Gentleman im exklusiven Interview

Gentleman im exklusiven Interview
Der Name verpflichtet! Gentleman eben ganz Gentleman.

"Der Tod ist die einzige Gerechtigkeit"

Deine Arbeit an dem Album war geprägt von einem großen persönlichen Verlust. (Tod eines Freundes) Inwieweit ist Musik ein Ventil, mit solchen Emotionen umzugehen?

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Gentleman: Man kommt irgendwann an den Punkt und kann sagen: 'Okay, ich bin jetzt einen Schritt weiter', auch was Trauer angeht. Wenn der beste Kumpel auf einmal nicht mehr da ist, der bei dir gewohnt und dich 20 Jahre lang auf deinen Tourneen begleitet hat, das war etwas, was ich so noch nie erlebt habe; dass mir jemand so nah war und auf einmal nicht mehr da ist. Ich habe mit ihm auch über den Tod gesprochen und wir fanden immer, dass das unnötigerweise ein absolutes Tabuthema ist. Wir haben da immer mit gescherzt. Man bekommt so einen ganz anderen Blick aufs Leben. Ich fand auch damals als Kind diesen „Highlander“-Film grausam. Ich glaube, der Tod ist die einzige Gerechtigkeit. In dem Moment, wo man sich mit ihm auseinandersetzt, bekommt man einen viel dankbareren Blick auf das Leben. Aber meinen Kumpel zu verlieren, darauf bin ich nicht klargekommen. Ich habe mich gefragt: 'Warum nicht, andere Leute kommen doch auch irgendwann mit so etwas klar'. Und die Musik hat dann in der nächsten Instanz einfach geholfen, das als Therapie zu benutzen. Als die ersten Songstücke da waren und die Textzeilen kamen, das war schon magisch.

Wie schwierig war es, als Deutscher im Mutterland des Reggae anerkannt zu werden? Wurdest du anfangs belächelt?

Gentleman: Wahrscheinlich war das in den Anfangsjahren genau so! Aber du machst ja das, worauf du Bock hast. Im Idealfall folgst du deiner inneren Stimme. Das habe ich immer gemacht. Wenn ich das alles Revue passieren lasse, denke ich auch: Damals war das noch ganz schön komisch, so als 18-jähriger Typ, der da in dieser fremden Sprache krampfhaft anfängt, Texte zu schreiben. Aber es geht ja darum, was du fühlst. Und Tillmann und Gentleman, das war immer eine Person. Ich habe nie eine Rolle gespielt, sondern war und bin das, was die Leute als „authentisch“ bezeichnen. In Jamaika spüren die Leute sehr schnell, ob du was ehrlich meinst oder nicht. Das ist auch immer das, was sich durchgesetzt hat.

„Schauspielerei? Könnte ich mir vorstellen!“

Gentleman im exklusiven Interview
Gentleman hautnah. Ab Oktober ist Gentleman auf Tour, im Herbst kommt die Doku "Journey To Jah" in die Kinos.

Du bezeichnest den Reggae als die vielseitigste Musikrichtung. Er ist im Mainstream aber recht wenig präsent – findest du das schade oder lässt es dir mehr Freiheiten?

Gentleman: Ich würde mir wünschen, dass mehr Reggae-Künstler im Mainstream stattfinden, ohne dabei die Musik zu verändern. Mein erfolgreichstes Album war „Confidence“, ein reines Roots-Reggae-Album, das war in Deutschland zwei Wochen auf Platz 1. Mit Roots-Reggae! Ich glaube aber, dass die Musik teilweise zu sozialkritisch, zu politisch, zu radikal ist, um im Mainstream auf Dauer stattzufinden. Ich würde mir wünschen, dass sie insgesamt mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Die Doku „Journey To Jah“ kommt im Herbst in die Kinos. Du hast dich und dein Leben sieben Jahre lang mit einer Kamera begleiten lassen. Könntest du dir generell vorstellen, vor der Kamera zu arbeiten?

Gentleman: Als Schauspieler? Ja, warum nicht? Aber ich bin jemand, der eine Sache total macht. Beides gleichzeitig könnte ich nicht. Im Moment bin ich aktiver, tourender Künstler, habe tierisch Lust darauf, und es gibt noch ganz viele Songideen und Texte, die ich in Musik packen will.

Du gehst 2013 auf Tour, und der Abschluss wird aus zwei Jubiläumstagen bestehen. Wie werden die aussehen?

Gentleman: Das wird natürlich was anderes als ein normales Clubkonzert! (lacht) Wir werden am ersten Abend Songs aus den ersten zehn Jahren spielen, und am zweiten Abend aus den zweiten zehn Jahren. Ich hoffe auf viele Gäste, mit denen ich Songs gemacht habe in den letzten 20 Jahren. Die werden auch auftreten. Zur Zeit sind wir aber noch im Proberaum und gehen erstmal auf Festivaltour!

Vielen Dank für das Interview!

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