Imagine Dragons im exklusiven Interview

Imagine Dragons im Talk
Imagine Dragons kommen im Sommer zurück auf Festivaltour. Ihre Welttournee ist fast ausverkauft.

Gegen Bikinimädchen ansingen

An Imagine Dragons, den vier Jungs aus Las Vegas, kommt zur Zeit niemand vorbei: Mit ihrem Hit „It‘s Time“ eroberten sie die Charts, und ihre aktuelle Singleauskopplung „Radioactive“ aus dem Debütalbum „Night Visions“ scheint es dem Vorgänger gleich zu tun. Das Quartett aus dem Glücksspielmekka in Nevada ist derzeit auf ausgiebiger Welttournee. Für uns haben sich die sympathischen Rocker trotz durchfeierter Nacht Zeit für ein Interview genommen.

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Von Nicole Feybert

Hallo zusammen, ich habe gehört, ihr habt die Nacht in Hamburg so gut wie durchgefeiert?

Ben: Ja, es war großartig.

Daniel: Die Show war super. Wir waren anschließend noch auf der Reeperbahn. Unser Konzert war eh in der Nähe, also haben wir danach noch eine Runde durch das Nachtleben gedreht!

(Frontmann Dan kommt als Nachzügler dazu und richtet sich noch die Haare)

Glückwunsch zu eurem Album „Night Visions“. Ihr seid in den USA bereits Stars und nun dabei, Europa zu erobern. Erzählt uns was über eure Musik und was die Hörer von eurem Album erwarten können.

Ben: Wir sind nun seit ca. vier Jahren als Band zusammen und haben bereits einige EPs veröffentlicht. Dieses Album ist nun eine Kombination aus vier Jahren Songschreiben und aus einigen neuen Songs, die unsere Story fortsetzen. Wir haben ein wenig damit gewartet, ein komplettes Album zu veröffentlichen, denn das erste Album, das man als Band veröffentlicht, ist so eine Art Statement: Wie klingt die Band, in welche Richtung geht die Musik? Wir wollten also 100 prozentig sicher sein, dass das, was wir rausbringen, uns richtig repräsentiert.

Eure Single „It‘s Time“ hat Deutschland ja bereits im Sturm erobert. Was steckt hinter dem Song?

Dan: Der Song entstand auf meinem Laptop. Es war ziemlich spät in der Nacht, und ich war zu dem Zeitpunkt an einem sehr unschönen Punkt in meinem Leben. Ich habe in der Küche angefangen, ein wenig mit den Füßen den Rhythmus zu wippen und in die Hände zu klatschen, und das Ganze auf dem Rechner aufgenommen. Dass der fertige Song jemals im Radio gespielt würde, damit hätte ich nie gerechnet. Das war eigentlich ein Song für mich selbst.

Ihr habt eure Karriere in Las Vegas begonnen. Andere Bands gehen üblicherweise nach New York oder L.A. – warum Las Vegas?

Daniel: Für uns hat das super funktioniert. Wenn du in diese Riesenstädte gehst, hast du jede Menge Bands und jede Menge coole Läden, wo du spielen kannst, aber gleichzeitig sind diese Orte dermaßen übersättigt mit guten Bands. Es ist hart, dort herauszustechen. In einem 2-Meilen-Radius gibt es tausende Bands, die genau das gleiche versuchen wie wir.

Also weniger Konkurrenz in Las Vegas?

Daniel: Es sind sehr gute, aber insgesamt weniger Bands dort. Die Leute dort sind eher bereit, dir eine Chance zu geben.

Wayne: Es geht dort mehr um die physische Präsenz, die du hast. Die Zeit zum Performen. In einer Stadt wie New York kannst du wahnsinnig hart arbeiten, und alles, was du bekommst, sind vielleicht zwei Gigs im Monat. Ohne Bezahlung. Und in Vegas kannst du in jedes Casino gehen, fragen, ob sie dich spielen lassen, und du hast direkt einen 6-Stunden-Gig.

„Wir haben gelost, wer von uns Emma Watson anspricht“

Imagine Dragons im exklusiven Interview
Imagine Dragon haben es als Band geschafft! Getreu dem Motto: „Do Or Die – Kämpfe oder geh unter!“

Das klingt fast schon zu einfach …

Daniel: Es war relativ einfach, in den Casinos anzufragen, ob sie uns spielen lassen. Aber es war hart, solche 6-Stunden-Gigs durchzuspielen. Vier Nächte pro Woche - und von fast Nichts zu leben! Wir hatten ein kleines Haus gemietet, reisten in einem winzigen Auto herum und bettelten die Leute an, uns spielen zu lassen. Die ersten Jahre in einer Band sind im Allgemeinen recht hart. Du musst das, was du da tust, schon sehr lieben.

Ben: Es ist eine Herausforderung, in einem Casino in Las Vegas zu spielen. Wenn du in L.A. oder New York spielst, kommen die Leute, um Musik zu hören. In Las Vegas spielst du zu einem Publikum, das eigentlich dort ist, um am Spielautomaten oder am Black-Jack-Tisch zu sitzen. Da war absolut keiner gekommen, um uns zu sehen. Also mussten wir gegen die Geräuschkulisse von Einarmigen Banditen und sonstige Ablenkungen wie Lichter oder Bikinimädchen anspielen und versuchen, Aufmerksamkeit zu bekommen. Das musst du mit deiner Performance schaffen.

