Grace Risch: Die Backgroundsängerin von Seeed und Max Herre über ihre erste eigene EP 'Mücke'

Grace Risch: Wenn die Mücke im Traum erscheint
Grace Risch sieht sich als Gesamtkünstlerin © Felix Leiberg/Warner Music

Den Namen Grace Risch kennt noch nicht jeder, die Sängerin hat jedoch als stimmgewaltige Begleiterin von Größen wie Seeed, Max Herre und Deichkind schon einige Erfahrung im Musikbusiness gesammelt und bereits unter dem Künstlernamen "Gretel" ein Album veröffentlicht. Nun möchte sie unter dem eigenen Namen mit ihrem erfrischenden Urban-Pop-Sound durchstarten, und die Voraussetzungen sind gar nicht schlecht. Schon der Titelsong ihrer ersten EP "Mücke" ist als Ohrwurm ähnlich hartnäckig wie das gleichnamige Insekt, wenn es einen in einer schwülen Sommernacht im Schlafzimmer verfolgt. Warum sie diesem lästigen Tier überhaupt einen Song gewidmet hat, verrät Risch der Nachrichtenagentur spot on news im Interview.

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Die Sängerin im Interview

 

Die Mücke ist ein spannendes Bild für einen Songtext und auch ein bisschen mutig, da man mit ihr in der Regel wenig Positives verbindet. Woher kam die Idee?

 

Grace Risch: Ich habe ein paar Tage mit Maxim in Köln an der EP gearbeitet. In einer Nacht habe ich da von den beiden Zeilen geträumt: "Ich bin ne Mücke, ich flieg ins Licht". Ich habe Maxim davon erzählt und er fand es cool, und dann haben wir daran weitergebastelt. Dann hat sich der Song eigentlich ziemlich schnell von selbst geschrieben. Jetzt im Nachhinein muss ich selber sagen, okay, Mücke ist jetzt nicht von vornherein positiv, aber eigentlich doch ein ganz cooles Bild, weil es so ungewöhnlich ist. Es hat die Aussage von "ich nehm mir, was ich will", darum geht es da eigentlich.

 

Und für das Video zu "Mücke" haben Sie tatsächlich Fechten gelernt?

 

Risch: Ja, das hat sehr viel Spaß gemacht. Also ich hatte nur so vier, fünf Trainingsstunden. Die Idee für das Video hatte ich zusammen mit dem Kameramann, und da war ganz klar, dass wir dieses Fechten miteinbeziehen wollen. Weil einfach schon die Fechtmaske so aussieht wie Insektenaugen und auch der Degen natürlich wie so ein Stachel daherkommt, und auch das Fechten an sich so ästhetisch aussieht, das gefällt mir einfach sehr gut. Und umso glücklicher war ich, dass ich dann selber auch Fechten lernen durfte, aber für ein paar Szenen hatte ich dann doch Doubles.

 

 

Der Clip zu "Papa Kiste" dokumentiert Ihr Wiedersehen mit Ihrem Vater in Nigeria nach einer langen Zeit. Wie kam es dazu?

 

Risch: Ich bin ohne meinen Vater aufgewachsen, das letzte Mal habe ich ihn vielleicht mit anderthalb oder zwei Jahren gesehen. Wie sich das für mich anfühlt und was für Auswirkungen das so in meinem Leben hat, verarbeite ich in "Papa Kiste". Mehr oder weniger zufällig kam im Oktober letzten Jahres die Gelegenheit, nach Nigeria zu fliegen und die Familie dort zu treffen. Da habe ich meine Plattenfirma gefragt: "Hey, wir müssen das Video ja sowieso machen - wie wäre es, wenn ich mir einfach zwei Kameraleute einpacke und wird das da machen?" Das ist gar nicht so unkompliziert wie das jetzt klingt, man darf da eigentlich auf der Straße gar nicht filmen. Wir mussten da schon rumtricksen. Aber die Aktion ist super aufgegangen, ich bin ganz froh über dieses Video.

 

Halten Sie zu diesem Teil der Familie seitdem den Kontakt?

 

Risch: Klar. Ich habe überhaupt ganz viele Leute zum ersten Mal getroffen, Tanten, Cousinen und Halbgeschwister, die ich nicht kannte. Der Kontakt hatte natürlich schon vorher angefangen, dann gab es eine Begegnung mit den meisten und der Kontakt besteht jetzt auch noch.

 

Als "Gretel" haben Sie noch auf Englisch gesungen. Warum sind Sie auf Deutsch umgestiegen?

 

Risch: Ich habe ganz, ganz früher sogar auch schon mal auf Deutsch geschrieben, kam aber im Texten an meine Grenzen. Ich konnte es nie so formulieren, dass es mir angenehm war, das zu singen. Dann habe ich eine Abkürzung gewählt und auf Englisch gesungen, weil da die einfachsten Sachen schon gut klingen, damit ich mich schnell musikalisch weiterentwickeln konnte. Vor einigen Jahren war ich dann mit Max Herre viel live unterwegs und habe da natürlich auf Deutsch gesungen. Und dann gab es da einen tollen Song, auf den ich eine Strophe geschrieben habe. Die kam einfach so aus heiterem Himmel, eine deutsche Idee. Das durfte ich dann live immer singen und das war ziemlich besonders für mich, und so gut, dass ich dachte, okay, das ist der nächste Schritt.

 

Auf dem Song "Leinwand" gibt es ein Feature von Chefket. Wie kam es dazu?

 

Risch: Chefket ist ja erstens in Berlin, wie ich, und er arbeitet auch mit dem Produzenten Farhot, mit dem ich auch einige Songs für die EP produziert habe. Wir hatten schon mal die Idee, zusammen was zu schreiben, und haben uns auch mal einen Tag lang getroffen, da kam aber nichts dabei zustande. Es war total der coole Tag und wir haben eigentlich nur abgehangen und gequatscht, aber es kam nichts dabei raus. Dann habe ich "Leinwand" geschrieben und dachte dann, dieser Song würde so gut zu Chefket passen. Ich hab ihm das geschickt und dann hat er den Part draufgeschrieben.

 

Sie arbeiten auch bei "The Voice of Germany" als Backgroundsängerin. Wäre die Teilnahme an einer Castingshow auch für Sie selbst eine Option?

 

Risch: Das ist für mich nicht der richtige Weg, zumindest jetzt nicht. Vielleicht komme ich irgendwann auf die Idee, aber ich glaube eher nicht. Es ist interessant, das zu beobachten, das ist schon wie so eine Welt für sich. Mein Eindruck ist, es gibt ganz viele ganz tolle Sänger, für die es auch total Sinn macht, daran teilzunehmen. Ich selber empfinde mich eher als Gesamtkünstlerin. Ich arbeite an allem mit, am Videokonzept, Fotokonzept, ich hole mir die Leute ran und erarbeite das mit denen zusammen. Ich möchte mich einfach solide aufbauen als Künstlerin mit Gesicht und brauche jetzt nicht über Nacht hunderte, tausende Fans, die mich aber nächste Woche nicht mehr kennen, was ja leider Gottes bei einem Castingshow-Gewinner in übertriebener Beschreibung oft so ist.

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