"Hundeflüsterer" Cesar Millan: Stars machen es auch nicht besser

"Hundeflüsterer" Cesar Millan: Stars machen es auch nicht besser
"Hundeflüsterer" Cesar Millan hat einige Stars in seinem Kundenkreis © Evan Agostini/Invision/AP

Mit seiner TV-Show "Der Hundeflüsterer" hat sich Cesar Millan (46) in den USA in die Herzen verzweifelter Hundebesitzer geschlichen. Auch Stars wie Hugh Hefner (89) und Denise Richards (44, "Wild Things") wandten sich bereits hilfesuchend an Millan. Ab 6. Dezember können auch Deutsche von seinen Methoden lernen, denn er besucht mit seiner Live-Show neun Städte. Im Interview mit spot on news verrät der gebürtige Mexikaner, was ein Hund über seinen Besitzer verrät und warum Stars die gleichen Fehler machen wie alle anderen Hundebesitzer auch.

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Der Hundetrainer im Interview

 

Sie haben einmal gesagt, dass Sie oft erfolgreiche Manager treffen, die ein Großunternehmen führen, aber ihren Hund nicht im Griff haben. Erleben Sie das auch bei Promis, die in der Regel sehr selbstbewusst auftreten?

 

Cesar Millan: Ich erlebe das bei allen möglichen Menschen, ob sie nun berühmt sind oder nicht. Sie können im Alltag so selbstbewusst oder bestimmt sein wie jeder andere, aber bei ihrem Hund verlieren sie dieses Selbstvertrauen. Das passiert normalerweise, weil sie den Hund als Freund sehen und ihn deshalb verwöhnen und Zuneigung schenken, aber nicht die Führung, die er braucht. Bei Stars fällt das wahrscheinlich wegen des Kontrasts eher auf - wenn sie vor Fernsehpublikum auftreten oder in Filmen mitspielen oder auf der Bühne singen, wirken sie sehr sicher, aber stell sie neben ihren Hund und das alles ändert sich schlagartig.

 

Ihr deutsches Äquivalent Martin Rütter hat Ihre Methode, sich zum Rudelführer zu machen, in einem Interview mit dem "Spiegel" als überholtes Konzept aus den siebziger Jahren bezeichnet. Was würden Sie ihm antworten?

 

Millan: In erster Linie arbeite ich mit Menschen und nicht mit dem Hund. Viele Hundebesitzer machen unbewusst Fehler bei ihrem eigenen Verhalten ihrem Hund gegenüber. Das kommt daher, dass sie nicht wissen, wie sie mit ihrem Hund kommunizieren können und deshalb falsche Signale aussenden.

 

Denken Sie, eine gesunde Beziehung zu einem Hund kann auch erzielt werden, wenn man sich eher als "Partner" denn als Anführer des Hundes sieht?

 

Millan: Partner im Sinne von Gleichberechtigten, nein. Denn das ist nicht das, was ein Hund braucht. Partner im Sinne von Mitgliedern eines Rudels, ja, aber das ist eine ungleiche Beziehung. Unsere Hunde brauchen uns als Anführer, weil sie sonst keine Ahnung haben, wie sie sich verhalten sollen. Dann kommt es zu Fehlverhalten. Ihr Mensch gibt keine klaren Regeln und Grenzen vor, also macht der Hund, was er will. Wenn Sie Glück haben, will der Hund ruhig und brav neben einem sitzen. Aber häufiger ist es so, dass der Hund lieber Ihre Schuhe zerkaut, ins Wohnzimmer pinkelt oder alles anbellt.

 

Mit welchem Promi lief die Zusammenarbeit aus Ihrer Sicht am besten?

 

Millan: Ich arbeite mit jedem gern zusammen, der es "kapiert", ob Promi oder nicht. Jada Pinkett Smith war nicht nur eine meiner ersten Promi-Kunden, sondern sie hat es definitiv sofort "kapiert". Aber den meisten Spaß hatte ich mit einem Star, der nach ihr kam. Das war der DJ Steve Aoki, der mich während eines seiner Konzerte auf die Bühne holte und mir dann einen Kuchen ins Gesicht gepfeffert hat - das macht er übrigens mit jedem, also keine Sorge. Ich fühlte mich wie ein Rockstar.

 

Jada Pinkett Smith hat zudem eine Rolle dabei gespielt, dass Sie der Hundetrainer der Stars wurden. Haben Sie immer noch Kontakt?

 

Millan: Wir haben noch Kontakt, aber nicht so oft, wie ich mir das wünschen würde. Wir beide haben zeiteinnehmende Fernsehkarrieren, und sie macht zudem Filme, während sie noch dazu Kinder großzieht und auf Tour geht - viele Menschen wissen gar nicht, dass Jada in einer Band namens Wicked Wisdom ist. Aber ich bin ihr dankbar, dass sie auf mich gesetzt hat und ein Jahr lang für einen Englischlehrer bezahlt hat, damit ich überhaupt erst eine TV-Show bekommen habe.

 

Wieviel erfahren Sie über einen Menschen, wenn Sie nur seinen Hund beobachten?

 

Millan: Sehr viel! Ich sage immer: "Ein Mensch erzählt dir eine Geschichte, aber ein Hund erzählt Dir die Wahrheit." Und wenn ich mir ansehe, wie ein Hund sich mit seinem Menschen verhält, erkenne ich, was der Mensch bietet oder eben nicht. Wenn ein Hund zum Beispiel vor allem Angst hat, weiß ich, dass der Mensch nicht sehr durchsetzungsfähig ist. Ist der Hund aggressiv, dann ist der Mensch wahrscheinlich sehr ängstlich. Umgekehrt funktioniert das genauso. Wenn der Hund ruhig und unterwürfig ist und sich gut benimmt, dann weiß ich, dass der Mensch ein guter Rudelführer ist.

 

Was hoffen Sie, dass das deutsche Publikum aus Ihrer Live-Show lernen wird?

 

Millan: Das Wichtigste, das ich mir erhoffe ist, dass die Menschen ein Verständnis dafür bekommen, wie ihre Energie das Verhalten ihres Hundes beeinflusst. Alle Tiere kommunizieren über Energie und Körpersprache, und unsere Hunde spiegeln unsere eigene Energie wieder. Wenn wir keine ruhigen, bestimmten Rudelführer sind, können sie ängstlich oder aggressiv werden. Und wenn wir nicht beständig sind, sind sie womöglich verwirrt. Ich hoffe, dass das Publikum sich von den Shows unterhalten fühlt. Ich glaube, wir haben eine gute Balance aus Humor und Wissen erzielt, und außerdem den Überraschungsmoment. Denn ich kann vorab nie wissen, was mit den Hunden, die ich auf die Bühne bringe, passiert.

Die Tourdaten: 6.12. Frankfurt (Festhalle) +++ 7.12. Nürnberg (Arena Nürnberger Versicherung) +++ 8.12. Leipzig (Arena Leipzig) +++ 9.12. Braunschweig (Volkswagen Halle) +++ 10.12. Bremen (ÖVB-Arena) +++ 12.12. Düsseldorf (ISS Dome) +++ 13.12. Dortmund (Westfalenhalle 1) +++ 15.12. München (Olympiahalle München) +++ 16.12. Stuttgart (Porsche-Arena)

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