Grace Kelly und Fürst Rainier III: Vor 60 Jahren traten sie vor den Traualtar

Grace Kelly und Fürst Rainier III: Eine Hochzeit wie im Traum
Es war die Hochzeit des Jahrhunderts: Hollywood-Star Grace Kelly heiratet Fürst Rainier von Monaco © imago/Granata Images

Traumhochzeit. Jedes halbwegs bekannte Paar versucht sie zu inszenieren. Manche hilflos bis komisch wie Gülcan und Sebastian Kamps oder Sarah Connor und Marc Terenzi, oder einigermaßen gelungen wie bei George Clooney und Amal Alamuddin. Ein anderes Kaliber war die Heirat von William und Kate. Doch das alles ist nichts gegen die Eheschließung von Rainier III. von Monaco und Grace Kelly. Es war, wenn man so will, die Urmutter aller Traumhochzeiten. 60 Jahre ist das her, doch Märchen haben kein Verfallsdatum.

Vom Hollywood-Star zur Fürstin

Dabei hatte die Verbindung beileibe nicht die faszinierenden Ingredienzien einer Traumehe. Hollywood-Star heiratet den weitgehend unbekannten Vorturner eines Zwergstaates an der Mittelmeerküste. So what? Es war - auf die heutige Zeit übertragen - als hätte eine Angelina Jolie zugunsten ihrer künftigen Rolle als Landesmutter von, sagen wir, Liechtenstein, auf ihre internationale Filmkarriere verzichtet. Man würde sich bestenfalls an den Kopf greifen.

 

Das Fürstentum droht an Frankreich zu fallen

 

Seit 1949 regiert ein gewisser Louis Henri Maxence Rainier Grimaldi als Fürst Rainier III. den Zwergstaat Monaco (2,2 Quadratkilometer, ca. 35.000 Einwohner). Er entstammt einem nicht sonderlich bedeutenden Adelsgeschlecht aus Genua, das wegen seiner Verdienste im Seekrieg gegen die Engländer 1331 die Festung Monaco vom französischen König zugesprochen bekommt.

Auch Rainier ist über 600 Jahre später auf die Gunst der Franzosen angewiesen. Wichtige Entscheidungen muss er von Paris absegnen lassen, es besteht eine vertragliche "Konsultationspflicht". Überdies ist seine Zwergmonarchie so gut wie pleite und droht an Frankreich zu fallen, falls der Fürst keinen Thronfolger präsentieren kann.

In seiner Not verkauft Rainier Anteile seiner Spielcasino-Gesellschaft an den griechischen Milliardär Aristoteles Onassis. Das macht vor allem den griechischen Reeder reich, der den jungen Fürsten ebenfalls zu einer schnellen Heirat drängt, weil er seine Pfründe an der Côte d'Azur nicht so schnell wieder an Frankreich loswerden wollte.

 

"Ein Eisberg, unter dem ein Vulkan lodert"

 

Und er setzt ihm Flausen in den Kopf: Da ist doch diese strahlend schöne Frau, von der die ganze Welt spricht. Grace Kelly, eine Schauspielerin aus gutem Haus, eine Amerikanerin mit den besten Connections zu Wirtschaft und dem großen Geld. "Ein Eisberg, unter dem ein Vulkan lodert", so charakterisiert sie der Regisseur Alfred Hitchcock, eine "amouröse Python", urteilt ein Kollege weniger charmant.

Von 1950 bis 1955 spielt Grace Kelly, Tochter eines steinreichen Bauunternehmers und seiner deutschstämmigen Ehefrau Margaret Katherine Majer, in elf Filmen mit. Sie dreht u.a. mit Gary Cooper die Western-Legende "Zwölf Uhr mittags" und mit Clark Gable "Mogambo", für den sie 1954 mit dem Golden Globe als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wird. Ein Jahr später erhält sie für ihre Rolle in "Ein Mädchen vom Lande" den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Grace Kelly ist ein Star, die Welt reißt sich um sie, die Verehrer stehen Schlange, doch sie lässt sie in der Regel kalt abblitzen.

"Natürlich möchte ich heiraten. Aber meine Karriere liegt mir mehr am Herzen als der Gedanke an die Ehe. Wenn ich jetzt aufhörte - und aufhören müsste ich, weil die Ehe nach meiner Auffassung eine Frau ganz beansprucht - dann würde ich mich womöglich mein Leben lang mit dem Gedanken quälen, welch große Schauspielerin ich hätte werden können", sagt sie im März 1955.

