Hungrig ist man keine gute Schauspielerin: Sienna Miller im Interview

Hungrig ist man keine gute Schauspielerin: Sienna Miller im Interview
© Splash News

Der Ex-Freundin von Jude Law eilt ein gewisser Ruf voraus, nicht einfach zu sein im Umgang mit der Presse. So hat Sienna Miller just einen Tag vor unserem Treffen in Berlin einem britischen Journalisten recht unsanft mit den Worten ‚Fuck Off’ das Interview aufgekündigt, weil er sie gefragt hatte, ob sie noch oder wieder mit dem Milliardär Balthazar Getty zusammen sei. Eine sehr indiskrete, jedoch nicht aus der Luft gegriffene Frage, hatte sich Frau Miller doch vor Paparazzi-Kameras anrüchig nackt auf dem verheirateten Vater von vier Kindern geräkelt und damit für allerhand Zündstoff gesorgt. Kinoredakteurin Mireilla Zirpins hat das Thema Getty beim Interview zu Siennas erster Kickass-Rolle im Action-Blockbuster ‚G.I. Joe’, wo sie im schwarzen Latexanzug und mit braunem Haar die Böse gibt, lieber umschifft und die britische Schauspielerin lieber nach ihrem Verhältnis zur Presse und zum Essen befragt – denn Sienna Miller wirkte trotz ihrer weiten Klamotten bei dem Gespräch besorgniserregend dünn. So wurde das Gespräch nett und entspannt.

- Anzeige -

Sienna, wie fühlt sich das an, in so einem Ganzkörperkondom zu spielen?
Das war echt eng und hat mir die Rippen ganz schön gequetscht. Aber wenn ich mir das Resultat anschaue, war es das absolut wert. Ich habe schon 15 Minuten gebraucht, um in das Teil reinzukommen. Ich musste mich hinlegen und mich reinschlängeln und dann mit ein paar Hopsern in die Hose durchrutschen. Stiefel, Hose und Top waren alles eins. Zwischen den Takes musste ich manchmal einfach raus aus dem Ding, um zu atmen.

Atmen in so einem Ding stelle ich mir besonders schwierig vor, wenn man gut gefrühstückt hat. Oder musstest du hungern?
Um Gottes Willen, ich habe bei den Dreharbeiten in den USA Burritos zum Frühstück für mich entdeckt. Hier in Europa gibt es so was ja gar nicht. Ich brauchte aber auch ein ordentliches Frühstück, weil der Film körperlich ganz schön anstrengend war. Ich habe sechs Wochen lang mit einem Mix aus verschiedenen Martial-Arts-Techniken für die Actionszenen trainiert.

Wie stark üben Regisseure Druck aus auf dich, Gewicht zuzulegen oder abzunehmen?
Es kommt auf die Rolle an. Aber ich bin sehr vernünftig in Ernährungsdingen. So eine Filmproduktion kann wie ein Marathon sein, eine echte Belastungsprobe. Es wäre extrem blöd, da nicht genug oder das Falsche zu essen. Aber ich wurde schon mehrfach von Regisseuren gebeten, zu- oder abzunehmen. Ich habe mich meist dagegen gewehrt. Ich denke, wenn du dich emotional mit der Figur identifizierst und gesund bist, kannst du viel mehr leisten als wenn du eine große Ähnlichkeit mitbringst, aber hungrig bist. Bei den Dreharbeiten zu ‚Factory Girl’ hat der Regisseur mir die ganze Zeit meine Bagels weggenommen, ich habe sie mir aber wiedergeholt. Ich brauche mein Essen!

Hungrig ist man keine gute Schauspielerin: Sienna Miller im Interview
© London Ent / Splash News

Ich mochte die Szene in ‚G.I. Joe’, wo du ein Gebäude stürmst und im Vorbeilaufen einer Passantin zurufst: Schöne Schuhe. Stand das so im Drehbuch oder war das deine Idee?
Das war definitiv nicht meine Idee. Ich habe mich sogar mit Regisseur Stephen Sommers richtig gestritten, weil ich das nicht sagen wollte. Ich fand das sexistisch. Meine Figur ist da doch gerade in einer Zerstörermission unterwegs, da hat sie wohl kaum Zeit, den Leuten auf die Füße zu schauen. Also hab ich insistiert: ‚Ich sag das nicht, ich sag das nicht. Wir Frauen denken nicht nur an Schuhe, wir haben tatsächlich ein Gehirn!’ Er hat mich überredet, ihm zu vertrauen, und jetzt mag ich die Szene auch.

Überraschend, denn du giltst als Fashion-Ikone.
Ehrlich gesagt denke ich darüber gar nicht groß nach. Ich merke nur, dass die Menschen auf mich reagieren – im Übrigen oft überhaupt nicht so positiv wie ihr hier in Deutschland. Mode ist mir aber gar nicht so wichtig. Ich finde, man kann mit Kleidung viel Spaß haben, und sie ist ein gutes Mittel des Selbstausdrucks.

Ist es ein Fluch oder ein Segen, hübsch zu sein?
Ich denke so gar nicht über mich. Du hättest mal hören sollen, wie ich morgens am Set mein Aussehen bejammert haben. Ich nehme das als Kompliment, das ich nicht kommentieren möchte.

Fühlst du dich nicht geschmeichelt, wenn du in der Presse liest, dass du eine Schönheit bist?
Natürlich ist es schmeichelhaft, Komplimente zu bekommen, aber ich versuche, nicht zu viel Zeitung zu lesen. Denn ich neige dazu, eher die negativen Sachen zu glauben.

Wie ist denn dein Verhältnis zur Presse?

Nicht so doll (schaut ein bisschen verschämt).

Was für einen Effekt hat das denn auf dich, wenn du einen bösen Artikel über dich liest?
Genau so, wie du es dir vorstellst oder wie es auf dich wirken würde, wenn man so was über dich schreibt. Ich bin da nicht anders als jeder andere auch. Wenn jemand Horrorstories über dich verbreitet, ist das schrecklich.

Bekommst du nicht irgendwann ein dickeres Fell?
Schon, aber eigentlich bin ich ein sehr offener und verletzlicher Mensch und ziehe mir das sehr an, wenn Leute grausam zu mir sind. Und es verletzt mich, dass meine Familie mit reingezogen wird und es ihre Gefühle verletzt. Natürlich mache ich die Erfahrung, dass ich viele Fans habe, aber es gibt auch eine große Menge Leute, die sehr starke Gefühle in die andere Richtung hat. Und jeder hat das Recht dazu. Ich muss einfach den Kopf einziehen, weiter arbeiten und gute Arbeit abliefern.

Neue Filmprojekte stehen aber erstmal nicht an. War das eine bewusste Entscheidung?
Ich, ähm (stammelt). Ich treffe eigentlich überhaupt nie bewusste Entscheidungen. Alles hängt von meiner Laune ab. Aber ‚G.I. Joe’ war so ein großes Projekt, dass ich danach ein bisschen Erholung gebrauchen kann. Und ich spiele demnächst in einem Patrick-Marber-Stück am Broadway mit, darauf freue ich mich sehr.

Wann wusstest du, dass du Schauspielerin werden willst?
Wie aus der Pistole geschossen: Mit vier, als ich Marilyn Monroe in ‚Manche mögen’s heiß’ gesehen habe.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

— ANZEIGE —