"Good Thing": Paul Young hat wieder Soul

Paul Young
Paul Young hat es noch immer drauf. Foto: James Hole © DPA

Wer sich musikalisch an die 80er erinnert, kommt an Paul Young kaum vorbei. "Come Back and Stay" und "Everytime You Go Away" sang er mit Hundeblick und gewann damit die Teenager-Herzen. Die Rolle des an Liebeskummer fast vergehenden jungen Mannes hat Paul Young berühmt gemacht.

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Die Zeiten, da sich der Sänger wegen hysterischer Fans kaum auf die Straße wagen konnte, sind allerdings schon länger vorbei. Musik aber hat Paul Young auch in den stilleren Zeiten gemacht - wenn auch die Veröffentlichungen in großen Abständen immer spärlicher wurden.

Zuletzt erschien von ihm 2006 ein Swing-Album, auf dem er Kompositionen von Soft Cell ("Tainted Love") oder David Bowie ("The Jean Genie") in den Big-Band-Sounbd überführte. Groß hören aber wollte das niemand so recht.

Alte Songs im neuen Arrangement - das war seit jeher das Ding von Paul Young: "Ich finde es verdammt schwer, originelle Musik und Texte zu schreiben. Wenn andere Leute gute Songs schreiben, warum soll ich mich damit abmühen?", sagte er einmal.

Mit seinem neuen Album "Good Thing", mit dem er wieder aus dem Schatten tritt und ein Comeback nach einer nahezu 20-jährigen Soul-Platten-Pause hinlegt, hat er sein Konzept allerdings geändert: Alte Songs in "altem" Arrangement heißt es diesmal bei Paul Young.

Dem Soul hat schon immer sein Herz gehört. Dazu brachte er die Stimme mit - und das Gefühl. Mit "Good Thing" spielt Young mit einigen Klassikern und eher unbekannten Nummern seine Liebe zum Southern- und Memphis-Soul aus. Und das steht ihm gut.

Hammondorgel, starker Chorgesang, satte Bläsersätze, gniedlige Gitarren und Youngs noch immer ausdrucksstarke Stimme führen bei dieser Retro-Reise, die ohne modernistischen Schnickschnack auskommt, direkt in die 60er und 70er Jahre. Nichts erinnert hier an die manchmal ein wenig glatt polierten Paul-Young-Songs von früher.

Im besten Sinne ein herrlich altmodisches - aber auch zeitloses - Hommage-Album mit reichlich Groove und Power, bei dem an die Peebles, die Staple Singers oder Lou Rawls erinnert wird. Am 17. Januar ist der Brite 60 Jahre alt geworden, soviel Kraft aber hat Paul Young schon lange nicht mehr versprüht. "Comeback and stay!", möchte man da leicht abgewandelt ihm zurufen.

Und wer es dann doch mal richtig schmusig mag, der greift mit dem Bee-Gees-Cover "Words" nicht daneben. Auch wenn die drei Brüder nicht wirklich als klassische Soul-Band bekannt sind - der Song passt trotzdem ins Gesamtkonzept.


dpa
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