Gewinnt der Schwede Måns Zelmerlöw doch noch den ESC?

Gewinnt der Schwede Måns Zelmerlöw doch noch den ESC?
Måns Zelmerlöw am Donnerstag Sekunden vor seinem Auftritt beim zweiten ESC-Halbfinale © Thomas Hanses/EBU

Måns Zelmerlöw (28) hat alles, was ein ESC-Gewinner braucht: einen flotten Song mit griffigem Refrain. Einen simplen, aber smarten Look, der beim weiblichen Publikum gut ankommt - Buzzfeed nennt ihn "so gut aussehend, dass es wehtut". Und eine Stimme, die dem schicken Gesamtpaket immerhin nicht explizit schadet. Wenn Zelmerlöw vor dem großen ESC-Abend nun noch ein Problem hat - dann ist es seine Favoritenrolle. Denn bei den Buchmachern steht er ganz vorne, noch vor der Russin Polina Gagarina (28, "A Million Voices"). Und Zelmerlöw weiß, wie es ist, als Favorit zu scheitern.

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Favorit im dritten Anlauf

Zweimal stand er zuvor schon mit einem Bein im ESC; hatte er sich über den satte sechs TV-Abende langen schwedischen Vorausscheid "Melodifestivalen" bis kurz vors Ziel gekämpft... bevor er doch kapitulieren musste. 2007 reicht es mit dem Song "Cara Mia" für Platz drei im schwedischen Finale. Und 2009, mit "Hope & Glory" war es noch knapper: Als im Finale die Jury ihr Votum abgab, stand Zelmerlöw ganz vorne. Die Zuschaueranrufe ließen ihn auf Platz vier zurückfallen. Zelmerlöw war in jener Show, die in Schweden alle Generationen und Bildungsschichten einträchtig vor dem Fernseher verfolgen, zum großen Verlierer geworden.


Entertainer statt "authentischem" Künstler

In den Jahren nach seinen Beinahe-Siegen entfernte sich Zelmerlöw ein wenig vom knallharten Schlagerbusiness. Er moderierte stattdessen TV-Shows und Musikfestivals. Ohnehin hat der Beau ein für deutsche Gemüter interessantes Verhältnis zu seinem Beruf. Der Südschwede, der 2005 im "DSDS"-Äquivalent "Idol" groß rauskam, pfeift mittlerweile offen auf künstlerische "Authentizität".


"Für mich ist jemand 'real', der auf der Bühne steht und innig singt, der seine Lieder selbst schreibt, der eine ganz andere Tiefe hat. Ich habe recht schnell verstanden, dass ich so jemand nie sein werde", bekannte Zelmerlöw jüngst im Interview mit der schwedischen Tageszeitung "Dagens Nyheter". Eine Haltung, die ihn fast schon wieder auf andere Weise, durch die Hintertür, wieder authentisch macht: einer, der einfach nur Spaß macht - und dazu steht.


Auch ansonsten hat Zelmerlöw trotz seines makellosen Aussehens so seine Ecken und Kanten - und Erfahrungen mit der Presse. Vor zwei Jahren bekannte er in einem Podcast, einst seine Freundin betrogen zu haben. Schnell kursierte - fälschlicherweise - das Gerücht, Zelmerlöw sei sexsüchtig. Und als der Star in seiner TV-Show "Pluras Kök" Homosexualität als "Abweichung" bezeichnet, bricht ein Shitstorm über ihn herein. Heute sagt Zelmerlöw, er habe eigentlich nach der Phrase "weniger gewöhnlich" gesucht - und dass er sich durchaus vorstellen könne, auch ein Date mit einem Mann zu haben.


"Das war superdumm!"

Vielleicht waren diese Erfahrungen für Zelmerlöw nötig. Nach fünf Jahren Veröffentlichungspause brachte er 2014 ein etwas weniger mainstreamiges Album heraus. Und hat nach diesem Abstecher in ungewohnte Gewässer auch sofort den ganz großen Pop-Wurf gelandet - schließlich habe er den "Entertainerpart" im etwas ernsteren Teil des Musikgeschäfts "verdammt vermisst", wie Zelmerlöw selbst sagt. Beim "Melodifestivalen 2015" erzielte er mit seinem ESC-Song "Heroes" dann den größten Vorsprung, den ein Sieger jemals hatte.


Bei allen Vorschusslorbeeren: Markige Sprüche wird man von Måns Zelmerlöw vor dem letzten vergebenen Punkt am Samstagabend wohl nicht hören. Als Zelmerlöw 2009 fast schon den Sieg im schwedischen Vorentscheid in der Tasche hatte, ließ er sich von einer Boulevardzeitung auf dem Dach der Stockholmer Riesenhalle Globen interviewen und behauptete, er könne von dort aus schon die ESC-Ausrichterstadt Moskau sehen. Das kam beim Publikum nicht gut an, der Ausgang ist bekannt. "Das war superdumm", erklärte er dem schwedischen Fernsehen SVT nun rückblickend.


Vielleicht ist der Sänger jetzt ja reif für den Titel. Anfängerfehler scheint Zelmerlöw jedenfalls nicht mehr zu machen. Der Boulevardzeitung "Aftonbladet" erzählte er scherzend, er habe in Wien ein seltsames Angebot eines irischen Fans abgelehnt. Die junge Frau habe vor jedem Auftritt sicherstellen wollen, dass Zelmerlöws Hosenstall auch wirklich geschlossen sei. "Den Job hat sie leider nicht bekommen", erklärte der ESC-Favorit lachend. Nicht, dass noch alte Gerüchte wieder befeuert werden.

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