'Ich & Orson Welles': Zac Efron will weg vom Singschnulli-Image

Zac Efron: Trotz seines aalglatten Äußeres eine gute Wahl für ernstere Stoffe

'Ich & Orson Welles': Zac Efron will weg vom Singschnulli-Image

In „High School Musical“ oder „Hairspray“ durfte er stets nur den gelackten Schulschönling geben und wurde von Kritikern prompt zum niedlichen Musicalschnulli abqualifiziert. Dass er singen und tanzen kann, war den meisten dabei nicht mal eine Erwähnung wert. Das stört den Teenieschwarm (Baujahr 1987), der längst die 20 überschritten hat, natürlich ganz gewaltig. In „17 Again“ bewies er, dass er auch komödiantisches Talent hat. Nun versucht er allen zu zeigen, dass er trotz seines aalglatten Äußeren auch eine gute Wahl für ernstere Stoffe ist. Und er hat renommierte Regisseure auf seiner Seite.

Indie-Liebling Richard Linklater („Before Sunrise“, „School Of Rock“) hat den hübschen Kalifornier gleich zur Hauptfigur seines Dramas „Ich und Orson Welles“ gemacht – einer bewusst altmodisch in Szene gesetzten Geschichte über das Theatermachen und das übergroße Ego Orson Welles'. Efron spielt darin den naiven Schüler Richard, der durch Zufall 1937 in Welles' unabhängige Bühnentruppe am Mercury-Theater gerät. Er schafft es sogar zu einer winzigen Sprechrolle in dessen legendärer Aufführung von Shakespeares „Julius Caesar“, in der das alte Rom als Analogie zum Mussolini-Regime gezeichnet wird. Damals ein revolutionärer Ansatz.

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Für Liebhaber von Richard Linklater ist der Film leider zu konventionell geraten

Durch Richards zunächst unbefangene Augen erleben wir die Naturgewalt Orson Welles – damals mit gerade mal 22 Jahren schon ein Hansdampf in allen Gassen, Schauspieler, Regisseur, Selbstdarsteller, schamloser Egomane. Auch wenn der hierzulande völlig unbekannte britische Bühnenschauspieler Christian McKay nicht ganz Welles' massige Statur mitbringt, überzeugt er voll und ganz in der Rolle des despotischen Multitalents. Er porträtiert dieses menschliche Monster mit großer Hingabe, unsypmathisch und doch faszinierend. Er erniedrigt seine Schauspieler und Bühnenarbeiter, schläft sich einmal durchs Ensemble, obwohl daheim eine schwangere Frau auf ihn wartet und lässt jeden seine Überlegenheit deutlich spüren.

Nur an Richard scheint der Kelch zunächst vorüber zu gehen, betrachtet Welles den Youngster der Truppe doch offenbar als eine Art Maskottchen. Das ändert sich schlagartig, als sich Richard in Welles' schicke Assistentin Sonja (Claire Danes) verguckt. Auf einmal entbrennt ein ungleicher Machtkampf, bei dem Richard nur verlieren kann – genauso wie Zac Efron als Schauspieler gegen Christian McKay.

Gegen dessen facettenreiches Spiel kommt der Jungspund natürlich nicht an, aber man muss zu seiner Verteidigung auch sagen, dass Zac Efron auch die flachste Rolle abbekommen hat. Sein Richard soll wie ein blanker Spiegel, wie eine Projektionsfläche für die Reaktionen des Zuschauers wirken. Schließlich erfahren wir, dass Richards Vorgänger in der Rolle des Ukulele spielenden Lucius gerade deswegen gefeuert wurde, weil er Persönlichkeit hatte.

Zac-Efron-Fans dürfte das nicht weiter stören, sieht ihr Idol doch immerhin ganz schnuckelig aus im 30er-Retro-Look und darf sogar ein Liedchen anstimmen. Allerdings ist die Theaterwelt von 1937 vermutlich nicht unbedingt der Interessenschwerpunkt der vorwiegend jungen und weiblichen Anhängerschaft Efrons. Für Liebhaber von Richard Linklater, der sich noch nie in eine Schublade pressen ließ und für innovative Inszenierungen bekannt ist, ist der Film vermutlich einfach zu konventionell geraten. Immerhin: Auch wenn Zac Efron nicht der Star des Streifens ist, er stört zwischen all den erstklassigen Schauspielern nicht und bekommt demnächst in „Wie durch ein Wunder“ nochmal die Gelegenheit, etwas mehr dramatisches Talent zu entfalten.

Von Mireilla Zirpins

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