"Hello, I'm Johnny Cash": Der "Man in Black" wäre 85 geworden

"Hello, I'm Johnny Cash": Der "Man in Black" wäre 85 geworden
Seine Vorliebe für schwarze Klamotten brachte Johnny Cash schnell den Titel "Man in Black" ein © Globe-Photos/imagecollect.com, SpotOn

Geburtstag der Country-Legende

Fast scheint es so, als würde die Musik von Johnny Cash umso stärker die Popkultur erobern, je öfter sich der Todestag der Country-Legende jährt. Da quält sich Hugh Jackman zu den Klängen seines Songs "Hurt" durch den Trailer zu "Logan", Captain Jack Sparrow durchsegelt in der Vorschau von "Fluch der Karibik 5" zu "Ain't no Grave" die Weltmeere. Und auch die Erfolgsserie "Westworld" bediente sich bereits dieser musikalischen Absage an den Tod. Bedenkt man, dass Cash nun seit fast 14 Jahren nicht mehr lebt, hat er also Recht gehabt - kein Grab dieser Welt kann ihn aufhalten. Am 26. Februar wäre der "Man in Black" 85 Jahre alt geworden.

Eine schicksalhafte Jugend

Harte Arbeit musste der als J. R. Cash geborene Sohn eines mittellosen Farmers früh kennenlernen. So pflückte er bereits als Fünfjähriger Baumwolle, später stand er am Fließband eines Automobilherstellers. Die größte Tragödie, die Cash bis ins hohe Alter beschäftigen sollte, war der tragische Tod seines älteren Bruders Jack, der bei einem Kreissägenunfall ums Leben kam. Von seiner Jugend sollte Cash später viel Inspiration für seine Songs ziehen, etwa bei "Five Feet High And Rising".

Schicksalhaft waren seine ersten Jahre aber auch, weil seine Mutter früh das Potenzial entdeckte, das ihn ihm schlummerte. Und so schenkte sie ihm seine erste Gitarre, als er zehn Jahre alt war. Bevor Cash aber mit seiner Musikkarriere durchstarten konnte, wartete erst einmal die US-Air-Force auf ihn. Als junger Soldat verschlug es ihn schließlich nach Landsberg am Lech in Bayern. Seine erste Band entstand ebenfalls in Deutschland und trug den interessanten Namen Landsberg Barbarians. Einen besonderen Song, den er gerne mit dem Satz "Hello, I'm Johnny Cash" einleitete, entstand ebenfalls zu dieser Zeit: der "Folsom Prison Blues".

Der Held der Outlaws

Genau diese Art von Songs war es, die Cash in den 60er Jahren zu einem Held der Outlaws, Mörder und Kriminellen jeder Art machen sollte. Legendär seine Auftritte in den beiden Gefängnissen San Quentin und eben dem Folsom Prison, wo er vor einer grölenden Menge die berühmte Textzeile sang, er habe in Reno einen Mann erschossen, nur um ihn sterben zu sehen. Vom religiösen Country-Liebhaber bis hin zum Mörder, sie alle liebten seine Lieder und konnten sich auf die eine oder andere Weise mit ihm identifizieren. In San Quentin entstand schließlich auch das ikonische Bild, auf dem Cash einem Fotografen mit verzerrtem Gesicht den Mittelfinger zeigt.

Cash, der Suchtmensch

Doch all der Ruhm war wieder einmal nicht spurlos an einer Berühmtheit vorübergezogen, früh litt Cash an einer starken Tablettenabhängigkeit, die ihn fast das Leben kostete. Es war seine spätere Ehefrau June Carter, die aus diesem Höllenfeuer seiner Drogensucht eines seiner berühmtesten Lieder komponierte: "Ring of Fire". Doch auch ihre verbotene Liebe wurde darin thematisiert - beide befanden sich zu dieser Zeit noch in anderen Beziehungen, konnten aber ihre Liebe zueinander kaum noch verbergen.

Die Liebe zu ihr war es schließlich auch, die seine Sucht besiegen konnte. Bei dem monatelangen Entzug stand sie ihm stets zur Seite, dennoch dauerte es bis ins Jahr 1967, dass er seinen ersten Auftritt in nüchternem Zustand geben konnte - zum ersten Mal seit zehn Jahren stand Cash ohne Alkohol- oder Drogeneinfluss auf einer Bühne.

Die Wiederauferstehung

Zwar war Cash auch in den für Country sehr schwierigen 80er Jahren nie ganz von der Bildfläche verschwunden, an seine alten Erfolge konnte er aber bei Weitem nicht mehr anknüpfen. Wer weiß, welchen Stellenwert seine Musik heute noch hätte, wenn nicht ein ganz besonderer Mann in sein Leben getreten wäre: Ab 1994 verhalf ausgerechnet ein Hip-Hop- und Metalproduzent namens Rick Rubin dem alternden Country-Star zu einem kometenhaften Comeback.

Unter den inzwischen ebenfalls legendären American Recordings widmete sich das ungleiche Duo zum größten Teil alten Liedern aus allen Genre-Kategorien, und verpasste ihnen den typischen Cash-Anstrich seiner markanten Bassbariton-Stimme - die im Laufe der Zeit immer brüchiger werden sollte. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb schaffte er es, Songs wie "One" von U2, "Hurt" von Nine Inch Nails oder "The Mercy Seat" von Nick Cave eine ganz neue Intensität zu verleihen.

Gemeinsam gelebt, gemeinsam gestorben

35 Jahre waren June Carter und Johnny Cash miteinander verheiratet. Im Mai 2003 verstarb seine geliebte Frau bei einer Herzklappenoperation. Cash, dem es gesundheitlich ohnehin schon sehr schlecht ging, flüchtete sich noch für vier Monate in seine Arbeit mit Rubin. Am 12. September 2003 erlag er schließlich im Alter von 71 Jahren einem Lungenversagen.

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