur "Art of Performance", der Firmenphilosophie von Jaguar.


Technische Daten: Viertürige Sportlimousine der Premium-Mittelklasse. Länge: 4,67 Meter, Breite: 1,85 Meter (mit ausgeklappten Außenspiegeln: 2,07 Meter), Höhe: 1,41 Meter, Radstand: 2,83 Meter, Tankinhalt: 63 Liter, Kofferraum: 450 Liter. Motor: Sechszylinder-Kompressor, Hubraum: 2.995 ccm, Getriebe: 8-Stufen-Automatik, Leistung: 250 kW (340 PS), maximales Drehmoment: 450 Newtonmeter bei 4.500 U/min, 0-100 km/h: 5,1 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Durchschnittsverbrauch: 8,1 Liter Super/100 km, CO2-Ausstoß: 194 g/km, Preis: ab 54.600 Euro.

— ANZEIGE —