Hathaway: „Sexszenen brachten mich zum Weinen“ - 'Love and Other Drugs'

Hathaway: „Sexszenen brachten mich zum Weinen“ - 'Love and Other Drugs'
© 20th Century Fox/Splash News

Das ist er also: Der Film, bei dessen Dreharbeiten Anne Hathaway täglich bittere Tränen geweint hat, weil ihr die äußerst freizügigen Sexszenen mit Jake Gyllenhaal psychisch ganz schön zugesetzt hatten. Da mag sich sicherlich der ein oder andere die Frage stellen: Hat die junge Aktrice denn vorher überhaupt das Drehbuch zu Edward Zwicks ('Legenden der Leidenschaft', 'Blod Diamond') neuer Tragikkomödie gelesen? Schließlich hätte sie dann festgestellt, dass sie während des halben Films (halb)nackt vor der Kamera herumtänzeln muss.

Um so erstaunlicher ist allerdings, wie Hathaway uns ihr schauspielerisches Talent beweist. Trotz der angeblichen psychischen Belastung wegen der heißen Szenchen, bringt sie die junge, an Parkinson erkrankte Künstlerin Maggi Murdock authentisch und feinfühlig auf die Leinwand - mit und ohne Klamotten. Leider sind die Momente, in denen man das sensible Spiel der beiden Protagonisten wirklich genießen darf, spärlich gesät und überschattet von einem viel zu formelhaften Drehbuch, das den Schauspielern einfach zu wenig abverlangt.

Der Zuschauer findet sich mitten in den 90ern Amerikas wieder. Lady-Killer Jamie Randall (Jake Gyllengall) hat seinen alten Job verloren, weil er im Lagerraum die Freundin seines Chefs gevögelt hat und dabei natürlich in flagranti erwischt wurde. Allerdings findet er rasch seine neue Berufung: Weil die Vermarktung und Kauflaune der Amerikaner im Bezug auf Medikamente weiter steigt, meldet sich Jamie beim Pharmaziekonzern Pfizer. Seither verteilt er Proben etlicher Pillen an verschiedene Arztpraxen - wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, sämtlichen Sprechstundenhilfen schöne Augen zu machen. Dabei trifft er irgendwann auf Dr. Stan Knight (Hank Azaria) und seine Parkinsonpatientin Maggie, die sich bei der Untersuchung einfach die Bluse aufknöpft, während Jamie daneben stehen darf, weil sie in ihm einen Praktikanten vermutet.

Von da an dauert es nicht mehr lange, bis die beiden Beziehungsgestörten Lebemenschen sich auf „einen Kaffee treffen“ und letztendlich im Bett landen. Ihre Unabhängigkeit und ihre Intimsphäre wollen sie natürlich nicht aufgeben, schließlich soll ein rein sexuelles Techtelmechtel nicht zu kompliziert werden. Dennoch müssen Jamie und Maggie bald feststellen, dass weitaus mehr Gefühle im Spiel sind, als ihnen lieb ist.‚Love and Other Drugs‘ ist leider eine so konventionelle Darstellung einer vermeintlich unkonventionellen Liebesbeziehungen, dass dem Zuschauer die stereotype Porträtierung jeglicher Charaktere bisweilen ziemlich langweilen kann. Vergeblich wartet man darauf, von tiefstem Herzen berührt zu werden.

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Hathaway: „Sexszenen brachten mich zum Weinen“ - 'Love and Other Drugs'

Hathaway legt zwar eine solide Leistung hin, darf aber oft nicht viel nicht mehr, als eine Klischee-Figur zu spielen. Nebenberuflich kellnert die Kreative in einem Coffeeshop, bastelt sonst mit Polaroid, und rennt den ganzen Tag mit Pinsel uns Hosenanzug in ihrem riesigen Künstlerloft herum . Sehr innovativ! Trotz des schwachen Skripts nimmt man ihr die innerlich labile Kranke, die sich nach außen hin als starke, unkonventionelle und unabhängige Frau zeigt, jederzeit ab. Auch Jake Gyllenhaal weiß mit seinem ewig grinsenden Charmeur, der keine Gelegenheit auslässt, sich an das nächstbeste weibliche Wesen heranzuschmeißen zu überzeugen. Seiner Figur verleiht er viel Humor und eine nette Prise Selbstironie. Nachdem die Mimen schon in Ang Lees 'Brokeback Mountain' als kaputtes Ehepaar erfolgreich gemeinsam vor der Kamera agiert haben, stimmt diesmal zusätzlich die erotische Chemie. Damit sind sie aber das einzige rettende Element des Films.

Viel zu oft weicht das Drehbuch auf einen der (zu) vielen Erzählstränge aus, die den zwei Hauptfiguren damit die nötige Spielzeit nehmen, um die Entwicklung der Charaktere für den Zuschauer nachvollziehbar zu entfalten. Die Nebenhandlungen, wie die um Jamies dicken Bruder Josh (Josh Gad) - der den Eindruck erweckt, er sei einer Judd Apatow Komödie entlaufen - die um den Aufstieg des Zauberzeugs Viagra, oder die um Jamies Partner Bruce (Oliver Platt), stören den Erzählfluss immer wieder. Dadurch kommt die verletze Psyche der Charaktere etwas zu trivial daher und das Ende des Films verliert sich schnell in banaler Hollywoodromantik.

Schade eigentlich, denn den beiden Darstellern hätte man weitaus mehr zutrauen können. Sie hätten den Film auch als Zwei-Mann-Show getragen und es mit einem vernünftigen Drehbuch sicher geschafft, die komplexen Persönlichkeiten mit all ihren Problemen und Ängsten zu beleuchten, die Zwick bloß ab und zu ankratzt. Vor allem Hathaway strahlt eine tolle Leindwandpräsenz aus. Ihr hätte man durchaus mehr Spielzeit einräumen können. Dann hätte sie ihrer mit etlichen Konflikten behaftete Figur sicher etwas mehr Tiefe verliehen. Stattdessen stehen Gyllenhaal und der Medikamentenkonzern Pfizer (viel zu oft) im Vordergrund. Und somit auch die satirische Komponente als etwas zu brave Kritik an der amerikanischen Pharmaindustrie Das ist zwar durch die knackigen Dialoge manchmal durchaus witzig, dennoch hat man irgendwie das Gefühl, dass Zwick hier fünf Geschichten erzählt, aber keine davon konsequent.

Von Mihaela Gladovic

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