'Green Zone': Matt Damon - Nur ein Gesichtsausdruck

Mit der Besetzung Damons weckt Greengrass falsche Hoffnungen

'Green Zone': Matt Damon - Nur ein Gesichtsausdruck
© Photo Credit: Jasin Boland

Es war die peinlichste Politik-Panne des Jahres 2003: Immer wieder hatte US-Präsident George W. Bush behauptet, eindeutige Beweise zu haben, dass der Irak todbringende Massenvernichtungswaffen vor der Welt verstecke. Am frühen Morgen des 20. März gegen 3.30 Uhr schlugen die ersten US-Bomben in der irakischen Hauptstadt Bagdad ein. Heute ist klar: Das Ganze war nur ein Vorwand für den Angriff auf den Wüstenstaat – eine Kriegslüge. Um genau diese Kriegslüge dreht sich der Film ‚Green Zone’ von Regisseur Paul Greengrass.

Hauptdarsteller Matt Damon spielt den amerikanischen Offizier Roy Miller, der im Irak vergeblich nach Waffenlagern sucht und dabei eine politische Verschwörung aufdeckt. Leider kommt der Film ungefähr fünf Jahre zu spät, denn das Thema zieht nicht mehr – es ist längst bekannt, dass die Vereinigten Staaten in dreister Art und Weise Fakten gefälscht haben, um Saddam Hussein zu entmachten. Die Handlung mag aus mancher Perspektive vorhersehbar erscheinen, immerhin greift Greengrass nach seinem 09/11-Film „United 93“ erneut ein Thema auf, das anderen Filmemachern noch zu heiß war. Und er bezieht politisch Stellung.

Mit der Besetzung Damons weckt Greengrass allerdings vermutlich falsche Hoffnungen. Als eingespieltes Erfolgsduohaben die beiden die ‚Bourne Verschwörung’ und das ‚Bourne Ultimatum’ zusammen gedreht, sie gelten als Spezialisten für Action-Thriller. Der Film basiert zudem auf einem preisgekrönten Buch des Journalisten Rajiv Chandrasekarans. Das schürt die Erwartung, hier einen actiongeladenen Blockbuster geboten zu kommen. Aber es gelingt dem Regisseur einfach nicht, Spannung aufzubauen.

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Dröge und vorhersehbare Handlung - klischeehafte Rollenverteilung

'Green Zone': Matt Damon - Nur ein Gesichtsausdruck
© Photo Credit: Jasin Boland

Ein Grund dafür ist sicher die Übersättigung der Bürger mit Bildern aus dem Irak-Krieg. Der Krieg ist zwar seit April 2003 beendet, aber das Land ist noch immer besetzt und Terror gegen die US-Truppen Alltag. Genau wie die furchtbaren Bilder aus dem Irak: Zerschossene Häuser, explodierte Militär-Fahrzeuge oder verletzte Soldaten.

Ein anderer Grund für die dröge und vorhersehbare Handlung ist die fast schon klischeehafte Rollenverteilung. Matt Damon gibt den ehrgeizigen Offizier Miller, der sich heldenhaft seinen Chefs widersetzt und auf eigene Faust nach Verbrechern und Waffen sucht. Greg Kinnear verkörpert den aalglatten und berechnenden Politiker Poundstone, der die sensationslustige Journalistin Lawrie Dayne (Amy Ryan) mit gefälschten Geheimdienstinformationen beliefert.

Außerdem gibt es da noch den undurchsichtigen CIA-Agenten Brown (Brendan Gleeson), der sich andauernd Machtkämpfe mit dem Regierungsmann Poundstone liefert, um den irakischen General Al Rawi zu finden. Mit dem Wissen über die Kriegslüge im Hinterkopf sind diese Intrigen allerdings durchschaubar und damit furchtbar langweilig. Als Zuschauer kommt man sich beinahe vor wie ein Hellseher, weil wirklich alles so kommt, wie erwartet – und das ist nicht schön.

Wenn wenigstens die Action stimmen würde... Aber nein: Regisseur Greengrass versucht zwar, das Chaos in den engen, staubigen Gassen Bagdads und die ständige Bedrohung der US-Soldaten durch Heckenschützen darzustellen, indem er den Kameramann zum Mitglied der Einsatztruppe macht und ganze Szenen aus der Augenzeugenperspektive mit einer Schulterkamera filmen lässt. Doch nicht einmal diese extrem verwackelten, teilweise unscharfen Bilder aus der Mitte des inszenierten Kriegs-Chaos wirken mitreißend. Das mag zwar Greengrass’ Markenzeichen sein, wirkt aber nicht halb so authentisch wie manche Amateuraufnahme, die man seinerzeit in Nachrichtensendungen zu sehen bekam. Es war wohl doch keine gute Idee von Greengrass, die Soldaten von echten Irak-Veteranen spielen zu lassen. Viele Szenen erinnern an gestellte Militärübungen, den Darstellern fehlt die Ausstrahlung und nicht zuletzt der Ausdruck von Angst in den Augen.

Selbst die schauspielerische Leistung von Hollywood-Star Matt Damon ist enttäuschend. Er nervt mit dem stets gleichen, leicht besorgten Gesichtsausdruck und hat in fast jeder Einstellung seine Waffe im Anschlag. Merkwürdig ist allerdings, dass Officer Miller das Gewehr im gesamten Film nur einmal wirklich einsetzt. Genau das dürfte manchem zu wenig sein. Actionversessene Fans der ‚Bourne’-Trilogie werden von dieser eigenwilligen Interpretation des Stoffs enttäuscht sein.

Von Sebastian Priggemeier

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