 

Ein arrangiertes Treffen

 

Sechs Wochen später lernt sie Rainier kennen. Er ist ein gutaussehender Mann, 32 Jahre alt, besitzt einen schönen Palast und eine legendäre Briefmarkensammlung. Die 25-jährige Grace bewirbt bei den Filmfestspielen von Cannes ihren Film "Ein Mädchen vom Lande" und folgt einer Einladung der Zeitschrift "Paris Match", die ein Treffen mit Rainier im Fürstenpalast von Monaco arrangiert. Eine hübsche Geschichte, finden nicht nur die Journalisten. Die Reporter fotografieren das schöne Paar beim Rundgang durch Rainiers Privatzoo, der Fürst ist entbrannt, während sie ihn "ganz sympathisch" findet.

Er bombardiert sie mit stürmischen Briefen, reist ihr hinterher - sie wahrt Distanz. Ihre Familie ist von dem Herrscher von Monaco nicht so begeistert. Er sei ein "dahergelaufener und bankrotter Fürst, der meiner Tochter gerade bis zum Busen reicht", schimpft Vater John Brendan Kelly. Und ihre Mutter verwechselt Monaco mit Macao oder Marokko.

 

Zähes Ringen um die Mitgift der Braut

 

Doch Rainier gibt nicht klein bei. Im Dezember reist er in die USA und macht der Kelly-Familie am ersten Weihnachtstag seine Aufwartung. Drei Tage später macht Rainier der schönen Grace bei einem Abendessen im New Yorker Waldorf Astoria-Hotel einen offiziellen Hochzeitsantrag. Grace willigt ein und beendet ihre eher lockere Beziehung zum Modeschöpfer Oleg Cassini. Am 5. Januar wird die Verlobung bekannt gegeben. Vorausgegangen war ein zähes Ringen um die Mitgift der schönen Braut. Am Ende einigt man sich auf zwei Millionen US-Dollar, die je zur Hälfte Vater Kelly und Grace übernehmen. Eine hübsche Summe für einen Landesfürsten in Finanznöten.

Am 4. April 1956 geht Grace Kelly in New York an Bord des Dampfers "Constitution", sie wird von ihrer Familie, von Freunden und über 100 Journalisten begleitet. Acht Tage später wird die Braut in der Herkulesbucht vor dem Fürstentum von Rainier auf seiner Yacht "Deo Juvante II" in Empfang genommen und von den Einheimischen stürmisch begrüßt. Die standesamtliche Trauung findet am Morgen des 18. April im Thronsaal des Palastes statt, sie wird europaweit übertragen. Und am 19. April wird das Paar in der Kathedrale von Monaco von Bischof Gilles Barthe getraut.

 

30 Millionen verfolgen die "Hochzeit des Jahrhunderts"

 

Zu den 600 Gästen gehören der frühere ägyptische König Faruk, der Aga Khan III., der Reeder Onassis und seine Tochter Christina sowie die Hollywood-Stars Gloria Swanson, Ava Gardner und David Niven. Eine der sechs Brautjungfern ist Graces langjährige Freundin Rita Gam. Der europäische Hochadel, der die Grimaldis noch nie für ganz voll genommen hat, bleibt den Feierlichkeiten fern. Dafür verfolgen über 30 Millionen Fernsehzuschauer in neun Ländern, wie aus Schauspielerin Grace Kelly die Fürstin Gracia Patricia von Monaco wurde. Noch am selben Tag bricht das frisch vermählte Ehepaar zu einer siebenwöchigen Hochzeitsreise im Mittelmeer an Bord der fürstlichen Yacht auf.

Am 23. Januar 1957 bringt die Fürstin ihre Tochter Caroline zur Welt, am 14. März 1958 den Sohn Albert Alexandre Louis Pierre, der seine Schwester als Thronerbin verdrängte. Das Nesthäkchen Stéphanie erblickt am 1. Februar 1965 das Licht der Welt. Trotz der Geburt der Kinder ist Gracia Patricias Leben als Fürstin in den ersten Jahren schwierig. Sie spricht nur schlecht Französisch und kommt mit der höfischen Etikette und der Autorität Rainiers nicht zurecht. Hinzu kommen finanzielle und politische Probleme. Die wichtigen Einnahmen aus dem Casino gehen durch die zunehmende Konkurrenz an der Côte d'Azur zurück.

