Hat's faustdick hinter den Ohren: 'Pippa Lee'

Robin Wright Penn als vermeintlich spießige Hausfrau

Hat's faustdick hinter den Ohren: 'Pippa Lee'

„Du kannst jeden Mann über 50 hier im Raum haben. Solange du ihm nur den Finger in den Arsch steckst, wenn er kommt“, sagt Pippa (Robin Wright Penn) im Café zu ihrer jungen Freundin Sandra (Winona Ryder). Und spätestens da ahnen wir, was mit den „Private Lives“ dieser Pippa Lee gemeint sein könnte, dieser gestriegelten Endvierzigerin, die auf den ersten Blick wie die perfekte Hausfrau wirkt. Ein bisschen zu schön ist sie für ein Hausmütterchen und vor allem viel zu jung für die beschauliche Altensiedlung, in die sie sich mit ihrem 30 Jahre älteren Verlegergatten Herb (Alan Arkin) zurückgezogen hat.

Die Kinder sind aus dem Haus und nicht gerade der dankbarste Nachwuchs. Sohn Ben (Ryan McDonald, ein aufstrebender Anwalt, bedenkt seine Mutter gern mit einem mitleidigen Blick. Tochter Grace (Zoe Kazan) ist voll Ungestüm auch in ihrer Ablehnung gegenüber Pippa, die sie dafür verachtet, dass sie keinen Beruf hat und für nichts steht – außer für eine blitzsaubere Küche. Und genau diese ist eines schönen sonnigen Morgens komplett eingesaut mit Schokoladenkuchen. Pippa hat ihren leicht senilen Gatten im Verdacht und richtet sich schon darauf ein, bald Witwe zu werden. Doch dann macht sie eine furchtbare Entdeckung.

Die frisch installierte Videokamera in der Küche enthüllt: Pippa selbst ist die Übeltäterin. „Ich glaube, ich habe einen stummen Nervenzusammenbruch“, sagt Pippa, deren heile Vorstadtwelt in sich zusammenzubrechen droht. Aber, so werden wir in den folgenden anderthalb Stunden erfahren, das war eh nur eine bürgerliche Fassade für eine Frau, die in jungen Jahren nicht viel ausgelassen hat.

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Blake Lively überrascht als aufmüpfige Pippa

In Rückblenden erfahren wir, wie die junge Pippa (als Teenager gespielt von Blake Lively aus „Gossip Girl“) vor den Launen ihrer Aufputschmittel-süchtigen Mutter (sehr apart crazy: Maria Bello) davonlief ins fremde und vor allem wilde New York der späten Sechziger. Wie aus dem engelsgleichen Mädchen mit dem traurigen Blick, das bald die Drogenleidenschaft mit seiner Mutter teilt, diese spießige Hausfrau werden konnte, die so gar keine Eigenschaften hat, das erzählt Daniel Day-Lewis‘ Gattin Rebecca Miller in der Verfilmung ihrer eigenen Romanvorlage sehr behut- und einfühlsam.

Der feine Humor des Buches und die penible Beobachtungsgabe seiner Autorin gehen in der filmischen Umsetzung bisweilen ein bisschen unter, obwohl sie den Stoff geschickt von Peinlichkeiten befreit hat. Dafür kann sie mit einem Top-Cast bis in die kleinste Nebenrolle aufwarten. Vor allem Blake Lively überrascht als aufmüpfige Pippa, die auch optisch das perfekte Gegenstück zur manchmal zu beherrscht agierenden Robin Wright Penn bildet.

Alan Arkin agiert als alternder Gatte gewohnt nuanciert und überbrückt problemlos und ohne aufwändige Maske einen Zeitraum von 30 Jahren. In Nebenrollen sind Keanu Reeve, Monica Belluci und Julianne Moore zu sehen, werden aber nicht richtig gefordert. So bleibt „The Private Lives Of Pippa Lee“ ein hübsches Stück US-amerikanisches Autorenkino, dem aber die ganz großen Momente fehlen, die bei der Lektüre des Romans zu Tränen rührten.

Von Mireilla Zirpins

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