Gab es Zeiten, in denen ihr aufgeben wolltet?

Dan: Ja, ich denke alle von uns haben in diesen Zeiten den Gedanken immer wieder im Kopf gehabt. Viele Male … (allgemeines Nicken und Gelächter). Aber da musst du durch. Kämpfe oder geh unter! Einen Plan B gab es nicht. In diesen Zeiten hilft es enorm, wenn man erkennt: ‚Was soll ich anderes tun - Musik ist alles, was ich kann!‘

Wo wir beim Thema „Durchhalten“ sind: Dan, da gibt es diese Geschichte über dich in einem Club in Las Vegas …

Dan: Ja, wir haben im „La Shea‘s“ damals diese 6-Stunden-Gigs gespielt. Vier Nächte die Woche. Und sechs Stunden jede Nacht sind einfach viel zu lang! Keine normalen Menschen machen das. An einem Abend war ich körperlich so kaputt, dass ich bei einem Song zusammenklappte, ohnmächtig in Richtung Schlagzeug hintenüberfiel und dabei einiges an Ausstattung mitriss. Dazu kommt, ich bin auch noch ziemlich groß, das ist also ein langer Weg bis nach unten.

Ben: Wir hofften, dass er noch lebt!

Dan: Ich bin dann wieder zu mir gekommen und habe den Song fertig gesungen. Danach gab es Standing Ovations von einem vollen Casino um vier Uhr morgens.

Ihr wart für die Video Music Awards nominiert. Wie war das für euch?

Ben: Wahnsinnig unerwartet. Unsere Band in einer Reihe neben Namen wie Linkin Park, Jack White, The Black Keys und Coldplay zu sehen, war unfassbar. Ich kann nicht unbedingt sagen, dass wir enttäuscht waren, zum Schluss gegen jemanden wie Coldplay ‚verloren‘ zu haben.

Wer war für euch der spannendste Künstler, den ihr dort getroffen habt?

Daniel: (begeistert) Wir haben Emma Watson dort getroffen. Sie saß direkt vor uns, mit ein paar anderen Schauspielern. Unser Song „It‘s Time“ ist ja der Song im offiziellen Trailer zu ihrem Film „Vielleicht lieber morgen“. Wir haben dann Schnick-Schnack-Schnuck gespielt, wer den Mut haben muss, um hinzugehen und mit ihr zu reden. Ich habe natürlich verloren, bin zu ihr hin und habe gesagt: ‚Hey, ich bin dieser nervige Typ aus der Band, die den Trailersong geschrieben hat‘. Und weißt du was? Sie kannte uns (lacht) und war total aufgeregt. Sie ist sehr nett. Aber es war irgendwie surreal …

Was wird nach einem solchen Event gemacht? Habt ihr gefeiert?

Wayne: Wir haben Unmengen Sushi gegessen und unsere Niederlage gegen Coldplay gefeiert! (alle lachen)

Ihr seid auf einer gigantischen Welttournee: Von Europa geht es in die USA, dann Kanada, Festivals in Europa, Russland, Japan … Gibt es Orte, auf die ihr euch besonders freut?

Daniel: (überlegt) Asien vielleicht … aber wir freuen uns auf alle Orte besonders, wo wir noch nie waren. Wobei wir allerdings sagen müssen, dass Deutschland eins unserer Lieblingsländer ist. Das Essen hier ist klasse, die Leute sind supernett, es ist toll, wieder hier zu sein.

Ben: Deutsche Fans sind so leidenschaftlich und loyal. Das ist wie ein Extra-Level an Support, den wir hier bekommen. Deshalb spielen wir hier auch ein paar mehr Shows, um den Fans etwas zurückzugeben.

Könntet ihr sagen, in welchem Land ihr spielt, nur anhand der Reaktion des Publikums?

Daniel: Manchmal ja! Es gibt Länder, die haben richtige Rituale. In Schottland z.B. haben die Fans so einen bestimmten Song, den alle singen, bevor es losgeht.

Wayne: … den mit den Schimpfwörtern drin. (allgemeines Gelächter)

Dan: In Amsterdam springt das komplette Publikum im Takt mit.

Ben: Engländer haben immer diesen Mosh-Pit vor der Bühne.

Daniel: Und Crowdsurfing gibt‘s in Bristol!

Wayne: Skandinavien singt immer noch die Ooohs aus unserem Song „On Top Of The World“, wenn der Song schon fertig ist.

Ihr habt einen freien Tour-Tag ohne sobnstige Verpflichtungen. Was macht ihr?

Alle (sofort) : Nichts! (lachen)

Ben: Wir suchen uns einen Park, legen die Beine hoch und haben hoffentlich schönes Wetter. Wir fühlen uns wie die blassesten Typen auf dem Planeten, weil wir quasi im Tourbus leben.

Wayne: … inzwischen schlafen wir tagsüber.

Daniel: Gutes Essen, Drinks, die Sonne genießen und wir sind glücklich!

Vielen Dank für das Interview!

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