'Haben Sie das von den Morgans gehört?': Hugh Grant mal wieder untreu

Paul und Meryl Morgan werden unfreiwillig Zeugen eines Mordes

'Haben Sie das von den Morgans gehört?': Hugh Grant mal wieder untreu

Hugh Grant ist ein Phänomen. Ein richtig guter Schauspieler wird er wohl nicht mehr. Aber obwohl er nichts wirklich ernst zu nehmen scheint und sich selbst bei seinen besseren Rollen ein ironisch-distanziertes Grinsen nicht verkneifen kann, ist er trotzdem überzeugend und vor allem unglaublich komisch, solang er nur einen Typen spielt, wie er selbst einer ist: einen leicht verklemmt grinsenden, verwirrt stammelnden liebenswerten Frauenhelden, dem das Leben irgendwie aus den Fugen geraten ist.

Und so muss man unwillkürlich an seine Cabriofahrt mit Oralsex und einer gewissen Divine Brown denken, wenn Grant in seinem neuen Film „Haben Sie das von den Morgans gehört?“ als Rechtsverdreher Paul reumütig und mit leicht amüsiertem Dackelblick seiner Noch-Gattin Meryl (Sarah-Jessica Parker) nachstellt. Denn während die zwischen Adoptionsplänen und künstlicher Befruchtung ihre biologische Uhr ticken hört, will der Großstadtslacker lieber nicht erwachsen werden und schon gar nicht selbst Kinder haben. Und weil ihm der angestrengte Befruchtungssex mit seiner gestressten Gattin zu viel geworden ist, legt Paul lieber eine Gelegenheitsbekanntschaft bei einem Kongress flach.

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Hugh Grant bekommt eine Menge Anti-Bären-Spray in die Augen

'Haben Sie das von den Morgans gehört?': Hugh Grant mal wieder untreu

Selbstironisch genug von Hugh Grant, in dieser Geschichte mitzuspielen. Aber der Mann kann über sich selbst lachen, und Marc Lawrence hat ihm die Rolle auf den Leib geschrieben. Die beiden haben zusammen schon die beiden erfolgreichen Komödien „Ein Chef zum Verlieben“ (da spielte Grant den schnöseligen Boss von Sandra Bullock) und „Ein Song für dich“ (mit Drew Barrymore und einem großartigen Grant als hüftlahmer 80ies-Popstar) gedreht, und auch das neue Werk besticht durch schön schwarzhumorige Dialoge, bei denen Grant die meisten guten Oneliner hat, während Parker ihm als überspannte Zicke (auch bei ihr passt die Rolle prima zum Image) eher die Bälle zuspielen darf.

Dass die Chemie zwischen den beiden nicht stimmt und man Hugh Grant keinen Moment lang abkauft, dass er jemals in diese Frau verliebt war, macht insofern nichts, als die beiden sich fast den ganzen Film über eindrucksvoll streiten. Und das haben sie beide prima drauf. Die Story hingegen ist so konstruiert und belanglos, dass man sie hier besser totschweigen sollte. Nur so viel: Nach dem gescheiterten Versöhnungsdinner werden die beiden unfreiwillig Zeugen eines Mordes und im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes in den „Wilden Westen“ verfrachtet. Im tiefsten Wyoming, wo man „sich selbst bei der Zellteilung zuhören kann“, bekriegen sich Paul und Meryl in ihrem unerträglich rustikalen Unterschlupf bis aufs Messer und machen es dem Killer auf ihren Fersen auch noch furchtbar einfach...

Hier wird kein Klischee vom Rodeo-Ringelpiez bis zum Hinterwälder-Bashing ausgelassen, und Hugh Grant bekommt in den zahlreichen Slapstickeinlagen eine Menge Anti-Bären-Spray in die Augen. Aber er wirkt dabei so amüsiert-deplatziert, dass man schon lachen muss, wenn er sich einem Cowboyhut auch nur nähert. Da er für die Rolle des New Yorker Geschäftsmannes nicht mal seinen britischen Akzent abgelegt hat, wirkt er einmal mehr wie Hugh Grant, der einfach nur als er selbst unterwegs ist – lustig, schnoddrig und diesmal eben als untreuer Kerl von Sarah Jessica Parker. Und trotz der zum Teil etwas abgedroschenen und vorhersehbaren Gags: Immerhin lässt Marc Lawrence sich viel Zeit, um zu erzählen, was bei dem Vorzeigepärchen so schief gegangen ist.

Von Mireilla Zirpins

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