Gregor Meyle: "Eigentlich bin ich total langweilig"

Gregor Meyle im Interview
Mit 'Sing meinen Song' hat der baden Württtemberger Gregor Meyle den Durchbruch in Deutschland geschafft

Gregor Meyle: "In Amerika hätte ich wenig Chancen"

Graues T-Shirt, Schlabber-Jeans und ein lässiger Strohhut für die Sonne – total entspannt treffe ich Gregor Meyle am Rande seines Konzertes in Köln. Seit der Baden-Württemberger von Xavier Naidoo höchstpersönlich in die Musiker-Runde von 'Sing meinen Song‘ gerufen wurde, geht es für ihn richtig ab: Seine Musik wird rauf und runter gespielt. Der sympathische Lebemann ist endlich angekommen. Im Interview sprechen wir nicht nur über 'Sing meinen Song‘, sondern auch über Selbstmitleid und das perfekte Sauce-Hollandaise-Rezept.

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Von Ann-Christin Gebhardt

'Sing meinen Song‘ war eine riesige Chance für dich: Wie lief denn die Zusammenarbeit mit den Kollegen?

Gregor Meyle: Es war natürlich ein Knaller mit denen zu arbeiten. Ich meine, wann passiert dir sowas schon mal? Es ist einfach ein Hammer-Format, weil keine Competition dabei ist. Es geht nicht darum, ob einer schneller, langsamer, besser singt oder sonst was ist. Jeder hat seinen Ausdruck und jeder versucht, die Songs zu seinem eigenen zu machen. Wir waren am Anfang alle sehr nervös, aber ich hatte einen Heidenspaß. Für mich ist ‚Sing meinen Song‘ wirklich ein Geschenk und Xavier hätte ja auch jemand anderen fragen können, ob er mitmachen möchte.

Xavier ist ja ein großer Fan von dir.

Gregor Meyle: Ja, sieht so aus (lacht).

Es sah in der Show auch stets so aus, als ob ihr euch alle super verstanden habt. Lief das denn wirklich immer so harmonisch bei euch ab?

Gregor Meyle: Ich glaube, das ist die meist gestellte Frage in den letzten Wochen. Aber ich bin ganz ehrlich: Wir sind alle schlechte Schauspieler und das Tolle ist, dass nichts gefakt war. Wir saßen da auf dem Sofa, tranken ein paar Cocktails und Jägermeister. Xavier wusste natürlich ungefähr, was als nächstes passiert, aber gerade weil das meiste so spontan war, war es so cool. Ich glaube, dass wir teilweise sogar zu zurückhaltend waren, weil wir gar nicht genau wussten, was passiert.

Gab es einen Song, vor dem du den meisten Bammel hattest?

Gregor Meyle: Nö, eigentlich nicht. Wobei ich schon Respekt vor Xaviers Song hatte. Ich wollte ihn unbedingt schön präsentieren und ausgerechnet dann hab ich den Text vergessen. Da hat man sich ein halbes Jahr drauf vorbereitet und dann sagt man sich: 'Ach, sch***, hätte ich das mal besser gemacht.'

Und wie war es für dich, deine Songs von den Kollegen zu hören?

Gregor Meyle: Das war echt ein großartiger Abend. Ich saß da auf dem Sofa, hatte mir schön ein, zwei Bier reingeknallt und hatte mich tierisch gefreut. Es war ein bisschen, als ob du selbst vorm Fernseher sitzt … oder im Olymp!

Dein neues Album heißt 'New York – Stintino‘: Was bedeuten diese beide Orte für dich?

Gregor Meyle: New York ist einfach die musikalischste Stadt der Welt, vor allem, was Jazz, Rock und Pop angeht. Es gibt dort mindestens 400 Live-Clubs und da sind Leute wie Gregory Porter, die da umsonst spielen. In der U-Bahn stehen Typen mit einer Klampfe, die ihre Songs präsentieren und dafür ein paar Dollar in den Hut geschmissen bekommen. Vor denen würde man gerne selber den Hut ziehen und sich wünschen, irgendwann mal auf diesem Level anzukommen. In Amerika hätte ich echt wenig Chancen, Musik zu machen. Stintino dagegen ist ein ganz, ganz kleiner Ort auf Sardinien und dort habe ich relativ viele Songs geschrieben. Dieser Kontrast zieht sich einfach durch das ganze Album. Es gibt groß arrangierte Songs, die an New York erinnern und Songs, die ganz klein und intim sind. Wie im richtigen Leben. Jeder sehnt sich manchmal nach der großen, weiten Welt und manchmal sucht man einfach einen Rückzug.

"Zufriedenheit ist der Schlüssel"

Gregor Meyle im Interview
So sieht Gregor Meyle aus, wenn Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnt

Anfang Mai kam die Single 'Hier spricht dein Herz‘ raus und es geht darum, dass viele unzufrieden mit ihrem Leben sind, obwohl es eigentlich gar nicht so schlecht ist.

