Im Auftrag des Herrn mit Lamas und Alpakas

Pfarrerin Wiltrud Bauer
Die Pfarrerin Wiltrud Bauer lässt sich bei der Seelsorge vom Lama Maputo (M) und dem Alpaka unterstützen. Foto: Oliver Dietze © DPA

Das Lama Maputo und das Alpaka Alejandro kennen den Weg zur Kirche bestens. Vom Garten des Pfarrhauses geht es die Straße entlang durchs Dorf: Dann noch 20 Stufen zur Kirche hinauf - und schon stehen die exotischen Tiere mit Pfarrerin Wiltrud Bauer am Altar.

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"Wir sind öfter hier", sagt die 43-Jährige. Die evangelische Pfarrerin setzt ihre Tiere regelmäßig bei der Arbeit in ihrer Kirchengemeinde Landsweiler-Schiffweiler im Saarland ein.

"Über die Tiere kann ich Menschen oft besser erreichen als über das Reden und Beten in der Kirche", erklärt Bauer. Sie ist ihrer Kenntnis nach in Deutschland die einzige Pfarrerin, die tiergestützte Seelsorge mit Lamas und Alpakas in einer Gemeinde betreibt.

Etwa nach dem Tod eines Angehörigen oder in einer Lebenskrise: "Nicht jeder redet da gerne mit dem Pfarrer. Da gibt es eine Hemmschwelle", berichtet die gebürtige Pfälzerin. Um das Reden leichter zu machen, bietet die Theologin einen Spaziergang mit ihren Tieren an. "Jeder nimmt sich ein Lama oder Alpaka, und dann kommen wir gleich ins Gespräch." Wenn man beim Spaziergehen mal zehn Minuten schweige, sei das gar nicht peinlich.

Drei Alpakas und zwei Lamas hat die Theologin im Stall. "Es sind so wunderbar unaufdringliche und zugleich aufmerksame Tiere." Als sie 2011 den Job antrat, sei es ihre Voraussetzung gewesen, dass sie die Tiere mitbringen konnte. Nach dem Studium hatte sie am Institut für soziales Lernen mit Tieren in der Wedemark eine Weiterbildung in tiergestützter Therapie und Pädagogik gemacht. "Ich war da die erste Theologin unter lauter Physio- und Psychotherapeuten."

Mit einem Strauß an Projekten entwickelte sie ein Konzept für tiergestützte Seelsorge: Einmal im Monat geht sie mit ihrer Gemeinde und Tieren auf eine meditative Wanderung durch den Wald - unter dem Motto "Kirche aus dem Häuschen". "Die Tiere lehren uns einen anderen Blick auf die Schöpfung", sagt Bauer. Sie nähmen in der Natur Dinge wahr, die dem Menschen entgingen. Außerdem komme man beim gemächlichen Gang der Tiere vom Alltagsstress gut runter.

"Die Wanderungen sind etwas ganz Besonderes", meint Frank König aus der Gemeinde. Man gehe mit offenen Augen durch die Natur und komme ganz anders ins Gespräch. Er sei schon sechs oder sieben Mal dabei gewesen und habe auch Tiere am Strick geführt. "Die Wanderungen sind eine Bereicherung."

Die tiergestützte Seelsorge, wie Bauer sie betreibe, sei "in dieser Ausprägung sicher ein Solitär", sagt der Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, Jens Peter Iven, in Düsseldorf. Bauer verfolge damit einen Ansatz, der vor Ort gut funktioniere: "Er schafft Möglichkeiten, mit den Menschen in Kontakt zu treten." Zur rheinischen Landeskirche gehören rund 2,65 Millionen Gläubige in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Hessen.

Immer wieder geht Bauer mit ihren Alpakas und Lamas auch in ein Seniorenheim. Die Senioren seien beeindruckt, wenn sie im Rollstuhl von den Tieren über den Hof gezogen würden - oder einen weichen Stupser bekämen. "Das ist mein Anliegen: Lebensfreude schaffen", sagt sie. Da die Tiere fast stubenrein seien und gut Treppen laufen könnten, besuche Bauer auch bettlägerige Bewohner. "Sie sind sehr überrascht, wenn da plötzlich ein Lama an ihrem Bett steht."

Und darum gehe es eben auch: "Kirche muss nicht bierernst sein. Gemeindearbeit soll auch Freude und Spaß bringen", sagt die Geistliche, die noch jede Menge anderer Tiere hat - von Rothörnchen bis zu Rennmäusen. Zu ihrer Gemeinde gehören gut 2000 Protestanten. Einer der größten Auftritte ihrer Tiere sei der Gottesdienst an Weihnachten beim Krippenspiel. "Da ist die Kirche knallvoll."

Als sie 2011 mit ihrem kleinen Zoo im Ort ankam, seien die Bewohner zunächst etwas skeptisch gewesen - wegen ihrer verrückten Ideen. "Nicht jeder im Dorf versteht vielleicht sofort den Nutzen von so einem Alpaka." Positiv gesehen worden sei, dass sie anpacken könne: Stall ausmisten, Zaun bauen, Schubkarren fahren. Heute gehört die Pfarrerin mit ihren Andenkamelen fest zum Ortsbild.


dpa
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