Interview: Wulff lehnt Rücktritt ab

Präsident Christian Wulff, TV-Interview
Im Interview räumte Wulff Fehler ein, sagte aber auch, dass er sich nicht nur als Täter, sondern auch als Opfer sehe. © dpa, Bundespressekonferenz

Bundespräsident räumt Fehler ein

Bundespräsident Christian Wulff will ungeachtet des anhaltenden Drucks in der Kredit- und Medienaffäre nicht zurücktreten. Er sei sicher, nichts Unrechtes getan zu haben und habe in den vergangenen Wochen große Unterstützung von Bürgern, Freunden und Mitarbeitern erhalten. "Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr", sagte Wulff sichtlich angespannt in einem Interview bei ARD und ZDF.

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Er räumte ein, dass der wütende Drohanruf bei 'Bild'-Chefredakteuer Kai Diekmann "ein schwerer Fehler" gewesen sei, der ihm leid tue, für den er sich auch entschuldigt habe. "Man muss als Bundespräsident die Dinge so im Griff haben, dass einem das nicht passiert. Und trotzdem ist man Mensch, und man macht Fehler." Er habe sich damals hilflos gefühlt und mit dem Vorgehen Familie und Freunde schützen wollen. Aus diesem Impuls heraus habe er darum gebeten, den Artikel über seine umstrittene Hausfinanzierung um einen Tag zu verschieben. Er bat, seine Handlung menschlich zu verstehen - vor dem Hintergrund der Belastung für seine Familie. Dies sei auch vor dem Hintergrund geschehen, "was im Internet alles verbreitet wird über meine Frau". Wulff sprach dabei von Fantasien.

Der Bundespräsident sagte, er habe einen Lernprozess durchmachen müssen. Der Wechsel vom Amt des Ministerpräsidenten in Niedersachsen zum Staatsoberhaupt sei sehr schnell gegangen.

Auf den Vorwurf, er informiere die Öffentlichkeit nur per Salami-Taktik, erwiderte Wulff, die etwa 400 Anfragen von Journalisten seien von seinem Anwälten umfassend, nach bestem Wissen und Gewissen, beantwortet worden. "Wenn wir sie scheibchenweise bekommen, dann können sie sie auch nur scheibchenweise beantworten". Am Donnerstag sollen alle Details im Internet veröffentlicht werden, kündigte Wulff an.

Dennoch räumte er ein, dass es besser gewesen wäre, im niedersächsischen Landtag sofort klarzustellen, dass er 500.000 Euro von der Unternehmergattin Edith Geerkens geliehen bekommen habe - obwohl nach ihr nicht gefragt worden sei. Dennoch fügte er hinzu: "Ich möchte nicht Präsident in einem Land sein, wo sich jemand von Freunden kein Geld mehr leihen kann." Es gebe Menschenrechte, "selbst für Bundespräsidenten und auch deren Freunde, deren Angehörige."

Wulff habe Berichterstattung nicht verhindern wollen

Mit Blick auf das Darlehen der BW Bank bestritt das Staatsoberhaupt, Zinsvorteile gehabt zu haben: Es handele sich um normale und übliche Konditionen. Das gesamte Risiko der Zinsentwicklung liege bei ihm, sagte Wulff. Er habe keine Vorteile genossen, es handele sich um ein Angebot wie für andere auch.

Mit Blick auf seine frühere Kritik unter anderem an Ex-Bundespräsident Johannes Rau sagte Wulff, man werde lebensklüger und demütiger. Man müsse vor sich selbst immer wieder Rechenschaft ablegen. Das Amt des Bundespräsidenten sei schwieriger geworden. Er sei fest davon überzeugt, dass er das Amt durch eine Reihe von Aktivitäten wieder gestärkt habe, sagte Wulff.

An seinen sechs Urlaube bei befreundeten Unternehmern sieht Wulff kein Unrecht. "Es ist eindeutig kein Verstoß gegen das Ministergesetz." Die Landesregierung in Hannover werde sich dazu äußern. Jedem sei freigestellt, den niedersächsischen Staatsgerichtshof anzurufen. Es handele sich bei den Personen auch um Freunde aus Schulzeiten, die er seit seinem 14. Lebensjahr kenne.

Wenn alle Politiker ab sofort bei keinen Freunden mehr übernachten dürften oder eine Rechnung für Nächte im Gästezimmer ausstellen müssten, dann würde sich die Republik nicht zum Guten verändern, sagte Wulff.

Er sehe sich nach der Beantwortung der rund 400 Fragen nicht als Bundespräsident auf Bewährung. "Die Begrifflichkeit finde ich völlig daneben", sagte Wulff auf eine entsprechende Frage. "Ich habe weder jetzt im Amt als Bundespräsident gegen irgendein Gesetz verstoßen noch vorher. Es geht nicht um Rechtsverstöße, sondern es geht um die Frage von Transparenz, von Darlegung, von Erklärung."

Es sei nun die Frage, "ob nicht akzeptiert wird, dass auch ein Bundespräsident ein privates Leben hat". Auf die Frage, ob das Amt des Bundespräsidenten jetzt schwer beschädigt sei, sagte Wulff: "Durch diese Art von Umgang mit den Dingen hat man dem Amt sicher nicht gedient."

Doch er wolle "nicht gleich bei der ersten Herausforderung weglaufen".

Wem es in der Küche zu heiß sei, dürfe nicht Koch werden.

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