Gregor Meyle: Jeder versteht Songs so, wie er es gerne möchte und das ist auch gut so. Ich bin auf den Song gekommen, nachdem mir eine Freundin ein Buch geschenkt hat, wo ich meine Songs reinschreiben kann, damit ich nicht immer meine Zettel verliere. Und aus diesem Buch ist dann eine Postkarte herausgefallen, auf der ein ganz toller Spruch stand: "Hüte dich vor dem Entschluss, zu dem du nicht lächeln kannst“. Zufriedenheit ist der Schlüssel.

Wie viel Autobiografie steckt denn letztlich in deinen Songs?

Gregor Meyle: Ich schreibe alle Songs selbst. Mit einem Text hauchst du einem Song eine Seele ein und ein Stück weit sind meine Texte schon auch autobiographisch. Aber ich weiß, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat und es bringt dann auch nichts, wenn ich den Leuten erzähle, was ich mit meinem Song gemeint habe. Jeder überlegt sich das selber.

Viele deiner Songs muten ein bisschen traurig an. Ist das eine Art Selbsttherapie?

Gregor Meyle: Ich bin eigentlich überhaupt nicht melancholisch veranlagt, obwohl ich manchmal schon zu Selbstmitleid neige. Und das spielt natürlich auch in den Songs eine große Rolle. Aber eben auch Selbstreflexion. Ich sage mir dann, jetzt hau' ich mal ein paar krasse Farben an die Leinwand. Egal, wie traurig oder melancholisch meine Songs daher kommen, so steht Hoffnung darin eigentlich immer an oberster Stelle.

Auf deinem Album gibt es auch einen Song, den du mit der brasilianischen Sängerin Raiza aufgenommen hast. Wie kam es dazu?

Gregor Meyle: Christian (Anm. d. Red.: Christian Lohr, Produzent) hat mit Raiza in Brasilien zusammengearbeitet und als sie dann für Vocals hier in Deutschland war, hab ich ihn gefragt, ob sie nicht Bock hätte mit mir zu singen. Und ich hatte den Song 'Heute Nacht‘, den ich eh gerne mal in einer anderen Sprache machen wollte. Das hat sich perfekt angeboten, vor allem da portugiesisch eine meiner absoluten Lieblingssprachen ist. Raiza hat also den Text von mir teilweise übersetzt oder interpretiert und entstanden ist dieser entspannte Brasilien-WM-Song.

Apropos WM-Song: Verfolgst du die WM?

Gregor Meyle: Natürlich verfolge ich die WM, was ich das denn für eine Frage (lacht).

Und was meinst du? Gewinnt Deutschland den Titel?

Gregor Meyle: Wir haben ein starkes Team, warum also nicht? Aber ich liebe die WM, weil man auch andere grandiose Länder und Fußballspieler kennenlernt und einfach tolle Spiele sieht. Es ist ja nicht nur ein Typ, der das Spiel macht, sondern eine ganze Mannschaft. Es ist doch Wahnsinn, wenn ein 19-jähriger Fußballspieler aus irgendeinem kleinen Dörfchen in Brasilien die Chance bekommt, in einem Riesen-Stadion zu stehen. Überleg mal, wie dir die Pumpe gehen würde... Unfassbar!

Abgesehen davon, dass du großer WM-Fan bist, gibt es eigentlich eine Geschichte über dich, wo sogar eingefleischte Fans sagen würden 'Das hätte ich jetzt nicht gedacht‘?

Gregor Meyle: Eigentlich bin ich total langweilig. Aber vielleicht wissen viele nicht, dass ich sehr gerne koche.

Du hast sogar ein Koch-Song-Buch auf den Markt gebracht. Was kann man sich darunter vorstellen?

Gregor Meyle: Ein Buch, wo nur meine Songs drin gewesen wären, war mir zu langweilig und es wäre auch ein bisschen dünn geworden. Deswegen dachte ich, ich hau mal ein paar Rezepte rein. Vor allem, weil die Leute mich eh immer nach Rezepten fragen. Außerdem habe ich ein paar gute Kumpels, die Köche sind. Und so haben wir mal ein Jahr lang rumgekocht, unter anderem auch auf Sardinien. Ja, man muss schon Opfer bringen für so ein Kochbuch (lacht)… Und bin übrigens eher so der Typ, der einfach alles in den Topf rein schmeißt. Dabei gibt es Dinge, die gelernt sein müssen. Eine gute Sauce Hollandaise zum Beispiel. Die kann dir nämlich mal ganz schnell abkacken.

Ja, das habe ich auch schon feststellen müssen.

Gregor Meyle: Willste ein paar Tricks wissen?

Gerne!

Gregor Meyle: Du nimmst einfach drei bis vier Eigelbe, kein Eiweiß, weil Eigelb mehr Eiweiß hat als Eiweiß. Da kommt dann ein guter Spritzer Zitronensaft rein, wodurch es später nicht mehr so schnell flockt. Dann schmilzt du Butter, aber bitte nicht die Molke abschöpfen, denn die macht den Geschmack aus. Das Ganze dann über ein Wasserbad und langsam die Butter unterrühren. Anschließend immer schön rühren, rühren, rühren. Salz, Pfeffer, frischen Dill, Thymian und noch einen guten Schlag Dijon-Senf rein. Das ist eine Waffe!

Vielen Dank für das Rezept, jetzt habe ich Hunger. Und vielen Dank für das nette Gespräch!

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