Historischer Flugzeug-Oldtimer feiert 80. Geburtstag

Tante Ju
"Tante Ju" vor einem modernen Airbus A380. Foto: Malte Christians © DPA

Um "Tante Ju" ranken sich so einige Legenden: Zwei Flugzeuge stoßen auf einem Probeflug zusammen - eines stürzt ab, das andere, eine Ju 52, soll noch mit halb weggebrochenem linkem Flügel sicher auf dem Boden gelandet sein.

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Das habe in den 1930er Jahren den Ausschlag für die Vorgängerfirma der Lufthansa gegeben, den Flugzeugtyp zur Standardmaschine zu machen. Das Exemplar der Ju 52, das heute noch für die Lufthansa über Hamburg und Europa fliegt, wurde am 6. April 1936 gebaut. Das wurde am Mittwoch gefeiert.

Es ist eine von nur noch neun flugfähigen Ju-52-Maschinen weltweit, erzählt Horst Zöller, Technik- und Geschichtsexperte der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung, bei der Feier zum 80. Geburtstag des Flugzeugs in Hamburg.

Die "Tante Ju" hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. In den Werken des bekannten Flugzeugingenieurs Hugo Junkers (1859-1935) in Dessau wurde die Maschine gebaut. Sie flog ein paar Monate für die Lufthansa, bis sie nach Norwegen verkauft wurde. Erst soll sie sogar ein Wasserflugzeug gewesen sein. 1940 kaperte die deutsche Luftwaffe die Maschine und entschied sich, sie an die Lufthansa für Versorgungsflüge zu übergeben, wie Zöller sagt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg flog sie für skandinavische Airlines, bevor sie ab 1957 in Ecuador Ölbohrcamps im Amazonasgebiet versorgte. 1962 wurde das Flugzeug am Rande des Flughafens in Quito abgestellt und geriet in Vergessenheit.

Nach acht Jahren fand ein US-amerikanischer Flugzeugfan die desolate Maschine, die fast mit dem Bauch auf dem Boden hing. Nach einer sechsmonatigen Überholung flog sie nach Nordamerika. Hier wechselte sie noch einmal den Besitzer und tingelte unter dem Namen "Iron Annie" etliche Jahre von einer Flugshow zur nächsten.

1984 entdeckten Lufthansa-Piloten die Ju 52 und überzeugten den Vorstand, sie nach Deutschland zurückzuholen, um sie zum 60. Lufthansa-Jubiläum 1986 zu präsentieren. 16 Tage dauerte der transatlantische Überführungsflug mit zahlreichen Zwischenstopps, etwa in Grönland und Island. Bei Lufthansa Technik in Hamburg wurde die Maschine wieder restauriert und bietet seit 1986 jeden Sommer Rundflüge für Flugzeugnostalgiker an.

Seit einem Jahr ist sie sogar das erste Verkehrsflugzeug, das als "bewegliches Denkmal" unter Schutz gestellt worden ist. Mit Platz für 16 Passagiere und einer Höchstgeschwindigkeit von rund 250 Stundenkilometern ist "Tante Ju" im Vergleich zu den modernen Großmaschinen jedoch eher eine langsame Hummel neben einem Kolibri. Das konnte man etwa 2011 beobachten, als sie zum Hafengeburtstag bei einer gemeinsamen Show mit einem Airbus A380 flog.

"Die Motoren einer Ju 52 anzulassen, ist jedes Mal unheimlich schön", sagt Chefpilot Uwe Wendt: "Das ist Handarbeit und man braucht auch Muskelkraft." Er erzählt von den Fluggästen, die oft eigene Erinnerungen an die "Tante Ju" haben. Im Krieg soll sie viele Verwundete gerettet haben. Sie wurde nicht als Militärflugzeug entwickelt, Flugzeuge des Typs Ju 52 sind jedoch auch als Bomber eingesetzt worden. Die Maschine der Deutschen Lufthansa Stiftung-Berlin soll jedoch nie Bomben abgeworfen haben.

21.000 Flugstunden hat sie auf dem Buckel. Jeden Winter wird sie bei Lufthansa Technik in Hamburg-Fuhlsbüttel überholt. In diesem Jahr gab es eine besonders lange Reparaturzeit, denn die alte Dame hatte einen Mittelholmbruch.

Von Juni an soll sie wieder am Himmel zu sehen sein. Gleich mehrere Techniker kümmern sich das ganze Jahr über um den Veteran. Bernhard Conrad, Vorstandsvorsitzende der Stiftung, sagt: "Wir werden unsere "Tante Ju" so gut pflegen, dass sie uns überleben wird. Das nächste Etappenziel ist der 100. Geburtstag."


dpa
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