Helena Bonham Carter: Ich werde gern verunstaltet

Helena Bonham Carter: Ich werde gern verunstaltet
© James Higgins / Splash News

Der schrille 'Harry Potter'-Sar macht sich "gerne hübsch"...

Seit 'Planet der Affen’ ist Helena Bonham Carter die Freundin von Tim Burton. Mittlerweile haben die beiden zwei Kinder zusammen, und sie hat seitdem in jedem seiner Filme mitgespielt. Da wollten wir doch zu gern wissen, wie es bei Burton-Bonham-Carters daheim zugeht. Während andere Stars ein Geheimnis um ihr Privatleben machen, hat die exzentrische Britin kein Problem damit, Kinoredakteurin Mireilla Zirpins zu verraten, wie sie es findet, dass Tim Burton sie schon wieder die Hässliche spielen lässt, während Anne Hathaway als weiße Königin schick aussieht. Zum Interviewtermin kommt sie natürlich in ihrem speziellen Helena-Style: die Lockenmähne noch verwuschelter als Tim Burton, dazu ein wilder Mix aus Blümchenkleid und Motorrad-Gürtel - und ein Dutzend Ketten mit kleinen Uhren und anderem Schnickschnack um den Hals.

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Oh, ganz im Alice im Wunderland-Look?
Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das Buch gelesen habe, aber ich fand immer schon Krimskrams toll. Meine Küche sieht aus wie das verrückt gewordene Wunderland. Ich habe Riesenuhren und ganz kleine Sachen, Schlüssel – so wie hier die Ketten um meinen Hals.

Wie wichtig ist dir dein Look?
Wie du siehst, style ich mich gern auf. Ich mag nette Kleinigkeiten. Und Tim zieht sie mir gern wieder aus. Oh Gott, das meine ich jetzt gar nicht so, wie es sich anhört! Er sagt oft zu mir: Oh nein, da hast du mindestens sieben Sachen zu viel an.

Tim scheint das genaue Gegenteil zu sein, er trägt meist schwarz.
Ja, er ist minimalistisch, ich nicht. Aber ich habe ihm über die Jahre so viele Klamotten gekauft. Er hat was Rotes und was Weißes – eigentlich sieht er in Farben klasse aus. Und manchmal hat er sogar was davon angezogen.

Wie kommt es, dass du so oft die Böse spielen musst für Tim Burton?
Ach, in Sweeney Todd war ich doch gar nicht die Böse, sondern habe nur Leute zu Pastete verarbeitet. Jetzt schlage ich eben Köpfe ab, das sind doch tolle Rollen. Ich sehe sie mehr als kranke Figuren, und die fand ich immer schon faszinierender. Mein Job ist, sie zu verstehen, nicht, sie zu verurteilen.

Lässt Tim dir denn eine Wahl, wen du spielst?
Nein, nein, nein, so läuft das nicht. Er hat mich einfach als rote Königin gesehen. Meine Agentin, die eine meiner ältesten Freundinnen ist, hat sich an meiner Stelle aufgeregt: ‚Die weiße Königin wird als klein und grazil beschrieben - das bist du doch! Was fragt er dich da, ob du die dicke Böse spielen willst? Was ist nicht in Ordnung mit ihm?’ Aber ich werde gern verunstaltet. Ich verkleide mich gern als jemand anders und versuche nicht, so hübsch wie möglich auszusehen. Das hat Tim sofort gewusst, als wir uns kennen lernten. Sein zweiter Satz war: 'Du versteckst dich gern hinter Verkleidung.' Da hatte er Recht.

Wie schwer ist es, mit dem Regisseur zusammen zu wohnen? Sprecht ihr daheim über die Arbeit?
Jetzt nicht mehr. Es gibt Regeln bei uns – mit Blut unterzeichnet (lacht).

Wer hat diese Regel aufgestellt?
Ich, aber wir lernen beide, uns dran zu halten. Wir haben eine steile Lernkurve, zumindest seit ‚Sweeney Todd’. Das waren aber auch erschwerende Umstände. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben gesungen und war auch noch schwanger, Tim inszenierte sein erstes Musical – und er hasst Musicals.

Wie reagieren die anderen auf Familie Burton-Bonham-Carter am Set?
Wir gehen recht freundlich mit anderen um. Naja, manchmal ist es schon lustig. Zum Beispiel musste ich am ersten Drehtag von ‚Big Fish’ zu ihm sagen: ‚Tim, hättest du wohl die Güte, auch mit mir zu reden?’ Er tat glatt, als wäre ich Luft. Da sagte ich ihm: ;Hallo, ich trage dein erstes Kind im Bauch und spiele auch mit in dem Film. Ewan McGregor und die anderen werden schon nicht denken, dass du mich vorziehst.’

Habt ihr ein Abkommen, dass du in allen seinen Filmen mitspielen darfst?
Nein, gar nicht. Ich dachte eigentlich, dass ich dieses Mal nicht dabei sein würde, denn er hat mich sehr spät gefragt. Ich hatte schon die Idee, mich mit einem Poster über seinem Bett für die Alice-Rolle zu bewerben: Ich in dem blauen Kleid, die Kinder neben mir und dann ein Erpressungs-Aufkleber: Lass mich mitspielen! Das wäre ja peinlich. Aber dann hat er mich gefragt, ob ich die rote Königin sein will. Jedes Mal sage ich: Das ist das letzte Mal. Naja.

Johnny Depp ist auch fast immer in Tims Filmen dabei. Spürst du eine besondere Verbindung zwischen den beiden?

Ja, ich habe manchmal das Gefühl, sie haben eine Geheimsprache, zumindest einen gemeinsamen Humor, den vor allem sie komisch finden. Aber sie scheinen eine großartige Zeit zusammen zu haben. Aber es macht Spaß, eine kindische Freundschaft zwischen zwei großen Jungs zu sehen. Die kennen sich ja schon seit 20 Jahren.

Ist dir aufgefallen, dass das Tims erster Film mit einer weiblichen Heldin ist?
Der Film ist feministischer als das Buch. Aber vielleicht liegt es daran, dass Johnny Depp kein Mädchen ist. Ich meine, er könnte locker eins spielen, das ist vermutlich das nächste. Er trägt gern Kleider.

Warum macht Tim nicht mal einen Film mit dir als weiblicher Heldin?
Ich könnte ja in der Fortsetzung Alice in der Menopause spielen. Mal schauen, wie ihre Wechseljahre werden. Vielleicht flieht sie davor zurück ins Wunderland. Ich hoffe, die Rote Königin war nicht meine letzte Rolle.

Sicher nicht, bald kommt Harry Potter 7, und ich habe gelesen, du spielst diesmal Hermine?
Da ist ein Traum für mich wahr geworden und ich durfte wieder 17 sein. Denn Hermine nimmt im Film Vielsafttrank und verwandelt sich in mich, also Bellatrix Lestrange. Anstatt Emma Watson in Maske spielen zu lassen, haben sie mich das machen lassen. Daniel Radcliffe und Rupert Grint haben mich eine der Ihren behandelt.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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