'Im weißen Rössl' Filmkritik - Start: 7.11.

'Im weißen Rössl' Filmkritik - Start: 7.11.

Von Verena Fücker

2,5 von 5 Punkten

„Was ein Kitsch!“ Diana Amft trifft es in ihrer Rolle als Ottilie Giesecke genau auf den Punkt. In der Neuverfilmung des 50er-Jahre-Klassikers „Im weißen Rössl – Wehe du singst“ geht’s ganz schön schnulzig zu.

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Der Berliner Wilhelm (gespielt von Armin Rohde) will seiner Tochter Ottilie (Diana Amft), die gerade von ihrem Freund verlassen wurde, eine Freude machen und schenkt ihr einen Kurzurlaub im 'Weißen Rössl' am Wolfgangsee. Obwohl sie darauf eigentlich keine Lust hat, sagt Ottilie zu. Kaum am Urlaubsort angekommen, wird Ottilie von der aufgesetzten Freundlichkeit der See-Anwohner und Hotelgäste fast erschlagen. Als ihr dann auch noch Landarzt Dr. Siedler (Tobias Licht) einen Heiratsantrag macht, ist sie sich sicher: Die Menschen hier sind nicht von dieser Welt. Nur mit Leopold (Fritz Karl), dem halbwegs normalen Oberkellner des 'Weißen Rössl', kann Ottilie etwas anfangen und versucht ihm Tipps zu geben, wie er bei seiner Chefin und Angebeteten Josepha (Edita Malovcic) landen kann. Die hat jedoch ganz andere Problem: Zum einen will sie unbedingt Dr. Siedler erobern, zum anderen das Hotel an Millionär und Frauenschwarm Sigismund Sülzheimer (Gregor Bloeb) verkaufen, ohne zu wissen, dass dieser es abreißen lassen will.

Filmszene Im Weißen Rössl Alpenidyll der Extraklasse. Der Wolfgangsee bietet die perfekte Kulisse für die Alpen-Romantik-Komödie.

Überbordender Kitsch im Alpenidyll

Halbwegs interessant, weil Diana Amft da noch wirklich glaubwürdig spielt, ist vor allem der Anfang. In Berlin ist die Welt grau, und es regnet den ganzen Tag. Auch auf dem Weg zum Wolfgangsee werden Ottilie und Wilhelm vom Regen verfolgt. Kaum sind sie aber über die letzte Bergkuppe vor ihrem Ziel gefahren, erstrahlt alles in hellem Sonnenschein, und mehrere Regenbögen durchziehen den Himmel. Amft glänzt hier in ihrer Rolle, da sie die ganze Heimatromantik mitsamt ihrer unnatürlichen Farben und den viel zu starken Kontrasten aufs Korn nimmt, ohne das Ganze in Klamauk enden zu lassen. Für jeden Nicht-Volksmusik-Fan ist das herrlich lustig.

Je weiter der Film aber fortschreitet, desto mehr wird das Ganze dann doch zur Parodie, die sogar so weit reicht, dass die Schuhplattler-WM am Ende des Films sehr stark an den US-Film ‚Bierfest‘ erinnert, der die deutschen Bierseligkeit aufs Korn nimmt. Irgendwann gibt es im Film einfach zu viel Alpenkitsch.

Das liegt aber nicht an den Schauspielern. Sie bringen die Traumwelt des 'Weißen Rössl' charmant rüber, sodass man eigentlich merkt, dass die Szenerie nicht so ganz ernst gemeint ist. Und das obwohl die Schauspieler ihre Figuren komplett in diese Kitsch-Realität integrieren.

Wer also auf überbordenden Kitsch und Alpenidyll steht, der sollte sich den Film ‚Im weißen Rössl – Wehe du singst‘ auf jeden Fall angucken. Für alle anderen gilt: Dieser Film holt dank seiner bunten Kulissen definitiv aus jeder depressiven Phase raus. Und das hält tagelang an: Den Ohrwurm des Titelliedes wird man nämlich nicht mehr so schnell los.

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