'Ich und Kaminski': Daniel Brühl und Regisseur Wolfgang Becker, das Erfolgsduo von 'Good Bye, Lenin!', wieder vereint

'Ich und Kaminski': Daniel Brühl und Regisseur Wolfgang Becker, das Erfolgsduo von 'Good Bye, Lenin!', wieder vereint
Sebastian Zöllner (Daniel Brühl) an der Seite des alternden Künstlers Manuel Kaminski (Jesper Christensen). © Gordon Timpen

3 von 5 Punkten

Ganze zwölf Jahre ist es bereits her, dass Regisseur Wolfgang Becker und sein damaliger Hauptdarsteller Daniel Brühl mit ‚Good Bye, Lenin!‘ einen der größten deutschen Kinohits gelandet haben. Der Film wurde von mehr als sechs Millionen Kinobesuchern gesehen und gehört damit zu den 15 erfolgreichsten deutschen Filmen in deutschen Kinos überhaupt. Für seinen neuen Film ‚Ich und Kaminski‘ holte sich Becker nun erneut Daniel Brühl als Hauptdarsteller vor die Kamera, der als narzisstischer Kunstkritiker endlich den Coup seines Lebens landen will.

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Von Lukas Pöggeler

Dabei zeigt Brühl ein ums andere Mal, dass er nicht umsonst zu den festen Größen des deutschen und längst auch internationalen Kinos zählt, der bereits mit den meisten Hollywood-Größen zusammengearbeitet und sich so schon viele Jahre einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat. Völlig zurecht, wie sein facettenreiches Spiel in Beckers neuem Film zeigt. In ‚Ich und Kaminski‘ spielt Brühl den Autor Sebastian Zöllner, ein Ekelpaket und Meister der Selbstüberschätzung. Um endlich berühmt zu werden, plant er nun den ganz großen Coup: Eine enthüllende Biographie über den legendären, aber fast vergessenen Maler Manuel Kaminski (Jesper Christensen, 'Ein Quantum Trost', 'Melancholia'). Dieser hatte als blinder Maler Ruhm erlangt, war Schüler von Henri Matisse und Pablo Picasso und lebt nun zurückgezogen in den Bergen. Zöllner dringt in Kaminskis Umfeld ein, kommt aber nicht wirklich an ihn heran. Dabei ist der Aufhänger für sein Enthüllungsbuch schon längst gefunden: Schon länger kursieren Gerüchte darüber, dass Kaminski seine Blindheit jahrelang nur vorgetäuscht hat.

Visuell schöne Effekte

'Ich und Kaminski': Daniel Brühl und Regisseur Wolfgang Becker, das Erfolgsduo von 'Good Bye, Lenin!', wieder vereint
Kulturjournalist Sebastian Zöllner will endlich den Coup seines Lebens landen. © Gordon Timpen

Um der Sache auf den Grund zu gehen und um an den Maler heranzukommen, macht Zöllner die tot geglaubte ehemalige Geliebte von Kaminski ausfindig. Der Maler will sie unbedingt treffen und begibt sich mit Zöllner auf einen abenteuerlichen Road-Trip. Dabei wird immer klarer, dass nicht nur Zöllner manipuliert, sondern auch Kaminski ein Manipulator ist. Am Ende tut einem der anfangs extrem unsympathische Protagonist Sebastian Zöllner fast leid – sicherlich eine Stärke der Tragikomödie.

Erfolgsautor Daniel Kehlmann, auf dessen Buch der Film basiert, nannte den Protagonisten Sebastian Zöllner „charakterlich problematisch“. Und damit hat er wahrlich nicht untertrieben. Daniel Brühl bringt diesen wirklich problematischen Charakter überzeugend rüber. Dass man den sich völlig selbst überschätzenden, manipulativen Kulturjournalisten, der beruflich und privat ein Verlierertyp ist, am Ende doch etwas in sein Herz geschlossen hat und sogar Mitleid empfindet, ist auch zu einem guten Stück Daniel Brühl zu verdanken.

Auch visuell überzeugt der Film. In der Anfangsszene erzeugen die auf alt getrimmten Bilder den Eindruck, einer wahren Begebenheit zuzusehen, wodurch der Zuschauer in die Geschichte gezogen wird. Der Effekt, dass reale Szenen zu Malereien verschwimmen und Malereien zu realen Szenen werden, ist auch ein schönes Gimmick. Allerdings können auch diese Effekte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film bei einer Gesamtlänge von etwa zwei Stunden einige Längen hat.

Alles in allem wird in 'Ich und Kaminski' dennoch eine runde Geschichte erzählt, an deren Ende es keinen Sieger und Besiegten gibt. Zöllner und Kaminski befreien sich, auch durch ihre Manipulationen, aus ihrem bisherigen Dasein und entwickeln sogar Sympathien füreinander. Keine Frage, ein Megahit wie 'Good Bye, Lenin' ist Becker vielleicht nicht gelungen, ein solider Film mit einem wie gewohnt vortrefflich spielenden Daniel Brühl ist es ohne Zweifel dennoch geworden.

Kinostart: 17. September 2015

Genre: Komödie

Originaltitel: Ich und Kaminski

Filmlänge: 123 Minuten

Darsteller: Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar

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