Gerd Müller: So geht es der Fußball-Legende

Gerd Müller: So geht es der Fußball-Legende
Bayern-Legende Gerd Müller ist schwer an Alzheimer erkrankt © ddp images

Der "Bomber der Nation" ist ein stiller Mann. Keine Skandale, keine großen Worte. Nun hat diesen bescheidenen Menschen ein trauriges Schicksal ereilt: Gerd Müller (69) ist an Alzheimer erkrankt. Der legendäre Mittelstürmer des FC Bayern München und der deutschen Fußballnationalmannschaft, der immer die Ruhe und Zurückgezogenheit liebte, lebt seit einigen Monaten im Dunkel eines voranschreitenden Gedächtnisverlustes.

- Anzeige -

Grüße von Schweini

In dem neuen Buch "Gerd Müller - Der Bomber der Nation" (Riva, 256 Seiten, 19,99 Euro), das am 12. Oktober erscheint, berichten die Autoren Patrick Strasser und Udo Muras: "Müller leidet unter Demenz aufgrund einer Alzheimer-Erkrankung. Seit Herbst 2014 kann er seinem Job als Assistenztrainer des FC Bayern - seiner Leidenschaft und Berufung - nicht mehr nachgehen. Gedächtnis- und Sprachstörungen setzten ihm immer häufiger zu, sein Zustand verschlechterte sich von Woche zu Woche."

 

Diese Krankheit ist das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann

 

Bereits im Dezember 2014 hätten die Ärzte im Münchner Universitätsklinikum rechts der Isar im Rahmen eines General-Checks festgestellt, dass Müller aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung nicht wieder nach Hause zurückkehren könne. "Selbst Alltagsroutinen wie die körperliche Hygiene oder kleine Besorgungen stellen ihn vor zu große Schwierigkeiten. In seiner Wahrnehmung verlieren Zeit und Ort Kontur und Sinn. An schlechten Tagen erkennt Müller niemanden mehr außer seiner Frau Uschi", schreiben die Autoren Strasser und Muras.

In dem Buch wird auch ein schockierter Jupp Heynckes, ehemaliger Kollege im Nationalteam und im FC-Bayern-Trainerteam, zitiert: "Es ist tragisch, wenn man sieht, dass sich solch ein wunderbarer Mensch nicht mehr selbständig versorgen kann. Diese Krankheit ist das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann."

 

Müller vergießt Tränen

 

Und der Co-Trainer des FC Bayern München, Hermann Gerland, der früher mit Gerd Müller die Bayern-Amateure betreute, berichtet in dem Buch: "Als ich Gerd letztens wieder einmal besucht habe, hat er mich erkannt, das habe ich gespürt... Ich habe ihm dabei Grüße von seinen ehemaligen Spielern ausgerichtet, speziell von Thomas Müller, David Alaba und Bastian Schweinsteiger. Da kamen Gerd die Tränen. Er hat geweint."

Die Erkrankung von Gerd Müller hat nicht nur in Deutschland Millionen von Fußballanhängern entsetzt. Mit seinen einzigartigen Ruhmestaten bleibt er für immer in den Herzen der Fans.

 

180 Tore in einer Saison

 

Müllers Weltkarriere begann 1964, als der gedrungene Stürmer, den sein Trainer Zlatko Cajkovski liebevoll "kleines, dickes Müller" nannte, beim FC Bayern anheuerte. Er hatte zuvor bei seinem Heimatverein TSV 1861 Nördlingen 180 Tore in einer Saison erzielt und war für eine Ablösesumme von 4300 D-Mark nach München gewechselt. In seiner ersten Spielzeit beim damaligen Regionalligisten erzielte er bei 26 Einsätzen 33 Tore.

Von 1965 bis 1979 spielte er in der Bundesliga und schoss in 427 Spielen 365 Tore. Mit ihm gewannen die Bayern vier Deutsche Meisterschaften, viermal den DFB-Pokal, dreimal den Europapokal der Landesmeister (heute Champions League), einmal den Europapokal der Pokalsieger, einmal den Weltpokal. Gerd Müller schoss die deutsche Nationalmannschaft 1972 mit vier Toren zur Europameisterschaft und wurde mit ihr 1974 Weltmeister. Das Siegtor zum 2:1 gegen Holland - natürlich Gerd Müller. In 62 Länderspielen erzielte der gelernte Webergeselle 68 Tore.

Die Deutschen liebten ihren quirligen Mittelstürmer - auch als Schlagerheld. Ganze Stadien sangen seinen Song: "Dann macht es bumm, ja und dann krachts, und alles schreit: der Müller machts. Dann macht es bumm, dann gibt's ein Tor. Und alles schreit dann: Müller vor!" Mit 28 verkündete er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Er wollte weniger Trubel - und sich mehr um seine Frau Uschi und seine Tochter Nicole kümmern.

 

Nach jedem Flug spendete er an die Kirche

 

1979 wechselte Gerd Müller zu den Fort Lauderdale Strikers in die nordamerikanische Fußballliga. Es wurde still um ihn. Nach seinem Karriereende 1982 kümmerte er sich in Florida um sein Steakhaus "Gerd Müllers Ambry", in dem vornehmlich deutsche Touristen verkehrten. In dieser Zeit muss der zurückhaltende Mann dem Alkohol verfallen sein. Zwei Jahre später kehrte die Familie nach München zurück.

Als Müllers Alkoholsucht nicht mehr zu übersehen war, kümmerten sich seine Freunde Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß um ihn. Gerd Müller machte eine Entziehungskur und kümmerte sich um den Nachwuchs des FC Bayern. 1992 erwarb er die Trainerlizenz und betreute als Co-Trainer die zweite Mannschaft des Clubs. Die jungen Spieler verehrten den stillen Mann, der nie Aufhebens um seinen Ruhm als weltweit bester Mittelstürmer aller Zeiten machte.

In den letzten Jahren kam Gerd Müller regelmäßig zum Bayern-Gelände an der Säbener Straße. Er hielt Kontakt zu seinen Freunden, fuhr zu den Spielen der zweiten Mannschaft, trank seinen Kaffee in der Kantine, wo man sich respektvoll Geschichten über ihn erzählt - keine Heldengeschichten, sondern kleine liebenswürdige Episoden, wie sie zu diesem Mann viel besser passen. Eine davon geht so: Gerd Müller hatte immer Angst vor dem Fliegen. Nach jeder Landung spendete er der Kirche 100 Mark - als Dank an den lieben Gott.

spot on news

— ANZEIGE —