Jack Johnson im exklusiven Interview

Jack Johnson im exkluisven Talk
In erster Linie möchte Jack Johnson ein guter Vater für seine drei Kinder sein. Das Dasein als Popstar ist ihm nicht annähernd so wichtig. © kuenster

Schlummert noch der Punker in dir?

Deine erste Band war eine Punk-Band. Schlummert denn noch irgendwo der Punker in dir?

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Jack: Ein bisschen. Hier und da spiegelt sich das auch in meinen Lyrics wider. Heutzutage ist es ja fast wieder mehr „punk“, wenn du eine Akustik-Gitarre spielst. E-Gitarre spielen einfach so viele. Zur damaligen Zeit war das super innovativ, inzwischen ist das Thema durch. Aber ich weiß nicht, ob man mit 38 Jahren überhaupt noch ein echter Punk sein kann – schließlich bin ich ja auch ein Vater. Aber ich mag die Punk-Mentalität und die Idee davon, Dinge selbst zu machen. In Sachen „Do-it-Yourself“ habe ich aus meiner Punkband-Zeit einiges gelernt.

Könntest du dir vorstellen, einen ganz normalen Bürojob zu machen?

Jack: Doch, das könnte ich und ich hatte auch schon die verschiedensten Jobs. Wenn ich zum Beispiel mit Schülern spreche, will ich nicht, dass sie einen falschen Eindruck von der Realität bekommen. Klar ist es richtig, wenn es heißt: „Folge deinen Träumen“ und „Tu das, woran du glaubst“. Aber ich habe nie davon geträumt, eines Tages von der Musik leben zu können. Es bedurfte harter Arbeit dorthin zu kommen - auch wenn es über mich andere Geschichten gibt. Wir sind von Club zu Club gezogen, sind mit einem alten Van gereist, haben kaum geschlafen … Ich denke, dass jeder meiner Jobs wichtig für mich war und ich viel über harte Arbeit gelernt habe. Mein coolster Job bestand in der Leitung eines Surf- und Kajak-Camp für Kinder. Wenn, dann könnte ich mir am ehesten so was vorstellen. Jemandem das Surfen beizubringen, gehört zu meinen besonderen Fähigkeiten. Ich bin ein verantwortungsbewusster Mensch, auch wenn ich vielleicht nicht so gut organisiert bin, lief das Camp wirklich gut. Das hat richtig Spaß gemacht. Vielleicht gründe ich ja eines Tages ein Camp für Kids.

Hast du schon mal drüber nachgedacht, in die Politik zu gehen?

Jack: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Manchmal wird man ja in die Politik mit reingezogen. Aber wir sind lieber jenseits davon aktiv. Es ist sicher hilfreich, wenn du Leute, die politisch tätig sind, kennst. Das klappt dann ganz gut. Aber es ist natürlich alles eng miteinander verwoben.

"Ich will nicht alles von mir preisgeben"

Jack Johnson im Interview
Jack Johnson, der auf Hawaii geboren wurde und dort lebt und arbeitet, setzt sich seit Jahren für die Umwelt, aber auch Jugendliche und Benachteiligte ein. Auf seinen Touren setzt er ein "grünes" Zeichen. So werden die Tourbusse beispielsweise mit Bio-Diesel betrieben. © kuenster

Gibt es eine Info oder eine Geschichte über dich, bei der sogar eingefleischte Fans sagen würden: Das hätte ich jetzt aber nicht von Jack Johnson gedacht?

Jack: Hm, keine Ahnung. Ich versuche nicht so viel darüber nachzudenken, was andere Leute über mich denken. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, entwickelt man ein Gespür dafür, wie man sein Privatsphäre schützen kann. Aber ich glaube, dass das Bild, das die Leute von mir haben, ziemlich nah an die Realität herankommt. Ich habe auch nichts mit Facebook und Twitter am Hut. Darum kümmern sich Leute von unserem Label. Ich finde die sozialen Netzwerke nicht schlecht, aber ich hab bei diesem Thema irgendwie den Einstieg verpasst oder vielleicht bin ich einfach zu alt dafür. Aber ich finde es auch angenehm, nicht ständig an diesen Systemen zu hängen, wie an einem Tropf. Die direkte Verbindung zu meinen Fans suche ich dafür bei meinen Shows. Zum Beispiel, wenn ich die Leute von den Wohltätigkeits-Organisationen treffe, die auf meinen Konzerten Stände haben. Ich treffe wirklich gerne Fans, aber ich will auch nicht rund um die Uhr für jeden zugänglich sein. Man will auch noch ein bisschen geheimnisvoll bleiben und nicht alles in der Öffentlichkeit preisgeben.

Glaubst du, dass dies ein Grund dafür ist, warum dich die Leute so mögen, gerade weil du so „normal“ bist, nicht das typische Rockstar-Leben führst und ständig in der Presse auftauchst …

Jack: Vielleicht. Kann sein, dass die Leute das gut finden. Aber in erster Linie mag ich mich dafür. Es ist oft ein verrückter Balance-Akt. Ich hätte auch nie damit gerechnet, dass sich meine Karriere zu etwas so Großem entwickeln würde. Es gibt hin und wieder Zeiten, wo ich das Ganze sogar ausbremse. Zum Beispiel kommt es vor, dass eine Tour in Planung ist, ich mich dann aber doch dagegen entscheide. Die Leute sollen sich bitte nicht zu viele Gedanken über mich machen. Sicher gibt es Personen, die es nur darauf anlegen, dass sie ständig im Gespräch sind. Bei mir ist das eher umgekehrt, wenn ich nicht auf Tour bin, versuche ich es tunlichst zu vermeiden, in der Presse zu sein. Ich will einfach nur Vater sein und ein stinknormales Leben führen. Es ist mir sehr wichtig, dass meine Kinder wissen, dass ich in allererster Linie für sie Vater bin und dass das nicht an zweiter Stelle bei mir kommt.

Welche Frage würdest du dir denn selbst in einem Interview stellen?

Jack: So wenig Fragen wie möglich. Presse ist für mich immer ein zweischneidiges Schwert. Es hat etwas von einem Besuch beim Therapeuten. Man erzählt die ganze Zeit nur von sich und erfährt überhaupt nichts von seinem Gegenüber. Ich versuche immer möglichst wenig Privates zu erzählen, aber wenn man eine nette Unterhaltung führt, so wie wir jetzt, lässt man denjenigen doch an sich heran. Aber wenn ich merke, dass mein Gegenüber versucht mich in die Enge zu drängen, dann mache ich zu und gehe in Abwehrhaltung und versuche das Interview so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Ich erwarte nicht, dass jeder ein Fan von mir ist, aber man merkt es, wenn jemand dich und deine Musik nicht mag.

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