Ist Karl Lagerfeld ein Steuersünder?

Ist Karl Lagerfeld ein Steuersünder?
Um seine Finanzen kümmert sich Karl Lagerfeld laut eigener Aussage nicht selbst © Andrea Raffin / Shutterstock.com

Eigenwillig war er schon immer. Unangepasst und höchst individuell, ein Mann, der mit Vorliebe gerade das nicht tut, was man von ihm erwartet. Doch ist Karl Lagerfeld, angeblich 82, deswegen ein Steuersünder? Diese Frage wird derzeit in zahlreichen Presseveröffentlichungen gestellt. Nach einem Bericht des Pariser Nachrichtenmagazins "L'Express" werfen die französischen Finanzbehörden dem Modeschöpfer vor, in den letzten sechs Jahren insgesamt 20 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

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Verdächtigungen und Gerüchte

Allerdings wird dieser Verdacht weder von Lagerfeld und seinen Anwälten noch von Seiten des französischen Staats bestätigt. Die persönliche Sprecherin Lagerfelds, Caroline Lebar, räumte lediglich ein, dass es zwischen dem Finanzministerium und Lagerfelds Finanzberater Lucien Frylender "vertrauliche Gespräche" gebe.

 

Gewinne in England versteuert

 

Laut "L'Express" geht es offenbar um Lagerfelds Buchhandlung "Libraire 7L", die im Jahr 2013 überprüft worden sei. Das Geschäft, in dem hauptsächlich "ausgefallene Werke zu Design oder Architektur" ("Süddeutsche Zeitung") vertrieben werden, habe wegen eines Defizits von zuletzt 6,6 Millionen Euro im Jahr keine Steuern gezahlt. Die Räumlichkeiten von "7L" habe der Kreativdirektor von Chanel auch als Studio für Modeaufnahmen genutzt. Allerdings ist Lagerfelds "Studio 7L" steuerlich in London und nicht in Paris gemeldet. Die Gewinne werden also in England versteuert.

 

Lagerfeld bleibt gelassen

 

Modezar Lagerfeld, auch Karl der Große genannt, bleibt gelassen. "Ich habe nichts zu befürchten und bin nicht mal auf dem Laufenden", sagte er der "Welt". Es sei eine "alte Ermittlung. Sollte es etwas nachzuzahlen geben, dann wird es geschehen - da ich ohnehin jedes Jahr viele Millionen Euro Steuern zahle".

Diese Aussage entspricht seinem Verhältnis zu Geld. "Es muss genug da sein, um alles bezahlen zu können. Alles andere ist mir nicht wichtig." Für Lagerfeld, Sohn eines vermögenden Hamburger Kondensmilch-Fabrikanten ("Glücksklee"), spielt Besitz nur eine untergeordnete Rolle.

 

Vermögen von geschätzt 350 Millionen Euro

 

Er lebt nur für seine Arbeit, wobei es ihm allerdings ein großes Vergnügen bereitet, hohe Honorare zu verlangen. "Ob sie dann wirklich auf seinem Konto landen, ist für ihn zweitrangig. Er hat sich eine Position erarbeitet, die ihm erlaubt gelassen zu sein", schreibt die "Welt". Die Devise des überaus großzügigen Modeschöpfers sei: Man müsse das Geld oben zum Fenster rauswerfen, dann komme es tanzend ins Haus zurück. Immerhin ist Karl dem Großen, dessen Bruttoeinkünfte auf 40 Millionen Euro im Jahr geschätzt werden, auf diese Weise ein taxiertes Vermögen von 350 Millionen Euro ins Haus geflattert.

Seit Jahren ist Karl Lagerfeld, ein enger Freund des Fürstenhauses Grimaldi, auch in Monaco steuerlich gemeldet. Weil er aber viel lieber (und auch öfter) in Paris lebe, habe er sich mit dem französischen Staat "auf eine Art Kurtaxe" geeinigt. Er zahle dafür im Jahr zwei Millionen Euro, gab Lagerfeld 2012 bekannt.

Einige Medien spekulieren, dass der Modezar womöglich ein Opfer seiner Kritik an der Steuerpolitik des französischen Staatspräsidenten Francois Hollande sein könnte. Vor einiger Zeit hatte er gesagt: "Die Kreativen verlassen das Land. Sie fürchten, dass ich auch gehen könnte." Dazu sehe er allerdings keinen Anlass.

 

Um seine Steuern kümmern sich andere

 

Mit der Abrechnung, Versteuerung und Verwaltung seiner Einkünfte hatte Karl Lagerfeld noch nie was am Hut. Es interessiert ihn schlichtweg nicht. "Ich muss mich um finanzielle Dinge nicht kümmern, das machen die gleichen Leute seit 35 Jahren. Ich kontrolliere auch keine Kreditkartenabrechnungen. Das ist mein Luxus." Steuern? "Ich selbst sehe das nicht", sagte er 2014 in einem Interview. "Das wird abgezogen von meinen Geschäftsleuten, ich kriege den Rest."

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