Harte Kritik von Wim Wenders am Kino

Harte Kritik von Wim Wenders am Kino
Wim Wenders hebt den mahnenden Zeigefinger © Todd Williamson/Invision/AP

"Das Kino ist mehr denn je ein Konsumartikel geworden und als solcher eher daran interessiert, von 'Lebensfragen' abzulenken", beklagt der deutsche Regisseur Wim Wenders die aktuelle Entwicklung des Kinos in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Wer heute mit einem Streifen erfolgreich sein will, der sei auf Werbung angewiesen. "Und die Filme, die existenzielle Fragen stellen, haben a priori geringere Werbemittel. Solche Filme gehen deshalb auch ganz schnell unter."

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"Kino ist ein Konsumartikel"

 

Kreativität heute im Internet zu finden

 

Vom aktuellen Mainstream-Kino ist Wenders wenig angetan, da es "fast nur von Tempo bestimmt" sei. "Da kann man ein einzelnes Bild oft kaum erfassen, da wird schon wieder weggeschnitten. Das ist oft eher eine Überrumpelungstechnik als eine Erzähltechnik." Die Kreativität sei heute sowieso nicht mehr in den Kinos zu finden. Vielmehr sei sie "im Internet, in sozialen Netzwerken, auf Youtube, oder jetzt gerade in den Serien. All das bildet heute viel mehr den Geschmack der Zeit. Das Kino ist zwar noch eine privilegierte Art, mit Bildern umzugehen, aber eben nur noch eine von vielen", bilanziert Wenders.

 

"Erzählkino in der Rückbewegung"

 

Auch er als Filmemacher habe unter dieser Entwicklung zu leiden, wie er anhand seines jüngsten Werks feststellen musste: "Die Zuschauer, die aus 'Every Thing Will Be Fine' herauskommen, sind zu einem großen Teil emotional tief berührt, aber die schiere Zahl derer, die den Weg in den Film finden, ist trotzdem enttäuschend, auch durchaus im Verhältnis zu der Zustimmung, die der Film bei der Kritik gefunden hat. Das Erzählkino ist einfach schwer in der Rückbewegung im Verhältnis zum Sensationskino oder zu Komödien."

 

Skepsis gegenüber sozialen Netzwerken

 

Im Gespräch mit der Zeitung zeigte sich Wenders zudem skeptisch gegenüber den sozialen Netzwerken: "Auch Menschen, die nicht kreativ arbeiten, müssen einsehen, dass tausend Facebook-Freunde nicht so viel wert sind wie ein einziger wirklicher Freund, den man anrufen kann. Bei den entscheidenden Fragen des Lebens helfen einem auch eine Million Likes nicht weiter. Nichts kann einen wirklichen Menschen ersetzen, weder eine Fiktion noch ein virtuelles Medium", so seine klare Meinung in der "NOZ".

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