'Jack & Jill': Die doppelte Ladung Adam Sandler

In 'Jack & Jill' spielt Adam Sandler die männliche und weibliche Hauptrolle.
Adam Sandler in einer Doppelrolle in der Komödie 'Jack & Jill'

2,5 von 5 Punkten

Eigentlich sind Männer, die in Frauenklamotten über die Leinwand hüpfen ja nicht unbedingt der Stoff aus dem Oscar-reife Filme entstehen, geschweige denn der Stoff, denn man nicht schon etliche Male gesehen hat. Während zuletzt Matthias Schweighöfer in 'Rubbeldiekatz' zumindest optisch punkten konnte, legt Adam Sandler mit der Komödie 'Jack & Jill' eine ganz schöne Bruchlandung hin. Zwar kann der Komiker den ein oder anderen Schmunzler auf die Lippen der Zuschauer zaubern, doch herzhafte Lacher sind hier eher Magelware.

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Jack Sadelstein (Adam Sandler) führt ein perfektes Leben: er ist erfolgreicher Werbefachmann in L.A., führt eine glückliche Ehe und hat eine liebevolle Familie. Ganz anderes als seine Zwillingsschwester Jill (ebenfalls Adam Sandler), die kilometerweit entfernt in der Bronx lebt und sich ihr Leben lang um ihre Eltern gekümmert hat. Kein Wunder also, dass beim alljährlichen gemeinsamen Thanksgiving-Essen zwei Welten aufeinander prallen. Als nach dem Vater schließlich auch die Mutter stirbt, erscheint Jill alleine zum Familienfest – und wie sollte es auch anders sein, gestaltet sich ihre Abreise als 'Mission Impossible'.

Während Jacks Kinder und seine Gattin Erin (Katie Holmes, ‚Batman Begins‘) Tante Jill mit offenen Armen empfangen, bekommt Jack einen Wutausbruch nach dem anderen. Der Drang, seine nervige, lispelnde und laute Schwester loszuwerden ändert sich schlagartig, als bei einem Spiel des Basketball-Teams der L.A. Lakers kein geringerer als Hollywood-Star Al Pacino (der Oscar-Preisträger spielt sich selbst) sein Interesse an der eigenwilligen Jill bekundet. Dieser Flirt ist für Jack von großer Bedeutung, denn um seine Agentur zu retten, muss er unbedingt Pacino als Werbegesicht für seine neue Kampagne gewinnen. Doch wie sollte es auch anders sein, hat Jill null Interesse an dem in die Jahre gekommenen Schauspieler. Jack sieht keinen anderen Ausweg und spielt seinem Ebenbild in Frauenklamotten den lieben Bruder vor und versucht sie mit allen Mitteln mit Lustmolch Pacino zu verkuppeln.

Adam Sandler ist ein Komiker der alten Schule. Mit seiner lockeren Art und dem Slapstick-Humor hat er schon viele Kinobesucher begeistert. Doch das reichte ihm nicht und so begann er, neben der Schauspielerei auch als Produzent, Drehbuchautor, Synchronsprecher und Komponist zu arbeiten. Wie bereits bei 'Kindsköpfe' und 'Meine erfundene Frau' agierte er auch bei 'Jack & Jill‘ nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Produzent und Autor. Getreu dem Motto ‚Man sollte nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen‘ sei ihm aber geraten, sich zukünftig besser nur auf eine Sache zu konzentrieren und diese dann zu 100 Prozent auszuführen, denn nur so kann er an alte Erfolge anknüpfen, die ihn zu einem der bestbezahlten Schauspieler Hollywoods machten.

Die laute Jill (Adam Sandler) treibt Bruder Jack (ebenfalls Adam Sandler) in den Wahnsinn
Die nervige Jill (Adam Sandler) stellt ihren Bruder Jack (ebenfalls Adam Sandler) auf eine harte Geduldsprobe © dpa, Sony Pictures Releasing GmbH

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Besetzung. Anfangs noch recht komisch, wird es langsam langweilig, in Adam Sandlers Filmen immer wieder die gleichen Gesichter zu sehen. Zu oft – um nicht zu sagen immer – finden Freunde wie Kevin James, Gary Valentine, Chris Rock und Rob Schneider Platz auf seiner Besetzungscouch. Bei 'Jack & Jill' ist es leider nicht anders. Dabei sorgen gerade Darsteller, die man in solch einem Streifen nie erwarten würde, für die humorvollen Höhepunkte. Da wäre zum einen Hollywood-Legende Al Pacino, der als frustrierter Schauspieler nichts mit seiner Zeit und seinem Geld anzufangen weiß, sowie Kult-Pirat Johnny Depp, der neben dem 'Paten' im 'Justin Bieber'-Shirt die Lakers in der ersten Reihe anfeuert. Völlig unscheinbar und charakterlos ‚schauspielert‘ Katie Holmes vor sich her. Sie ist lediglich hübsches Beiwerk, das durch jede andere Schauspielerin hätte ausgetauscht werden können.

Gelungen hingegen ist die Technik. Irgendwie musste die Illusion geschaffen werden, dass Jack und Jill zwei unabhängige Personen sind. Während man bei den meisten Filmen sofort erkennt, dass zwei Bildausschnitte übereinander geschnitten wurden, so sind diese Szenen bei 'Jack & Jill‘ vollends gelungen. Leider wirkt Adam Sandler als Frau wie eine unbeholfene Drag-Queen. Bei diesem Anblick bekommt man regelrecht Mitleid mit seinen beiden kleinen Töchtern.

Alles in allem reiht sich 'Jack & Jill‘ in Sandlers Filmografie der letzten Jahre ein. Wer gefallen an Filmen wie 'Chuck und Larry‘ und ‚Leg dich nicht mit Zohan‘ hatte, der kann sich Sandlers neues Werk anschauen. Wer aber Unterhaltung und Witze auf 'Hangover‘-Niveau erwartet, ist hier an der falschen Adresse. Da ist ein DVD-Abend die bessere Alternative.

Von Alexandra Mölgen

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