Hoher Knuddel-Faktor bei 'Happy Feet 2'

Filmkritik zu 'Happy Feet 2'
Filmkritik zu 'Happy Feet 2': Tolle Figuren - dünne Story © dpa, Warner Bros.

4 von 5 Sternen

Einen Oscar hat 'Happy Feet‘ schon vorgelegt – umso größer war der Erfolgsdruck für den zweiten Teil der Pinguingeschichte. Was also tun, um nicht gegen den Vorgänger abzustinken? Regisseur George Miller setzt auf den Promifaktor und verpflichtete zu den bekannten Stimmen von Robin Williams und Elijah Wood zusätzlich noch Sängerin Pink, und die Megastars Brad Pitt und Matt Damon.

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Und weil ein hochkarätiges Staraufgebot allein nicht reicht, wurde das Ganze wie sich das gehört auch noch zeitgemäß in 3D produziert. Besonders eine Unterwasser-Verfolgungsjagd gerät so zum spektakulären Highlight des Films. Das kann man vom Rest des Drehbuchs aber leider nicht sagen: Die Story um die knuddeligen Frackträger kommt etwas dünn daher und bietet den toll gezeichneten Figuren keine angemessene Bühne, um wirklich zu glänzen.

Die Geschichte ist ein bisschen so wie die des ersten Teils - nur mit neuer Rollenverteilung: Wurde Pinguin Mumble damals noch gemobbt, weil er nicht singen kann, ist es nun sein süßer Sohn Erik, der wegen seiner zwei linken Flossen zum Außenseiter wird. Er reißt aus und begegnet Sven dem Großen - einem Pinguin, der fliegen kann! Mit diesem coolen Typ kann sein Papa Mumble nicht mithalten. Doch es kommt noch dicker: Weil die Polarkappen langsam wegtauen, hat sich ein riesiger Eisberg in Bewegung gesetzt und seine Pinguinkolonie eingeschlossen.

Spannend ist das eher weniger, dramatisch erst recht nicht. Auch wenn, 'Happy Feet 2‘ ein Kinderfilm ist, hätten die Macher durchaus ein wenig mehr Pathos in die ausweglose Situation legen können, in die sie ihre niedlichen Figuren geschickt haben. So harren die Pinguine nur geduldig in ihrer Falle aus Eis aus, während Mumble und ein paar Kids versuchen, sie zu befreien.

Trotz dieser dramaturgischen Schwäche, guckt man den liebevoll gezeichneten Figuren aber gerne dabei zu, wie sie mit einem kollektiven Stepptanz versuchen, eine Lawine loszutreten, mit deren Hilfe sich die Freunde aus ihrer misslichen Lage befreien können. Für Kinder sicherlich ganz nett. Und wenn dann auch noch der heißblütige Ramon mit Sprüchen wie "Du! Ische! Wunderschönes Ei!" bei der Damenwelt eher mäßigen Erfolg hat, kommen auch die älteren Zuschauer auf ihre Kosten.

Dazu haben sich ein paar neue Liebhab-Figuren ins Drehbuch geschlichen. Ganz vorne mit dabei: die Krustentiere Will und Bill, die in der Originalversion von Brad Pitt und Matt Damon gesprochen werden. Vor allem Will hat die Kiemen voll vom ewig gleichförmigen rumschwimmen. Mit dem Vorsatz, sich in der Nahrungskette hochzuarbeiten und etwas zu "essen, das ein Gesicht hat", brechen die beiden aus der anonymen Masse ihres Schwarms aus und erobern im Sturm die Herzen der Kinogänger.

Ein bisschen Umweltkritik, viele Promis, süße Charaktere und - keine Frage - eine grandiose technische Umsetzung: all das ist zwar sehr ansprechend, fesselt den Zuschauer aber nicht über 99 Minuten, wenn die Geschichte nicht zieht. Oscarverdächtig ist der Nachfolger des Kassenschlagers von 2006 eher nicht, einen Kinogang aber in jedem Fall wert!

Von Christina Rings

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