"Ich bin nicht nur die lustige Dicke"

Maite Kelly posiert vor der Kamera
Maites Album "Das volle Programm" ist ab dem 16.9. im Handel erhältlich.

Was macht das Tanzen, Maite?

Was macht das Tanzen? Bist du immer noch am Ball oder hast du erstmal die Nase vom Tanzen voll?

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Nein, ich habe das auf keinen Fall beiseite geschoben. Die Platte ist eigentlich eine Hommage an das Tanzen. Nachdem ich die Hauptrolle im Musical 'Hairspray' aufgegeben habe, ganz einfach, weil das Programm zu Ende war, hat mir eines am meisten gefehlt: das Tanzen – auch wenn bei 'Let's Dance' natürlich ganz anders getanzt wurde. Ich war sehr traurig, weil ich gemerkt habe, dass mir irgendwas fehlt. Als dann die Idee zum Album lange vor der Show entstanden ist, wollte ich unbedingt Lieder aufnehmen, zu denen ich das Tanzen bei meiner Bühnen-Performance integrieren kann. Das heißt so, dass beide Elemente ineinander übergehen.

Ich glaube, wenn meine Mutter noch gelebt hätte, hätte sie gemerkt, dass das Tanzen ein Teil von mir ist und es auch gefördert. Mein Vater hat es damals nicht gesehen, ganz einfach, weil es damals nicht das Thema war. Da stand die Musik im Vordergrund. Aber meine Mutter war Tänzerin durch und durch und ich denke, dass sie meinen Drang, auf der Bühne tanzen zu wollen, irgendwann erkannt hätte. Vielleicht hole ich das jetzt alles nach.

Ich habe kürzlich ein Interview mit deinem Bruder Joey gelesen, indem er auch gesagt hat, dass euer Vater damals nur die Gruppe und euch als Familie gesehen hat. Kann es sein, dass eure einzelnen Stärken dabei auch ein bisschen auf der Strecke geblieben sind?

Joey hat über eine Zeit gesprochen, die sich auf die letzten drei Jahre bezogen, die unser Vater noch gelebt hat. Ehrlich gesagt, war er da nicht mehr er selbst. Da war er alt. Er war 72 Jahre alt und hatte 15 Jahre vorher einen Schlaganfall. Ich habe damals schon gemerkt, dass er nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Und da hat er in seiner Autorität als Vater auch ein paar Fehler gemacht, die auch dazu geführt haben, dass gewisse Mitglieder vielleicht nicht so ihren Weg gehen konnten wie sie es vielleicht mussten. Das war eine traurige Zeit, für uns Kinder, aber auch für unseren Vater.

Sondergrößen - das war einmal

Du hast dich nicht nur musikalisch, sondern auch optisch verändert. Fühlst du dich wohler als zuvor?

Definitiv. Ich habe damals immer das Wohl der Gruppe in den Vordergrund gestellt. Es ist einfach normal, dass du da ein gewisses Image nach außen tragen musst. Diese Trachten, die ich in der Zeit der Kelly Family tragen musste, war damals okay für mich. Natürlich gab es auch immer Momente, wo ich dachte, dass es ein paar weniger Locken oder Samtklamotten hätten sein können. Ich hatte allerdings das große Glück, dass ich auf dem Flohmarkt keine Klamotten in meiner Größe finden konnte. So konnte ich dann die Ausrede bringen, dass ich meine Sachen auch in ganz normalen Läden kaufen muss.

Die Ausrede, dass du nicht überall was zum Anziehen findest, würde jetzt aber auch nicht mehr ziehen, oder?

In der Abteilung für Sondergrößen muss ich jetzt natürlich nicht mehr einkaufen. Das ist super lustig: Wenn ich mir heute ein XL-Teil greife und überwerfe, kommt es oft vor, dass es einfach zu groß ist. Dann sage ich mir: 'Stimmt, du musst jetzt bei M und L gucken'. Das macht mich natürlich schon stolz.

In einem Interview hast du kürzlich gesagt, dass dein Körper auch dein Kapital ist und es wirtschaftlich uninteressanter wäre, wenn du noch mehr abnehmen würdest. Wie darf man das verstehen?

Erst einmal muss ich sagen, dass viele Leute das Thema in meinen Augen übergewichten. Ich habe zwar kein Problem damit, darüber zu reden, weil es mein Körper ist. Mein Arzt ist ganz stolz auf mich, ich bin im grünen Bereich. Dennoch finde es manchmal richtig dreist, wie manche Journalisten mit diesem Thema umgehen und es ausschlachten. Wenn jemand eine Sehschwäche hat, wird ja auch nicht pausenlos darauf rumgeritten und darüber berichtet.

Ich kann einerseits verstehen, dass es vor allem nach 'Let's Dance' ein großes Thema war. Es war die Story, die die Leute interessierte. Aber mittlerweile glaube ich auch, dass die Musik und das, was ich mache, auch über meinen Körper hinausgehen. Vielleicht ist gerade das auch mein Erfolgsrezept: Ich bin nicht nur die lustige Dicke, sondern ich denke, das alles, was ich mache, auch immer Hand und Fuß hat. Ob das dann wieder dem Geschmack der Leute entspricht, ist eine andere Frage.

Kannst du dir denn vorstellen, noch einmal mit deinen Geschwistern auf Tour zu gehen und Musik zu machen?

Momentan gar nicht.

Und warum nicht?

Weil ich keine gemeinsame Vision sehe. Man braucht immer ein gemeinsames Ziel und derzeit sehe ich das einfach nicht. Ich spreche dabei allerdings nur von musikalischen Projekten. Die Kelly Family ist für mich lediglich die Band, doch meine Familie ist etwas ganz Besonderes. Wir telefonieren oft miteinander, wünschen uns alles Gute. Aber rein beruflich sehe ich momentan einfach keine gemeinsame Vision. Vielleicht ändert sich das in ein paar Jahren – wer weiß?

Gibt es schon konkrete Dinge, die in den nächsten Monaten anstehen?

Ich würde im Herbst gerne noch ein paar Konzerte geben – quasi als Testlauf für eine Tournee, die dann im Frühling starten soll. Für den Dezember hat mir mein Mann Florent schon gesagt, dass ich mir nichts vornehmen darf, weil er mich da für vier Wochen in den Urlaub nach Togo entführen wird. Und dann gibt es da noch zwei Projekte, die sehr interessant, momentan aber noch nicht spruchreif sind. Es steht also eine Menge auf dem Programm.

Vielen Dank für das Gespräch

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