"Illuminati-Ball": Geheimes Masken-Spektakel in New York

Illuminati-Ball
Der "Pig King" (Schweine-König) und das Allsehende Auge der Freimaurer. Foto: Mark Shelby Perry/Cynthia von Buhler © DPA

Zwei nackte Frauen stehen sich gegenüber vor einem Feuer, ihre Gesichter liegen verborgen hinter Tiermasken. Langsam tanzen sie aufeinander zu. Hinter ihnen stehen 30 New Yorker, die nervös lächeln und sich nicht ganz sicher sind, worauf sie sich da eingelassen haben.

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Sie alle sind Gäste eines "Illuminati-Balls". Anderthalb Stunden zuvor wurden sie in einem Limousinen-Bus in Manhattan abgeholt und in eine entlegene Gegend in Connecticut gefahren. Wo genau der Ball stattfindet, weiß keiner: Alle Handys werden bis zum Ende der Nacht konfisziert und die Fenster des Busses abgedunkelt.

Schließlich begrüßt der "Pig King" (Schweine-König) seine erwartungsvollen Gäste und führt sie in ein beeindruckendes Jagdschlösschen an einem See. Ein Acht-Gänge-Menü und Cocktails warten auf die Anwesenden, unter denen sich New Yorker Banker, Juristen und Ärzte befinden. Der erste Gang wird mit verbundenen Augen in einem Speisesaal voller ausgestopfter Tiere und Kunst serviert, während eine Opernsängerin singt und Tänzer akrobatisch über den Köpfen der Gäste schwingen.

Das Konzept des "Illuminati-Balls" entwarf die US-Künstlerin Cynthia von Buhler. Die 51-Jährige führt gemeinsam mit ihrem Mann Russell Farhang und rund einem Dutzend Schauspieler durch den Abend. Als Inspiration diente der Illuminati-Ball aus dem Jahr 1972, auch bekannt als Surrealist Ball, den Baroness und Baron Rothschild in ihrem französischen Château gaben, unter anderem mit dem spanischen Künstler Salvador Dalí zu Gast.

"Nachdem ich Fotos von dem Ball der Rothschilds gesehen habe, wollte ich eine dekadente, ausschweifende Party geben. Beim 'Illuminati-Ball' geht es vor allem um Macht. Es ist eine Nacht, die man nicht so schnell vergisst", sagt von Buhler. Sowohl die Schauspieler als auch die Gäste verbergen ihre Gesichter hinter Masken, von perlenverzierten Kunststücken über Bullen-Hörner, bis hin zu Kuhköpfen und Affenmasken. "Tiere spielen eine große Rolle in dem Stück. Mich fasziniert die Beziehung, die wir Menschen zu Tieren haben."

Bald begrüßt auch ein lebendiges Minischwein die Anwesenden. Schweinchen Persephone rennt aufgeregt durch die Stuhlreihen und freut sich, von den Gästen gefüttert zu werden. Das Tierthema zieht sich wie ein roter Faden durch die Nacht: In dem obskuren Theaterstück, das in verschiedenen Akten während des Abends aufgeführt wird, geht es um Verrat und einen Konflikt zwischen dem Schweine-König und einem Affen.

Doch keiner der Gäste versteht die Handlung so richtig. Dafür ist die Nacht viel zu sehr ein Mischung aus Feuertänzen, Milchbädern, Burlesque Tanz und Luftakrobatik. Mehr Details dürfen nicht verraten werden, da alle Teilnehmer Verschwiegenheit schwören müssen.

Kurz vor Mitternacht fällt Mondlicht auf den ruhigen See umringt von Bäumen. Leise schweift Musik über den Bootssteg. Lachend, überschwänglich und ein wenig verwirrt machen sich die Ball-Teilnehmer bereit für die Rückreise nach New York. "Ich wusste nicht, was genau ich erwarten soll, vor allem, da alles geheim war und uns keine Details verraten wurden. Aber genau das mochte ich daran - den Überraschungseffekt. Surreal war die Nacht allemal", sagt Te'Rhon O'Neal, ein Banker aus Manhattan.

Allerdings hat das exklusive Abenteuer seinen Preis: Ein Ticket kostet 450 Dollar (etwa 407 Euro). "Viel Gewinn machen wir damit nicht, da die Kosten recht hoch sind", sagt von Buhler. "Es ist eher eine Herzensangelegenheit." Der Ball findet seit Februar zweimal im Monat statt und läuft voraussichtlich noch bis Oktober dieses Jahres. Bislang war er jedes Mal ausgebucht.

Von Buhler arbeitet schon an ihrem nächsten Projekt: einer Neuauflage ihres ersten immersiven Theaterstücks "Speakeasy Dollhouse: The Bloody Beginning" in Brooklyn. In den letzten Jahren hat immersives Theater, bei dem das Publikum in die Vorstellung mit einbezogen wird, in New York große Erfolge gefeiert.

"Ich liebe New Yorker, aber ich glaube, dass Menschen überall in der Welt außergewöhnliche Erfahrungen in ihrem Leben machen wollen", sagt von Buhler. "Solange man aufgeschlossen ist und es einem nichts ausmacht, manchmal auch ein bisschen nackte Haut zu sehen."


dpa
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