 

Zurück zu Alfred Hitchcock?

 

Im Sommer 1960 stirbt John B. Kelly an Magenkrebs, der Tod des Vaters sowie zwei Fehlgeburten setzen Gracia Patricia schwer zu, sie fällt in Depressionen. Rainier erwägt eine vorübergehende Rückkehr seiner Frau ins Filmgeschäft, und Alfred Hitchcock möchte sie für die weibliche Hauptrolle in "Marnie". Doch die monegassische Öffentlichkeit ist der Ansicht, die Schauspielerei vertrage sich grundsätzlich nicht mit den Aufgaben einer Landesmutter. Dass sie dabei ihren Filmpartner Sean Connery vor der Kamera küssen müsste, ist für das Volk ein Ding der Unmöglichkeit.

Gracia Patricia gibt dem Druck nach und schreibt an Hitchcock: "Lieber Hitch, es zerreißt mir das Herz, das Filmprojekt aufgeben zu müssen. Ich hatte mich sehr auf die Mitwirkung und insbesondere auf die erneute Zusammenarbeit mit Dir gefreut. Beim nächsten Treffen werde ich Dir persönlich die vielen Beweggründe erklären, was in einem Brief oder über Dritte schwierig ist. Schade, dass es so kommen musste, ich bedauere es sehr."

 

"Ich suche nicht nach Glück"

 

Eine glückliche Frau schreibt andere Brief, und ihr Biograf Thilo Wydra ("Grace: Die Biographie") erzählt: "Es heißt, dass sie sich eine Woche eingesperrt hat, mit niemandem mehr geredet hat, und dass ein Teil von Grace Kelly in dieser Woche zerbrochen ist". In einem Interview mit dem "Playboy" beschreibt die Fürstin ihren Seelenzustand: "Ich suche nicht nach Glück ... Ich nehme an, mit sich im Frieden zu sein, nicht mit aller Macht etwas zu begehren und nicht zu verzweifeln, weil man etwas nicht erreicht hat ... Ich liege im Dauerstreit mit mir selbst, also bin ich wohl nicht im Frieden mit mir."

Trotzdem wird diese Ehe, von der Gracia Patricia sagt, sie müsse erst lernen, Rainier zu lieben, ein Erfolgsmodell. Und das hat in erster Linie mit der Fürstin zu tun. Ihr hoher Bekanntheitsgrad lockt Menschen aus aller Welt nach Monaco. Sie verbringen dort ihren Urlaub, tätigen hier enorme Banken- und Immobiliengeschäfte. Die Einkünfte des Fürstentums steigen sprunghaft an. Ende der 1960er-Jahre hat sich das Fremdenverkehrsaufkommen von jährlich 77.000 Besuchern aus der Zeit vor der Hochzeit verzehnfacht.

 

Die Welt trifft sich in Monaco

 

Und Gracia Patricia lockt ihre früheren Kollegen aus dem Showbusiness an. Filmstars kommen nach Monte Carlo, und die ziehen ihrerseits den Jetset magisch an. Die Welt trifft sich in Monaco - dank Gracia Patricia, die zu einer würdevollen, souveränen und allseits anerkannten Landesmutter und einer prägenden Stil-Ikone herangereift ist. Auch ihr Französisch ist mittlerweile gut. Das Eheglück scheint perfekt.

Es hält bis zum 13. September 1982. An diesem Tag fährt die Fürstin mit ihrer jüngsten Tochter Stéphanie aus der Sommerresidenz Roc Angel auf der Küstenstraße zurück nach Monte Carlo. In einer Haarnadelkurve kommt der Rover von der Fahrbahn ab und stürzt 40 Meter tief einen Abhang hinunter. Die 17-jährige Stéphanie überlebt schwer verletzt, Gracia Patricia stirbt am nächsten Tag in dem nach ihr benannten Centre Hospitalier Princesse Grace im Alter von 52 Jahren.

Monaco und die Welt sind geschockt, und Fürst Rainier III. wird den Tod der geliebten Frau bis zu seinem Tod am 6. April 2005 nicht mehr verwinden.

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