"Germany's next Topmodel": Wie krank macht es wirklich?

"Germany's next Topmodel": Wie krank macht es wirklich?
Die "Germany's next Topmodel"-Jury nimmt die Nachwuchs-Models genau unter die Lupe © ProSieben/Richard Huebner

Heidi Klums Model-Suche "Germany's next Topmodel" ist derzeit in aller Munde - allerdings nicht unbedingt aus Neugier, welche der vier Finalistinnen das Rennen macht. Vielmehr steht die Frage im Raum, wie stark die Casting-Show das Körperbild - und ein mögliches Krankheitsbild - junger Mädchen und Frauen beeinflusst.

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Nachgefragt bei Gundis Zámbó

Diese Behauptung stellte jüngst eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) über den Zusammenhang zwischen Fernsehsendungen und Essstörungen auf. Mehr als ein Drittel der Befragten, die selbst betroffen sind, gaben an, dass speziell "GNTM" ihr Krankheitsbild beeinflusst habe. 85 Prozent waren der Meinung, die Show könne Essstörungen verstärken.


ProSieben weist Anschuldigungen von sich

ProSieben-Pressesprecher Christoph Körner widerspricht diesen Behauptungen. "Bislang wurde 'Germany's next Topmodel' bei allen Prüfungen durch unabhängige Aufsichtsgremien so eingestuft, auf dass das Programm Kinder sehen dürfen. Das ist ein Beleg für unser verantwortungsvolles Arbeiten", teilte er der Nachrichtenagentur spot on news mit. "Wirklich wichtig ist, dass wir bei 'Germany's next Topmodel' gewissenhaft und ohne erhobenen Zeigefinger regelmäßig aufzeigen, wie wichtig gesunde Ernährung und Sport ist, um seine Ziele erfolgreich zu erreichen."


Zugleich streben die angehenden Models Woche für Woche unter kritischem Blick von Jury und Kunden nach physischer Perfektion - inklusive körperlicher Verausgabung, bis die Tränen fließen. Doch wo ist die Grenze zwischen einer Casting-Show und einem Hochglanzmagazin, das die westlichen Schönheitsideale nicht weniger offensichtlich forciert? Kann eine TV-Sendung eine komplexe psychische Krankheit tatsächlich fördern?


Zámbó: Symptomverstärkung ist möglich

spot on news hat bei Gundis Zámbó (48, "Mein heimlicher Hunger") nachgefragt, die selbst jahrelang an Bulimie litt. Die Moderatorin und Schauspielerin ist nicht nur selbst eine ehemalige Betroffene, sondern arbeitet seit Herbst 2014 als Heilpraktikerin, spezialisiert auf das Gebiet Essstörungen. "Der Einfluss von Sendungen wie 'Germany's next Topmodel' ist zwar nicht zwingend die Ursache für die Entstehung von Essstörungen, trägt aber in der Regel erheblich zur Symptomverstärkung bei", so Zámbó.


Wie kann man sich aber von einer omnipräsenten Idealvorstellung freimachen? "Wir können uns nicht dem Einfluss von Gesellschaft und Medien entziehen, aber ganz erheblich dazu beitragen, dass wir ein gesundes Selbstwertgefühl behalten beziehungsweise entwickeln", meint Zámbó. "Es ist für uns entscheidend, zu spüren, wie wertvoll wir sind, auch, ohne dem Bild zu entsprechen, das die Öffentlichkeit von scheinbar perfekten Menschen erwartet." Dass Glück nicht in "realitätsfremden Modelmaßen", sondern in "unserer individuellen, eigenen Persönlichkeit, Gesundheit und Kraft" liege, müsse sich selbst und den eigenen Kindern stets bewusst gemacht werden.

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