Hubert de Givenchy ehrt Audrey Hepburn

Hubert de Givenchy
Der französische Modemacher Hubert de Givenchy in der Ausstellung "To Audrey With Love". Foto: Bart Maat © deutsche presse agentur
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Die dunklen Haare sind hoch aufgesteckt, das lange schwarze Kleid schmiegt sich um den schmalen Körper, dicke Perlen liegen um den ranken Hals - vier Reihen - und dann beißt Audrey Hepburn in das Croissant: "Frühstück bei Tiffany" (1961).

Die Szene ist ein Klassiker der Filmgeschichte, das Abendkleid eine Ikone der Modegeschichte.

Die Hollywood-Schauspielerin Audrey Hepburn wurde zum Ideal vieler Frauen - in den Kleidern des französischen Modeschöpfers Hubert de Givenchy. "Gemeinsam haben wir eine neue Silhouette der Hollywood-Stars geschaffen," sagte Givenchy am Freitag in Den Haag im Gemeentemuseum bei der Präsentation seiner Kreationen aus fast 50 Jahren. Der Schneider und der Star prägten aber auch das Schönheitsideal einer ganzen Generation seit Beginn der 1950er Jahre.

Gemeinsam mit dem Gemeentemuseum stellte er die Schau zusammen. Doch für ihn geht es nicht um das eigene Lebenswerk. Er verbeugt sich vor seiner Muse. "To Audrey with Love" ist der Titel der Ausstellung, die ab Samstag in Den Haag zu sehen ist.

1953 hatten sie sich kennengelernt vor den Dreharbeiten zu "Sabrina" in Paris. "Ich möchte, dass Sie meine Kleider entwerfen", hatte Audrey, damals 24 Jahre alt, zu Givenchy gesagt. Das sei nicht möglich, antwortete er. Doch dann habe sie ihn bei einem Abendessen sehr schnell überzeugt und "um den Finger gewickelt", wie er sich erinnert.

Sie war so ganz anders als die anderen Stars, die er bis dahin eingekleidet hatte, wie Elizabeth Taylor oder Marlene Dietrich. Sie war schmal, wirkte zerbrechlich, war sehr graziös und elegant. Kein Vamp mit sexy runden Formen, keine wallende Lockenmähne, sondern eine natürliche unkomplizierte Persönlichkeit.

"Audrey war Avantgarde", sagt Givenchy. Und das galt auch für ihn. Der junge Designer wurde vom damaligen Avantgarde-Couturier Balenciaga inspiriert. Seine Kleider hatten eine neue klare Linie. Er bevorzugte fließende, nicht zu teure Stoffe und knallige Farben wie Gelb, Rosa, Türkisblau und natürlich das modische Schwarz.

Er schuf den berühmten "Ballonmantel" mit der hohen Taille und den 7/8-Ärmeln. Schmale Kleider mit kurzen Bolerojäckchen, die auch Jackie Kennedy Onassis liebte. Es ist eine Mode, die die Persönlichkeit der Frau hervorhebt und selbst bescheiden in den Hintergrund tritt. "Die Kleider von Givenchy sind die einzigen, in denen ich ich selbst bin", sagte Hepburn einmal. "Er ist mehr als ein Designer, er schafft eine Persönlichkeit."

89 Jahre alt ist Givenchy heute. Längst hat er sein Modeimperium verkauft. Mit viel Wärme spricht er über seine liebste Freundin, die auch seine Arbeit sehr geprägt habe. "Es war eine Liebesgeschichte", sagt er. "Platonisch", fügt er fast spitzbübisch hinzu.

Beide waren sich sehr ähnlich. Sie kamen aus adligem Haus, hatten den Zweiten Weltkrieg in Europa miterlebt. Hepburn hatte die Entbehrungen als Kind unter der deutschen Besatzung in Arnheim bei ihrer niederländischen Mutter erlebt. Nach ihrer Filmkarriere setzte sie sich bis zu ihrem Tod als Botschafterin von Unicef für Kinder in Kriegsgebieten ein.

Am Ende ihres Lebens waren die Rollen umgekehrt, Audrey Hepburn gab ihm ein Kleidungsstück. 1993 kurz vor ihrem Tod besuchte er seine Freundin zum letzten Mal. Er traf sie in ihrem Haus in der Schweiz, gezeichnet von der schweren Krebserkrankung. Auf dem Sofa lagen drei Skijacken, erzählte er jetzt. ""Such dir eine aus", sagte sie." Er wählte die dunkelblaue Daunenjacke. "Wenn du traurig bist, dann zieh sie an. Dann ist es, als umarme ich dich."


Quelle: DPA
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