Hollywood misshandelt 'Die Schöne und das Biest': 'Beastly'

1.5 von 5 Punkten

Anscheinend zeichnet sich in Hollywood derzeit ein neuer Trend ab: Die Adaption volkstümlicher Märchen, um daraus oberflächlichen, poppig modernen Teenie-Kitsch im „Twilight“-Look zu kreieren. Mit solchen Filmchen wird nicht nur versucht den Genre-Fans die Wartezeit bis zum nächsten Teil der Vampir-Saga zu versüßen, sondern auch eine Plattform für heiße Newcomer geboten, die bald als Poster neben Robert Pattinson das Zimmer junger Mädchen zieren dürfen. So muss auch in ‚Beastly‘ (angelenht an ‚Die Schöne und das Biest') nun der Prototyp eines Teenieschwarms, Alex Pettyfer (‚Ich bin Nummer Vier‘), Vanessa Hudgens (‚High School Musical‘) davon überzeugen, dass auch seine hässliche Seite liebenswert ist. Leider geht die eigentlich löbliche Moral von der inneren Schönheit des Menschen in völliger Trivialität unter.

Kyle Kingson (Alex Pettyfer) ist der wohl bestaussehende Schüler seiner High-School und glaubt, dass er es durch seine strahlendes Lächeln ganz nach oben schafft. Weil er aber ein ziemlich arroganter Kerl ist, verwandelt seine Mitschülerin Kendra (Mary-Kate Olsen) ihn kurzerhand in einen hässlichen und angsteinflößenden Typen. Fortan hat er ein Jahr Zeit, um jemanden zu finden, der ihn trotz seines Aussehens lieben kann.

'Beastly' - Der Kinotrailer
'Beastly' - Der Kinotrailer Kinostart: 07.04.2011 00:02:23
00:00 | 00:02:23
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Vanessa Hudgens und Alex Pettyfer lassen als Leinwandpärchen so viel Funken sprühen wie Harry Potter ohne Zauberstab

Klingt doch zunächst eigentlich gar nicht so schlimm, aber Regisseur und Drehbuchschreiber Daniel Barnz begeht einen fatalen Fehler: Sein Werk ist durchweg unglaubwürdig konstruiert. Das altertümliche, französische Märchen hat er in die heutige New Yorker High-Society versetzt, warum aber Kyles Mitschülerin in einer modernen und eigentlich realistisch gestalteten Welt tatsächlich eine Hexe ist, ist weder motiviert, noch wird es erklärt. Egal. Hauptsache der Typ sieht irgendwie, irgendwann scheiße aus und wird dann irgendwann, irgendwie wieder normal. Genauso platt gestrickt geht es weiter:

Kyle beginnt aus heiterem Himmel sich für Lindy (Vanessa Hudgens) zu interessieren, und stellt ihr heimlich nach, bis ganz zufällig (ein völlig unglaubwürdiges) Malheur passiert und Lindy plötzlich bei Kyle wohnen muss. Das klingt ziemlich an den Haaren herbeigezogen, oder? Egal. Hauptsache die beiden kommen sich irgendwann, irgendwie näher. Um bei ihr zu landen, lernt Kyle dann einfach das Social Network Profil seiner neuen Angebeteten auswendig, baut ihr einen Wintergarten und googlet, wie man mit kitschiger Literatur Frauen beeindrucken kann. Das zieht zu allem Überfluss natürlich, aber der Nonsens geht sogar noch weiter! Egal. Hauptsache sie sagt irgendwie, irgendwann: „Ich liebe dich.“

Vanessa Hudgens und Alex Pettyfer mögen zwar beide hübsch aussehen, lassen aber als Leinwandpärchen ungefähr so viel Funken sprühen wie Harry Potter ohne Zauberstab. Während sich Pettyfer wenigstens noch ein bisschen Mühe gibt, gegen das hohle Drehbuch anzuspielen, legt Vanessa Hudgens nicht wirklich mimische Variation an den Tag. Der einzige Lichtblick der ganzen Klamotte ist Neil Patrick Harris, der als Kyles blinder Hauslehrer Will beweist, dass er mehr schauspielern kann, als der Rest des Teenie-Ensembles zusammen. Leider darf er aber nicht mehr preisgeben, als die typischen Barney-Stinson-Sprüche, die man von seiner Serienfigur kennt. Damit vermag auch er die Geschichte nicht aus klischeeüberladener Banalität zu retten. So bleibt ‚Beastly‘ nicht mehr als ein etwas unterdurchschnittlicher Zeitvertreib für jene, die es nicht mehr bis zum nächsten ‚Twilight‘-Teil aushalten können.

Von Mihaela Gladovic

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