'Im Rausch der Sterne': Bradley Cooper als genialer Sternekoch in lückenhaftem Drama

von
Bradley Cooper als genialer Sternekoch in 'Im Rausch der Sterne'
Adam Jones (Bradley Cooper) ist ein begnadeter Koch. Manche nennen ihn einen Rockstar der Küche. © Alex Bailey

3 von 5 Punkten

Bradley Cooper ist "im Rausch der Sterne". Das klingt nach Liebe, Herzschmerz und großen Gefühlen, nach neuer Frau, Kitsch und Herzchen in den Augen. Eben ganz nach Hollywood. Doch weit gefehlt. Der neue Film des bereits drei Mal für den Oscar nominierten Schauspielers führt den Zuschauer viel mehr in eine Welt der gewetzten Messer, zerbrochenen Teller und Pfannenheber – nämlich in die eines Meisterkochs.

- Anzeige -

In einer Zeit, in der die Küche dank TV-Köchen wie Jamie Oliver oder Steffen Henssler nicht mehr nur gesichtslosen Geschmacksexperten gehört, sondern zum Ort meisterlicher Perfektion mit gewitzter Unterhaltung wird, hat es Regisseur John Wells ('Im August in Osage Counte') geschafft, eine lebhafte, hochkarätig besetzte Gourmet-Komödie auf die Leinwand zu bringen – die an einigen Stellen jedoch etwas fad daherkommt.

Die Handlung ist schnell erzählt: Adam Jones (Bradley Cooper, 'American Sniper') wagt nach einem Drogen bedingten Absturz in Paris ein Comeback in London. Nach drei Jahren will es der Sternekoch im Restaurant seines Freundes Tony (Daniel Brühl, 'Die Frau in Gold') noch einmal wissen und sich den lang ersehnten dritten Michelin-Stern erkochen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist dem perfektionistischen Rockstar am Herd fast jedes Mittel recht. Auch zwischenmenschlich nimmt er keine Rücksicht. Sein Sous-Chef Michel (Omar Sy, 'Jurassic World') und die talentierte, alleinerziehende Köchin Helene (Sienna Miller, 'High Rise') müssen die Eskapaden des jähzornigen Gourmet-Genies ertragen – inklusive der Teller und Pfannen, mit denen er schon mal um sich wirft.

Hochkarätige Besetzung, aber Abstriche im Drehbuch

Sienna Miller und Bradley Cooper in 'Im Raus der Sterne'
Liebe geht auch bei Chefköchen durch den Magen: Helene (Sienna Miller) und Adam (Bradley Cooper). © Alex Bailey

Die Geschichte eines Mannes, der mal ganz oben war, dann abstürzte und nun wieder nach oben will, ist nicht neu. Gefühlt hunderte Male hat man eine Story und Charaktere ähnlicher Art schon gesehen. Es ist die Geschichte eines ehrgeizigen Einzelgängers, der sich auf niemanden einlässt, aber im Laufe der Geschichte erkennt, dass er die Hilfe seiner Freunde braucht. Nur das Setting ist neu: eine Sterne-Küche.

Ungeschönt zeigt 'Im Rausch der Sterne' wie hektisch es hinter den Kulissen des perfekten Geschmackserlebnisses zugehen kann. Da brüllt Adam Jones ohne Pause seine Mitarbeiter an, die panisch versuchen, das perfekte Menü zuzubereiten. Sie braten, filetieren, dekorieren, spülen und fluchen ohne Unterlass – und ohne ihren cholerischen Chef zufrieden zu stellen. All das fängt die Kamera beständig und sehr geschmackvoll ein: Sie gleitet über glänzendes Filet, schaut in die Töpfe köchelnden Gemüses und leuchtet grell auf beim Flambieren von Dessert.

Und auch die Besetzung ist nicht von schlechten Eltern – doch hier hat der Film seine Schwächen: Hauptdarsteller Bradley Cooper füllt die Szene des exzentrischen Sternekochs zwar bis in die letzte Pore aus und macht auch mit dem noch so schärfsten Messer eine gute Figur, während man Sienna Miller die Rolle der kochenden Powerfrau, die zudem noch eine alleinerziehende Mutter ist und sich (natürlich) in ihren Chef verliebt, aber nicht so ganz abnimmt. Noch unglaubwürdiger aber erscheint der in Hollywood mittlerweile gut etablierte Daniel Brühl in der Rolle des schwulen Hotelchefs. Etwas blass kommt er daher, verzehrt sich heimlich nach seinem besten Freund. Doch viel näher als einen Probierlöffel in der Küche kommt er ihm nicht.

So bleibt 'Im Rausch der Sterne' ein gut inszeniertes Drama mit tollen Schauspielern, das aber aufgrund des durchschnittlichen Drehbuchs etwas fad daherkommt. Mit etwas mehr Salz und Pfeffer wäre da sicherlich mehr drin gewesen – so bleibt es mit einem ansehnlichen Bradley Cooper in der Hauptrolle ein typischer Feelgood-Film.

Kinostart: 03. Dezember 2015

Genre: Komödie/ Drama

Originaltitel: Burnt

Filmlänge: 102 Minuten

— ANZEIGE —