Her mit den Leggings: Es wird wieder getanzt in 'Fame'

Her mit den Leggings: Es wird wieder getanzt in 'Fame'

Von Christina Rings

Wenn den Filmemachern in Hollywood die Ideen ausgehen, dann geht es nicht selten den alten Dauerbrennern an den Kragen: Dieses grassierende Remakefieber hat jetzt auch den 80er-Jahre-Klassiker ‚Fame- der Weg zum Ruhm’ erwischt. Im Gegensatz zum Original wird Teil zwei jedoch vermutlich niemanden dazu bringen, hautenge Lycra-Leggins und neonfarbene Stirnbänder zu erwerben und anschließend wild tanzend durch die Straßen zu hüpfen. Trotzdem strahlt ‚Fame’ eine großartige Energie aus, was nicht zuletzt an den unglaublich tollen, jungen und talentierten (Neben-)Darstellern liegt, die in ‚Fame’ durch wahres Talent glänzen und die Protagonisten vollkommen in den Schatten stellen.

Wie in seinem Vorbild ist das Update in fünf Akte unterteilt und startet originalgetreu mit der Aufnahmeprüfung an der New Yorker ‚High School of Performing Arts’: Verstaubte, muffige Tanzsäle, die schwitzige Atmosphäre angespannter Nervosität und hoffnungsvolle Talente, die sich unter den gestrengen Augen der Prüfer beweisen wollen. Und auch hier steht wieder eine Gruppe erfolgshungriger Youngsters im Vordergrund.

Die eindimensionalen Figuren, die zu den wenigen Auserwählten unter tausenden Bewerbern gehören, die in der Schule angenommen werden, sind schnell skizziert: Jenny (süß aber ziemlich talentfrei: Kay Panabaker), das schüchterne Mauerblümchen, Malik (Collins Pennié), der rappende Draufgänger mit harter Ghetto-Vergangenheit, Denise (Wahnsinns-Engelsstimme mit Gänsehaut-Faktor: Naturi Naughton), die von ihren Eltern zum Klavierspielen gezwungen wird, Marco (zweitklassiger Zac Efron-Abklatsch: Asher Book), das singende dauergrinsende Honigkuchenpferd, Kevin (Paul McGill), der sensible Tänzer vom Land und die quirlige Joy (Anna Maria Perz de Tagle) als schauspielernde Quotenasiatin - ein bunter Klischee-Blumenstrauß also.

Auch im Laufe der folgenden vier Akte (Schuljahr eins bis vier) schreitet die Charakterentwicklung nur mäßig voran – was bei 90 Minuten Spielzeit nicht wirklich verwundert. Natürlich hat jede der Figuren ihr Päckchen zu tragen, aber die jeweiligen Backgrounds wirken so gewollt und vorhersehbar, dass die Authentizität doch arg leidet.

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Her mit den Leggings: Es wird wieder getanzt in 'Fame'

Während Jenny und Marco vor allem mit ihren pubertären Beziehungsproblemen zu kämpfen haben, scheitert Kevin an der harten Realität und kann in letzter Sekunde vorm Selbstmord bewahrt werden. Keiner dieser Konflikte wird dabei jemals wirklich ausgetragen, sondern höchstens oberflächlich angerissen und dann wieder verworfen. Von Lerneffekten oder echten Auflösungen fehlt jede Spur. Und so dümpeln die Figuren charakterlich stets an der Oberfläche und schaffen es nicht, jene Ecken und Kanten zu entwickeln, die man liebgewinnen könnte.

Der Original-Titel wurde vor allem durch seine unglaublich talentierten Darsteller zu einem der erfolgreichsten Tanzfilme aller Zeiten. Genau an diesem elementaren Patentrezept wurde beim Remake jedoch fahrlässig herumgepfuscht: Die Protagonisten sollten zwar auch hier aufstrebende Talente verkörpern, doch denkt man sich die riesige Nebendarsteller-Entourage an Tänzern und Sängern weg, die ihren Unterhalt auch im wahren Leben mit ihrem Talent bestreiten, wird die Schwäche des Films offensichtlich: Was haben genau diese Hauptfiguren an der ‚High School of Performing Arts’ verloren?

Jenny kann weder singen noch schauspielern und ist auch sonst ziemlich unscheinbar (was im Show-Geschäft nicht unbedingt förderlich ist), Marcos Stimme ist ebenfalls allerhöchstens Durchschnitt (obwohl er dem Zuschauer als ‚bester Sänger seines Jahrgangs’ verkauft werden soll), und die anderen Darsteller sieht man mysteriöserweise nie in Aktion. Die Einzige, die wirklich überzeugt, ist Joy. Sie überrascht tatsächlich mit einer außergewöhnlichen Stimme und verursacht mit ihrem gefühlvollen Gesang Gänsehaut beim Publikum.

Das geht zu Lasten der Glaubwürdigkeit und stürzt die gesamte Thematik in eine Art Identitätskrise. Was bleibt, sind vor allem die Tänzer und Sänger in den Nebenrollen, die den Film durch ihre Begabung tragen und zumindest ein Stück der Atmosphäre in die Gegenwart transportieren, die ‚Fame’ in den 80ern so berühmt gemacht hat.

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