Henry Maske in 'Max Schmeling': K.O. in der ersten Runde

Der Boxer überzeugt nur durch Muskelkraft

Henry Maske in 'Max Schmeling': K.O. in der ersten Runde

Henry Maske als Charakterdarsteller? Nun ja, als Max Schmeling kann man ihn sich vielleicht noch vorstellen. Schließlich muss er in den Boxszenen nicht gedoubelt werden. Um seinem Idol ein filmisches Denkmal zu setzen, ließ der Ex-Boxer sich die Haare wachsen, machte wieder Krafttraining und nahm monatelang Schauspielunterricht. Leider jedoch überzeugt der Ex-Boxchampion nur durch Muskelkraft.

Max Schmeling selbst, der im Jahr 2005 im hohen Alter von 99 Jahren verstarb, wünschte sich noch zu Lebzeiten eine Verfilmung seiner Karriere mit Henry Maske in der Titelrolle. Ein Jammer, dass ausgerechnet Trash-Regisseur Uwe Boll sich des Projekts annehmen musste und Maske dem Wunsch seines großen Idols nur in der Darstellung der großen Kampfszenen gerecht wird. Als Schauspieler dagegen sorgt Maske nicht nur einmal für unfreiwillige Lacher.

Dabei bietet das Leben Schmelings so viel Stoff für ein großes Sport- und Historiendrama. Als Soldat bekommt Schmeling (Henry Maske) im Jahr 1943 den Auftrag, einen englischen Kriegsgefangenen zu überführen. Auf dem Weg kommen sich die beiden Gegner langsam näher, und Schmeling beginnt, in Rückblenden von seiner Karriere zu erzählen. Die startet im Juni 1930, als Maske nur Weltmeister im Schwergewicht wird, weil sein Gegner Jack Sharkey disqualifiziert wird.

Holzschnittartiges Porträt des Ausnahmesportlers

In Berlin lernt der frisch gebackene Champion die berühmte Schauspielerin Anny Ondra (Susanne Wüst) in einem Nachtclub kennen. Der Filmstar und der Boxer werden das neue Traumpaar der Berliner Szene und heiraten schließlich im Sommer 1933. Statt großer Gefühle entwickeln sich beim Zuschauer leider die ersten Lachanfälle. So emotionslos und nüchtern, wie Maske in seiner Rolle seiner Angebeteten am Telefon einen Heiratsantrag macht, hat man wohl selten den Auftakt zu einer großen Liebesgeschichte miterleben können.

Maskes Unfähigkeit, die einfachsten, verschiedenen Facetten menschlicher Gefühlsregungen darzustellen, nerven auch im Konflikt mit den Nationalsozialisten. Diese wollen den beliebtesten Sportler seiner Zeit gegen seinen Willen als Aushängeschild für Nazi-Deutschland einspannen. Maskes öde, einschläfernde Stimmlage zeigt leider nicht ansatzweise den inneren Konflikt Schmelings. Trotzdem kehrt der Boxer Nazi-Deutschlands nicht den Rücken, sondern will „durch Bleiben helfen“ und erntet lieber in Pommern Kartoffeln. Er sieht seine Karriere den Bach runtergehen, bevor er noch schnell in der Reichsprogromnacht jüdische Nachbarn rettet.

Mit solch plakativen Stationen versucht Regisseur Uwe Boll, der vor allem durch unterirdische Videospielverfilmungen wie „Alone In The Dark“ (2005) und „Schwerter des Königs – Dungeon Siege“ (2007) bekannt wurde, Schmeling ein filmisches Denkmal zu setzen – für Boll genretechnisch Neuland, auf dem er sich verirrt. Zum Glück hat er die Nebenrollen mit so hochkarätigen Schauspielern wie Heino Ferch (spielt Trainer Max Machon) besetzt und kann so den ein oder anderen peinlichen Dialog vergessen machen. Wenn da nur nicht der Hauptdarsteller wäre.

Keine Frage, Maske gibt sich alle Mühe, ist aber nicht in der Lage, sein Idol vielschichtig und facettenreich darzustellen. So schafft er es tatsächlich, während des gesamten Films mit sage und schreibe einer Stimmlage und ein und demselben Gesichtsausdruck zu reagieren - nämlich dem der völligen Teilnahmslosigkeit. Der schauspielerische Einsatz manch eines Schülers in einer Theater-AG überzeugt da mehr.

Die Anteilnahme des Zuschauers hält sich dementsprechend in Grenzen. Stattdessen: pure Langeweile. Einzig in den Kampfszenen ist Maske naturgemäß voll in seinem Element und vermag, auch aufgrund der gelungenen Kameraführung und dem durchaus geschmeidigen Zusammenschnitt der Zweikämpfe, den Zuschauer zu begeistern. Doch trotz des eigentlich interessanten historischen Backgrounds gelingt Boll nicht mehr als ein holzschnittartiges Porträt des Boxers und seiner Zeit. Vielleicht sucht sich der nächste Regisseur, der sich noch einmal an das Leben Schmelings wagt, wieder einen richtigen Schauspieler. Sorry, Henry – K.O. bereits in der ersten Runde!

Von Norbert Dickten

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