'Into the Woods': Entführung in eine Märchenwelt mit Meryl Streep, Johnny Depp und Emily Blunt

Filmkritik zu 'Into the Woods' mit Meryl Streep, Johnny Depp und Emily Blunt
Für ihre Rolle als Hexe heimste Meryl Streep ihre 19. Oscar-Nominierung ein. © Peter Mountain

4 von 5 Punkten

Märchenzeit im Kino: Nur wenige Wochen bevor Kenneths Branaghs Realverfilmung des Kinderbuchklassikers ‚Cinderella‘ die Gunst des Publikums gewinnen möchte, kommt nach seinem fast 30-jährigen Triumphzug auf internationalen Theaterbühnen und vielen eingeheimsten Preisen der Broadway-Musicalerfolg ‚Into The Woods‘ in die Kinos. Mit seiner morbid-zynischen und durchweg märchenkritischen Grundstimmung richtet sich der Film aber eher an Erwachsene als an Kinder. Und obwohl der Film mit einer großartigen Besetzung aufwartet, kann er schlussendlich leider nicht vollends überzeugen.

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Doch das liegt garantiert nicht an den grandiosen Darstellern, die schon alleine dafür sorgen, dass der der Gang ins Kino nicht enttäuscht. Und mag es mittlerweile auch müßig sein, die grandiose Darstellung einer Meryl Streep explizit zu würdigen – man kann es dennoch nicht oft genug tun. Die dreifache Oscar-Preisträgerin ist in diesem Jahr für ihre Rolle in ‚Into The Woods‘ insgesamt zum 19. Mal für einen der Goldjungen nominiert – Rekord! Und es macht auch einfach nur Spaß, der 65-Jährigen zuzuschauen – oder in diesem Fall auch zuzuhören. Dass Streep durchaus auch singen kann, hatte sie ja schon vor einigen Jahren in der Verfilmung des ABBA-Musicals ‚Mamma Mia!‘ (2008) bewiesen. Als verhärmte, hässliche Hexe, die verzweifelt und mit allen Mitteln ihre verloren gegangene Schönheit wiederzuerlangen versucht, kann die großartige Mimin nicht nur erneut ihr Gesangstalent beweisen, sondern mal so eben nebenbei auch der gesamten Botoxhysterie in Hollywood nebenbei und nonchalant eine kleine Ohrfeige verpassen. Aber das nur am Rande.

Denn in erster Linie ist „Into The Woods“ eine gelungene Verschmelzung einiger der bekanntesten Grimmschen Märchen, eingebettet in eine ganz pfiffige Rahmenhandlung: Ein kinderloses Bäckerpaar (kongenial gespielt von James Cordon und einer großartigen Emily Blunt) versucht verzweifelt, sich von einem Fluch zu befreien, den eine Hexe (Meryl Streep) einst auf ihre Familie gelegt hatte und der verhindert, dass das Paar Nachwuchs bekommt. Doch dafür muss das Paar ihr vier Dinge besorgen – eine Kuh so weiß wie die Milch, einen Umhang so rot wie Blut, Haare so gelb wie Mais und Schuhe so rein wie Gold. Auf ihrem Weg durch den Wald und der verzweifelten Suche nach den Gegenständen begegnen die beiden u.a. Cinderella (Anna Kendrick), Rotkäppchen (Lilla Crawford) , Rapunzel (MacKenzie Mauzy), sowie dem kleinen Hans (Daniel Huttlestone), der auf Wunsch seiner erschöpften Mutter (Tracey Ullmann) auf dem Weg zum Markt ist, um seine geliebte Kuh zu verkaufen. Soweit so gut.

Bildgewaltige Inszenierung à la Hollywood

Filmkritik zu 'Into the Woods' mit Meryl Streep, Johnny Depp und Emily Blunt
Ist der Prinz (Chris Pine) wirklich der Richtige für Cinderella (Anna Kendrick)? © Peter Mountain

Schon das wunderbare Eingangslied „Into The Woods“, das alle Protagonisten unabhängig voneinander singen, setzt den Auftakt für die geschickte und zügige Verschachtelung der Handlungsstränge und lässt bereits durchblicken, dass der Wald ein Ort sein kann, „an dem wir nach unseren Träumen suchen und uns unseren Ängsten stellen“. Das zumindest findet Regisseur Rob Marshall, der bereits mit der mit sechs Oscars ausgezeichneten Verfilmung des Broadway-Musicals ‚Chicago‘ große Erfolge feierte und schon seit vielen Jahren mit einer Verfilmung des 1987 am Broadway uraufgeführten Musicals liebäugelte. Ihren Ängsten stellen muss sich hier aber vor allem Rotkäppchen, die von einem grimmigen Wolf belästigt wird – routiniert gespielt von Johnny Depp, der nur einen kurzen Gastauftritt hat und seine Paraderollen der vergangenen Jahren zu vereinen scheint. Haut einen aber auch nicht mehr unbedingt vom Hocker.

Für einzelne Lacher sorgen mitunter aber die beiden Sunnyboys des Films – die Prinzen, die Aschenputtel und Rapunzel betören und erobern wollen. Chris Pine (der unverschämt attraktive Captain Kirk aus ‚Star Trek‘) und der hierzulande noch eher unbekannte Broadway-Darsteller Billy Magnusson liefern sich so manches herrlich-kitschiges Gesangsduell. Vor allem Pine als untreuer Frauenheld führt die Bedeutung des Märchenprinzen einmal mehr ad absurdum. Mit bildgewaltigen Szenen, die in ihrer Bildsprache durchaus an den ‚Hobbit‘ oder ‚Maleficent‘ erinnern , hat der Regisseur ein hollywoodgerechtes Spektakel geschaffen, das trotz aller Satire und Komik nach der Hälfte ins gar nicht mehr so Märchenhafte kippt und mehr bietet als ein obligatorisches „Ende gut, alles gut“. Auch erfüllte Wünsche machen nicht zwangsläufig glücklich – das müssen alle Protagonisten bitter am eigenen Leib erfahren. Dennoch wollen sich die ganzen Handlungsstränge nicht zu einem einheitlichen Ganzen fügen – vielleicht gibt es einfach zu viele Charaktere mit zu vielen Problemen. Und das ist dann mitunter doch etwas verstörend, für Kinder allemal. Dennoch muss man dem Film eines lassen: Er unterhält märchenhaft von Anfang bis Ende – zumindest ein erwachsenes Publikum.

Von Norbert Dickten

Kinostart: 19. Februar 2015

Genre: Musical

Originaltitel: Into The Woods

Filmlänge: 125 Minuten

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