Gina-Lisa Lohfink: Politiker setzen sich für sie ein

Gina-Lisa Lohfink: Politiker setzen sich für sie ein.
Jetzt setzen sich sogar diverse Politiker für Gina-Lisa Lohfink ein. © dpa, Klaus-Dietmar Gabbert

Der Fall Gina-Lisa Lohfink beschäftigt nicht mehr nur Justiz und Medien, auch die Politik hat sich eingeschaltet. Justizminister Heiko Maas (SPD) erhöht den Druck auf die Union. "Die Verschärfung des Sexualstrafrechts darf nicht länger blockiert werden. Wir müssen Frauen besser vor sexualisierter Gewalt schützen. Die Reform ist dringend notwendig, um eklatante Schutzlücken zu schließen", schreibt er auf seinem offiziellen Facebook-Account. Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) setzt sich für Gina-Lisa Lohfink ein: "'Nein heißt nein' muss gelten. Ein 'Hör auf' ist deutlich", erklärte sie gegenüber 'Spiegel Online'.

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Der Fall von Gina-Lisa Lohfink schlägt weiterhin hohe Wellen

Die Grünen zeigten sich empört und verkündeten via Facebook: "In Deutschland reicht ein "Nein" nicht aus, um eine Vergewaltigung strafbar zu machen. Der Fall von Gina-Lisa Lohfink zeigt, dass dringend das Sexualstrafrecht reformiert werden muss. Dass die Vergewaltiger von Gina-Lisa nicht zur Verantwortung gezogen werden und sie selbst stattdessen wegen Falschaussage verurteilt werden soll, sendet ein verheerendes Signal." Dazu postete die Partei ein Foto Lohfinks aus dem Gericht, das mit dem Hashtag #TeamGinaLisa und dem Satz "Nein heisst nein" versehen ist.

Über das Prinzip "Nein heißt nein" ist sich die große Koalition jedoch uneinig. Offenbar befürchten Politiker der Unionsfraktion, dass mit einer Anpassung eine Welle an Falschanzeigen eingehen könnte. Schließlich sei das Nein eines mutmaßlichen Opfers schwer nachzuweisen. Maas' Gesetzesentwurf bezieht sich auf die Paragrafen 177 und 179 des Strafgesetzbuchs. Diese besagen aktuell, dass sich eine Frau körperlich wehren muss, also um sich schlagen, um einen Mann wegen Vergewaltigung anzeigen zu können. Außerdem müsse sie sich in einer schutzlosen Lage befinden und ihr Leben bedroht sein.

 

Aussage gegen Aussage

 

Im Fall von Gina-Lisa Lohfink geht es um eine ausgelassene Partynacht in Berlin vor vier Jahren, die mit einer angeblichen Vergewaltigung endete. Zwei Männer hätten gegen ihren Willen mit der 29-Jährigen Sex gehabt. Davon gibt es sogar ein Video, das von den Männern im Internet verbreitet und Redaktionen zum Kauf angeboten wurde. Lohfink erstattete Anzeige. Die Vergewaltigungsvorwürfe erhärteten sich in einem Verfahren gegen die vermeintlichen Täter allerdings nicht. Dann die Wende: Lohfink erhielt einen Strafbefehl über 24.000 Euro wegen des Vorwurfs der falschen Verdächtigung. Sie legte Einspruch ein.

Das Martyrium läuft nun schon seit vier Jahren. Die bisher ungeklärte Streitfrage: Sieht man auf dem Video Sex oder eine Vergewaltigung? Wer das Video gesehen hat, kann deutlich hören, wie Lohfink mehrmals "Hör auf!" sagt. Die Staatsanwältin sehe darin aber noch nicht den Beweis für eine Vergewaltigung. Schließlich könnten diese Worte auch im Zusammenhang mit einer anderen akuten Handlung gefallen sein. Das Video wurde übrigens erst vor kurzem von der Pornoseite Pornhub entfernt. Ende Juni 2016 wird das Amtsgericht Berlin-Tiergarten ein Urteil fällen.

 

Sie will anderen helfen

 

Gina-Lisa Lohfink fühlt sich in Deutschland nicht mehr sicher. "In unserem Rechtssystem läuft doch etwas falsch", sagte sie im Interview mit 'Spiegel Online'. "Muss ich erst umgebracht werden? Rafft die Justiz es dann erst", fragt sie wütend. Auch ihr Anwalt Burkhard Benecken ist entsetzt. "Es kann nicht sein, dass meine Mandantin von der Justiz in eine Schublade gesteckt wird." Es scheint fast so, als gelte hier das Motto: "Kurzer Rock, große Brüste - die taugt nicht als Vergewaltigungsopfer." Für Lohfink ist eines klar: Sollte sie verurteilt werden, wird sie die 24.000 Euro nicht zahlen.

"Wir werden zur Not durch alle Instanzen gehen, nach dem Amtsgericht kämen dann das Landgericht und das Oberlandesgericht. Eher spende ich das Geld an bedürftige Menschen und gehe in den Knast", so die 29-Jährige. Außerdem sehe sie sich als Vorkämpferin, denn die Politik müsse endlich aufwachen. Lohfink selbst will einen gemeinnützigen Verein gründen: "Women are strong". Der Verein wird Opfer sexueller Gewalt unterstützen. Über die Unterstützung, die ihr derzeit zukommt, freut sich die ehemalige Teilnehmerin von 'Germany's next Topmodel': "Was da im Internet abgeht, ist unglaublich. Es rührt mich sehr."

 

Sarah Knappik hält zu ihr

 

Auch Lohfinks ehemals beste Freundin Sarah Knappik, die mit ihr bei 'Germany's next Topmodel' zu sehen war, hat sich in das Team Gina-Lisa eingereiht. Sie postete ein Video auf Facebook, in dem sie nachdenklich über die Berichterstattung und die Hetze im Internet spricht. Sie prangert darin an, dass viele behaupten, Lohfink hätte es nicht anders verdient und ihr schlichtweg nicht glauben. Das mache sie traurig und wütend. In einem anderen Post schrieb sie, dass sie sich in Bezug auf Bilder und Privatsphäre mehr Rechte für Künstler wünsche.

Einen Rat hat sie auch an Gina-Lisa: Sie solle in ein anderes Land fahren, um abzuschalten, wenn das möglich sei. Mit dem Abschalten klappt es offenbar noch nicht so gut. Einen Auftritt in einem Club sagte Gina-Lisa Lohfink am 11. Juni ab. Aus gesundheitlichen Gründen, wie sie auf Facebook erklärte. Womöglich streikt ihr Körper nach den Aufregungen der letzten Woche, ein Wunder wäre das nicht.

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