"Immer Ärger mit 40" - Filmkritik

Immer Ärger mit 40: Leslie Mann und Megan Fox
Leslie Mann und Megan Fox

3 von 5 Punkten

40 zu werden scheint die schlimmste Horrorvorstellung für alle zwischen 19 und 39 zu sein. Doch die Protagonisten der meisten Komödien sind entweder Teenager – oder neuerdings auch schon mal Rentner. Diese Marktlücke versucht Judd Apatow ('Jungfrau 40 männlich sucht') zu füllen. Zu diesem Zweck lässt Hollywoods Mann für erwachsene Komödien mit frivolem Humor seine schauspielernde Gattin Leslie Mann zusammen mit Paul Rudd in die Midlife-Crisis schlittern. Doch warum nur möchte man trotz einiger richtig guter Ideen nicht so richtig loslachen?

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Vielleicht, weil Apatow, der auch das Drehbuch verfasste, etwas zu dick aufträgt. Debbie (Leslie Mann) und Pete (Paul Rudd), die wir schon als spießigen Gegenpart zum unfreiwilligen Elternpaar aus dem urkomischen 'Beim ersten Mal' kennen, schicken sich an, das vierte Lebensjahrzehnt zu vollenden. Während sie immer noch heimlich aus dem Fenster raucht und sich jetzt beim Frauenarzt zwei Jahre jünger macht, meint er, das Ganze mit mehr Fassung zu tragen. Aber ist ein Mann, dessen Plattenlabel nicht nur das Finanzamt als Liebhaberei bezeichnen würde und der hinter dem Rücken seiner Frau Süßigkeiten futtert, wirklich erwachsener? Dazu nerven ihre beiden dauerglotzenden Töchter (gespielt von Manns und Apatows Kindern Maude und Iris), von denen eine auch noch in die Pubertät kommt. Und wer mit 40 noch Eltern hat, weiß: Sie sind mitunter immer noch so anstrengend wie damals, als man selbst in der Pubertät war.

Soweit, so nett beobachtet. Das Pete sich mit seinem iPad zum Spielen aufs Klo zurückzieht, weil er in seinem drei-Frauen-Haushalt nirgends Ruhe hat, ist noch charmant – selbst wenn seine misstrauische Frau irgendwann verlangt, den Haufen zu sehen. Doch muss der gute Pete wirklich zum runden Geburtstag seiner Liebsten Viagra einwerfen? Und die Arme dann noch bitten zu ergründen, ob eine Analfistel oder eine Hämorrhoide so an seinem Allerwertesten zwackt? So etwas würde man doch höchstens in einer Verfilmung von Charlotte Roches 'Feuchtgebiete' erwarten.

Fans von Apatows etwas derbem Humor dürfte das nicht verschrecken – denen ist es vermutlich noch zu harmlos inszeniert. Dass man trotzdem nicht immer drüber lachen kann, liegt oft am misslungenen Timing. Viele der improvisierten Szenen werden zu lange ausgehalten oder nach der Pointe weitererzählt. So schmunzelt man ab und an – aber eher nicht über den Verbalhumor, sondern weil man sich und seine Freunde hier und da doch wiedererkennt, vor allem, wenn man selbst gerade 40 geworden ist.

Das ist schade, denn die toll aussehende Leslie Mann und der charmante Paul Rudd spielen durch die Bank überzeugend. Melissa McCarthy, die vollschlanke Entdeckung aus dem von Apatow produzierten 'Brautalarm', sorgt als übereifrige Mama eines Mitschülers für eine der lustigsten Szenen. Und sogar 'Transformers'-Schönheit Megan Fox macht als üppig dekolletierte Verkäuferin in Debbies Boutique mehr als nur eine gute Figur. Ihnen sieht man gerne zu – nur hätten es vielleicht nicht unbedingt 133 Minuten sein müssen. Man wird den Verdacht nicht los, dass sich Apatow ganz schwer von Szenen trennen konnte, in denen seine drei Liebsten zu sehen sind. Nichtsdestotrotz wird man zweieinviertel Stunden lang nett unterhalten, das ist doch schon mal eine ganze Menge.

Von Mireilla Zirpins

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