Günter Wallraff: So viele Reaktionen

Günter Wallraff
Günter Wallraff © Cover Media

Günter Wallraff (72) zeigte in seiner RTL-Reportage, dass sowohl die Hartz-IV-Empfänger als auch die Jobcenter-Mitarbeiter "Gefangene des Systems" sind.

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Team Wallraff im Jobcenter

Für eine RTL-Reportage war der bekannte Enthüllungsjournalist mal wieder undercover mit seinem Team unterwegs und spürte Missstände in deutschen Jobcentern auf. Am Montag [16. März] lief 'Team Wallraff: Inside Jobcenter - Hier bleibt der Mensch auf der Strecke' bei RTL. Im Zuge der neunmonatigen Dreharbeiten befragte Günter Wallraff nicht nur Hartz-IV-Empfänger, sondern auch Jobcenter-Mitarbeiter.

Das Thema traf auf großes Interesse und in einem Interview auf 'stern.de' erklärte der Reporter jetzt, dass er niemals zuvor so viele Reaktionen auf eine seiner Reportagen erhalten habe. "So einen unmittelbaren und großen Rücklauf habe ich in den letzten Jahren bei keiner Recherche erlebt. Schon während der Sendung kamen im Minutentakt Nachrichten von Betroffenen. Von Arbeitslosen, aber auch von Arbeitsvermittlern, die ihre Geschichten schildern. Unser Film zeigt ja, dass auch die Jobvermittler keine Unmenschen sind, sondern Gefangene des Systems", berichtete er.

Im Zuge der Recherche unterhielt sich Wallraff mit rund 30 Vermittlern, die anstelle von den vorgeschriebenen 150 Personen zwischen 250 bis 500 Langzeitarbeitslose betreuen müssen. Kein Wunder, dass viele Jobcenter-Angestellte wütend und gestresst sind und auf Veränderungen drängen. Das wirkt sich natürlich wiederum auf die betroffenen Hartz-IV-Empfänger aus, die teilweise in Existenznot geraten, wenn sich die Auszahlungen manchmal monatelang verzögern. Zu viele Kunden für zu wenig Mitarbeiter - das hat Wallraff selbst miterlebt.

Was muss sich seiner Meinung nach ändern? "Das System Jobcenter ist aus meiner Sicht gescheitert. Da ist ein bürokratischer, konzernähnlicher Moloch entstanden, mit 50 Milliarden Etat, der weitgehend ineffizient ist und sich der öffentlichen Kontrolle entzieht. Es muss schon etwas Grundlegendes passieren, um diese Mammutbehörde zu reformieren. Was im Einzelnen zu tun ist, das müssen unabhängige Experten entscheiden", erklärte er.

Nachdem es dem Reporter gelungen ist, eine augenscheinlich völlig sinnlose Maßnahme für Hartz-IV-Empfänger zu begleiten, bei der diese mit Lamas spazieren gehen müssen, schlussfolgert Günter Wallraff in der Sendung: "In dem Zusammenhang zeigt es die Hilflosigkeit unseres Staates, mit Langzeitarbeitslosen umzugehen."

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