"Germany's next Topmodel": Es droht ein Abschied auf Raten

"Germany's next Topmodel": Es droht ein Abschied auf Raten
Heidi Klum ist ihre beiden Co-Piloten Thomas Hayo und Wolgang Joop (r.) los © ProSieben

Die Reaktion von RTL kam schnell. Fast zu schnell. Anfang Mai gaben die Verantwortlichen des US-Senders Fox bekannt, dass 2016 nach 14 Jahren "American Idol" Schluss ist. Das deutsche Pendant der Casting-Show heißt "Deutschland sucht den Superstar", doch noch bevor Medien darüber spekulieren konnten, ob mit dem Aus von "American Idol" das weltweite Casting-Show-Sterben eingeleitet werde, meldete sich RTL: "Die Trailer für die nächste Staffel laufen schon."

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Aus für Joop und Hayo

Die Botschaft war natürlich vor allem dazu da, besorgte Werbekunden zu beruhigen. Wer es noch nicht gewusst hat: Privates Fernsehen wird nicht gemacht, um Zuschauer zu unterhalten, sondern um einen Rahmen für Werbung zu schaffen. Das Problem ist nur: Je mehr Zuschauer sich von "DSDS" und Co. abwenden, desto weniger nehmen die Sender durch Werbung ein. Und die Tendenz muss den Verantwortlichen Sorgen bereiten: Die 2015er-Staffel von "DSDS" war die bislang zuschauerschwächste.

 

Das "Germany's next Topmodel"-Desaster

 

Der Schwund betrifft allerdings nicht nur RTL. Auch ProSieben flog in diesem Jahr mit Heidi Klums Laufsteg-Show "Germany's next Topmodel" auf die Nase: Die Macher hatten nicht nur mit schlechten Quoten und den üblichen Magersucht-Anschuldigungen zu kämpfen, das Live-Finale der zurückliegenden zehnten Staffel war am 14. Mai auch noch wegen einer Bombendrohung abgebrochen worden.

Nun zieht der Sender offenbar die Konsequenzen aus dem Desaster: Designer Wolfgang Joop und sein Kollege Thomas Hayo müssen die "GNTM"-Jury verlassen, berichtet "Bild". Und zwar allem Anschein nach nicht, um Platz für frisches Blut zu machen, sondern um die Produktionskosten zu senken. Etwa 15 Millionen Euro soll eine "GNTM"-Staffel verschlungen haben - zu viel, angesichts des sinkenden Zuschauer- und Medieninteresses.

 

"GNTM" als Doku-Soap?

 

Laut "Bild" wird überlegt, das Konzept der Sendung zu überdenken und das Model-Casting im Stil einer Doku-Soap zu erzählen. Damit könnte man sich nicht nur wochenlange Aufenthalte in zu teuren Luxus-Villen in L.A. sparen, sondern auch dramaturgische Veränderungen vornehmen. Die Models in spe mögen zwar schön anzusehen sein, besonders spannend sind sie nicht.

Das diesjährige nachgeholte Finale aus New York konnte in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen nur 1,47 Millionen Zuschauer verbuchen. Zum Vergleich: Selbst die letzte Ausgabe von "Der Bachelor" war mit 2,24 Millionen Menschen in der Zielgruppe erfolgreicher. In beiden Formaten lassen sich hübsche Frauen bereitwillig erniedrigen, doch dürfte die RTL-Variante deutlich preiswerter ausfallen.

Selbst der scheidende Joop sagte zu "Bild": "Veränderungen sind dringend nötig." Doch wenn selbst eine finanziell aufwändige Version die Zuschauer nicht vor den Bildschirm lockt, dürfte es mit einer abgespeckten Billig-Variante erst recht nicht gelingen: Vieles deutet darauf hin, dass der zwangsläufig bevorstehende Umbruch nur der Beginn eines Abschieds auf Raten ist.

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