Gentleman: "Musik ist mehr als Entertainment"

Gentleman: "Musik ist mehr als Entertainment"
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Exklusiv-Interview mit Gentleman

Nach seiner „Diversity“-Tournee 2010, meldet sich Reggae-Sänger Gentleman mit einer neuen Tour und einer Live-DVD zurück. Im exklusiven Interview verrät Tilmann Otto alias Gentleman unter anderem, wie er trotz Tour-Stress die Zeit für seine Frau und seine Kinder findet, was er von Facebook wirklich hält und wie Musik ihm aus persönlichen Krisen hilft.

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Von Mariana Jang

Auf der Live-DVD „Diversity Live“, die am 29. April erscheint, wird euer Tour-Alltag genau dokumentiert. Gab es im Nachhinein Sachen, die du lieber rausgeschnitten hättest?

Gentleman: Wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir da philosophisch nicht in die Tiefe gehen, sondern den Zuschauer mit auf Tour nehmen. Ich fand die Idee gut uns gegenseitig zu filmen, ohne dass es „Big Brother“-mäßig war. Es gab natürlich auch viele Momente, wo die Kameras nicht liefen, aber es lässt einen Einblick zu, den es sonst so vielleicht noch nicht gab.

Deine Frau Tamika begleitet dich als Background-Sängerin auf deinen Touren. Wie schafft ihr beiden es Privates und Berufliches miteinander zu vereinbaren?

Gentleman: Wir geben uns einfach viel Raum, das ist ganz wichtig. Sie ist wirklich sehr bodenständig und absolut nicht streitsüchtig. Man sollte zu schätzen wissen, dass man mit seiner Liebsten oder seinem Liebsten zusammen ist. Aber mittlerweile könnte ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen, weil ich so oft unterwegs bin, dass eine Beziehung gar nicht anders möglich wäre.

In dem Song „I Got To Go“ geht es um die Trennung von deinen Kindern, wenn du unterwegs bist. Wie haben sie sich damit arrangiert, dass du so wenig Zeit für sie hast?

Gentleman: Das ist die andere Seite der Medaille. Die Kinder wissen, dass ich für sie da bin und die Zeit, die ich mit ihnen verbringe, sehr intensiv ist. Es gibt Väter, die kommen jeden Abend nach Hause und verbringen trotzdem keine Zeit mit ihren Kindern. Deswegen ist es auch wirklich was Besonderes, wenn wir zusammen sind. Dadurch wird es was ganz Wertvolles.

Du hast auf deiner offiziellen Facebook-Seite über 320.000 Fans. Benutzt du Soziale Netzwerke auch privat?

Gentleman: Ich bin nicht unbedingt ein Verachter, aber das hat mittlerweile solche Dimension erreicht. Irgendwann werden es bei Facebook eine Millarde User sein, das find ich schon ein bisschen scary. Es hat alles Vor- und Nachteile, aber ich persönlich bin da eher old school. Zeit ist für mich ein Luxus geworden und wenn ich nicht auf Tour oder im Studio bin, verbringe ich Zeit mit meiner Familie und bin nicht am Computer und poste, dass ich mit meiner Familie zusammen bin (lacht).

"Fan-Briefe berühren mich immer wieder"

Gentleman: "Musik ist mehr als Entertainment"
© picture alliance / ZB, Karlheinz Schindler

Was war denn das Verrückteste, das ein Fan dir je gesagt oder für dich getan hat?

Gentleman: Mich berühren immer wieder einzelne Gespräche oder Briefe von Fans. Zum Beispiel: „Dein Song „Dem Gone“ lief auf der Beerdigung von meinem besten Freund oder „Intoxication“ war unser Hochzeitslied. Da merkt man, dass Musik über Entertainment hinausgeht und den Leuten wirklich Kraft und Halt gibt. So ist das bei mir auch, wenn ich Musik von anderen Künstlern höre. Das hilft mir weiter, wenn ich mich nicht gut oder alleine fühle. Solche Musik hört man gerne, das motiviert.

Das wären dann ja fast nur positive Erfahrungen mit den Fans.

Je mehr Leute du erreichst, umso weniger kannst du es allen recht machen. Es gibt verrückte Leute, die dir hinterher reisen und immer da sind. Das find ich schon spooky.

Wie bist du mit Reggae zum ersten Mal in Berührung gekommen? Ich habe gelesen, dass dein Bruder da eine große Rolle gespielt hat.

Gentleman: Unter anderem. Damals habe ich viel Punk und Hip-Hop gehört, aber Reggae war irgendwie immer da und das Interesse wurde immer größer. Aber die ersten Kontakte waren schon die Roots-Reggae-Platten meines älteren Bruders. Ich war zehn oder elf und habe zum ersten Mal die Platten von Dennis Brown und Bob Marley in der Hand gehabt und fand das sehr geil.

Du hast ja bereits angesprochen, dass du früher auch andere Musik-Genres gehört hast und auch auf deiner letzten Platte experimentierst du mit Elektro-Sounds. Könntest du dir vorstellen in Zukunft auch mal eine komplett andere Richtung einzuschlagen?

Gentleman: Ich könnte mir das schon vorstellen. Ich glaube aber, dass ich immer zum Roots-Reggae zurückkehre. Reggae ist so eine vielseitige Musik, dass ich auch nach 25 Jahren des intensiven Hörens nicht genug davon bekomme, deshalb glaube ich auch, dass sich das in Zukunft nicht ändert. Ich hab ja auch schon Musik mit den „Toten Hosen“ gemacht oder Mustafa Sandal. Ich mag auch gut gemachte Pop-Musik. Ich könnte mir auch vorstellen, was Souliges oder Funkiges zu machen – außer Techno und Gabba (lacht). Volksmusik könnte ich mir auch nicht vorstellen. Aber im Prinzip bin ich immer auch für andere Einflüsse offen.

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