Hilary Swank in tollkühnen Kisten: Flieger-Melodram 'Amelia'

Hilary Swank spielt die Flugzeug-versessene Amelia Earheart

Hilary Swank in tollkühnen Kisten: Flieger-Melodram 'Amelia'
© AUTOIMPORT

Endlich mal wieder eine Geschichte über eine starke Frau, verfilmt von Indiens berühmtester Regisseurin Mira Nair („Salaam Bombay“). Doch da dürfte sich manche Zuschauerin zu früh gefreut haben. Denn das Biopic über Amelia Earhart, die 1932 als erste Frau im Alleinflug den Atlantik überquert, ist so konventionell geraten wie ein Rührstück aus den Fünfzigern. Dabei steht sogar die zweifache Oscar-Gewinnerin Hilary Swank in der Titelrolle ihren Mann.

Kurzhaarig, breitbeinig, burschikos wird sie als Flugzeug-versessene Amelia inszeniert – ein Mädchen, das denkt und spricht wie ein Kerl und sich vom Mann an seiner Seite nichts sagen lässt. Auf diese Weise verkommt der arme Richard Gere als reicher Verleger-Gatte George Putnam zum Stichwort-Geber, der immer nur warnend raunen darf: „Steig nicht in dieses Flugzeug, bleib lieber bei mir.“ Wer jetzt denkt, dass hier die Rollenklischees doch mal gehörig auf den Kopf gestellt werden, liegt falsch.

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Präsentation eines platten Charakters mit strahlender Oberflächlichkeit

Amelia, deren Herz erklärtermaßen nicht nur einem gehören soll, erlebt eine kurze Affäre mit dem jüngeren und genau so tranigen Flieger Gene Vidal (der völlig unterforderte Ewan McGregor) und kehrt dann, aus dem Zuschauer unerklärlichen Gründen, plötzlich doch ihrer großen Lieben den Rücken, um mit dem Gatten das nächste waghalsige Projekt zu finanzieren. Wo ist der Konflikt? Ohne Dramatisierung beiläufig beseitigt. So erzählt man doch keine Kino-Story! Schon gar nicht, wenn man den Focus deutlich auf das Liebesleben und nicht auf die politische Vorbildwirkung oder die Beweggründe der Hauptfigur gelegt hat.

Man ist förmlich erleichtert, wenn Amelia mal in eine ihrer tollkühnen Kisten steigt und den hübsch ausgestatteten, aber stocksteifen 30er-Kulissen entfliegt, um am Himmel in brenzlige Situationen zu geraten, die wenigstens für kurze Zeit so etwas wie Spannung und Atmosphäre aufkommen lassen. Doch das kann alles nicht drüber hinwegtäuschen, dass sich Mira Nair und ihre Autoren gar nicht die Mühe machen, hier die Komplexität einer Figur zu ergründen, sondern einfach einen platten Charakter mit strahlender Oberflächlichkeit präsentieren.

Da, wo die Geschichte interessant wird, hört sie auch schon auf. Wir empfehlen: DVD-Start abwarten und die langweilige Film-Biografie als Anlass nehmen für eine Recherche. Die Verschwörungstheorien zum Absturz von Amelia Earhart 1937 in der Nähe von Neuguinea sind nämlich allemal spannender als dieser Streifen.

Von Mireilla Zirpins

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