Gary Oldman auf Oscarkurs: 'Dame, König, As, Spion'

Filmkritik Gary Oldman auf Oscarkurs: 'Dame, König, As, Spion'
Wem kann Ex-Agent George Smiley (Gary Oldman) jetzt noch trauen? © dpa, StudioCanal

4 von 5 Punkten

Das Genre des klassischen Agententhrillers feiert ein würdiges Comeback auf der großen Leinwand: Ein Netz aus Intrigen, gesponnen aus persönlichen Eitelkeiten oder politischen Großinteressen, dazu undurchsichtige Haupt- und Nebenfiguren - so funktioniert die herausragend inszenierte Verfilmung des Spionage-Klassikers von John le Carre mit großer Besetzung. Oscar-Preisträger Colin Firth brilliert dabei genauso wie der für 'Dame, König, As, Spion' absolut zu Recht für einen Oscar nominierte Gary Oldman.

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Und dabei war die Idee, den Klassiker auf die Leinwand zu bringen, eigentlich ein todsicheres Rezept für ein Desaster: Ein Agentenfilm aus den Tiefen des längst vergangenen Kalten Krieges in der Hand eines international kaum bekannten schwedischen Regisseurs, und das auch noch mit vielen, vielen Dialogen. Waghalsige Action-Elemente à la James Bond sucht man hier vergebens. Doch den Berg an Herausforderungen hat Regisseur Tomas Alfredson ('So finster die Nacht') mehr als gemeistert: Begeisterte Kritiker und drei Oscar-Nominierungen, darunter die allererste für Oldman. Man darf also gespannt sein, wie der Film hierzulande ankommen wird.

Spannung ist auf jeden Fall von der ersten Sekunde an garantiert, denn der Film startet direkt sehr mysteriös: Im Jahr 1973 zwingt der Kalte Krieg die Geheimagenten von Ost und West, immer mehr Vorsicht vor Doppelspionen walten zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt erschüttert den englischen Geheimdienst auf einmal die Nachricht, es gäbe einen Verräter, einen 'Maulwurf' in den eigenen Reihen. Daher wird Ex-Agent George Smiley (Gary Oldman, 'The Dark Night', 'Bram Stoker's Dracula') kurzerhand wieder in den Dienst berufen, um den Verräter zu entlarven. Fünf Männer stehen auf der Liste der Verdächtigen, darunter sein enger Freund Bill Haydon (Colin Firth, 'The King's Speech'). Aber wer von ihnen ist der Verräter, der das ganze Land in Gefahr bringt? Wem kann Smiley jetzt noch trauen? Und wer traut ihm?

Wer treibt seit Jahren als 'Maulwurf' sein Unwesen?

Filmkritik Gary Oldman auf Oscarkurs: 'Dame, König, As, Spion'
Gehört Smileys langjähriger Weggefährte Bill Haydon (Colin Firth) zu den Verdächtigen? © dpa, StudioCanal

'Dame, König, As, Spion' ist alles andere als eine Spionage-Geschichte in gewohnter James-Bond-Manier. Gary Oldman ist kein smarter Womanizer, der als Top-Agent durch die exotischsten Länder dieser Welt reist, um es mit jedem noch so bösen Schurken aufzunehmen. Im Mittelpunkt stehen hier die Männer, die man in den 007-Filmen nicht sieht – diejenigen, die einen Bond in Bewegung setzen und die Fäden im Hintergrund ziehen. Oldman spielt den alternden, desillusionierten Geheimagenten George Smiley dabei mit solcher Bravour und Intensität, dass sich Craig, Brosnan, Connery & Co. ruhig eine Scheibe abschneiden könnten: Um des Rätsels Lösung auf die Spur zu kommen, muss sich Smiley auf eine gefährliche Reise durch die Vergangenheit begeben und sich auch seiner eigenen Geschichte stellen. Langjährige Weggefährten könnten ebenso langjährige Verräter sein – und mindestens einer hat es geschafft, über Jahrzehnte ein böses Spiel zu treiben.

Keine Frage: Wer ein Freund von wilden Verfolgungsjagden mit lautstarken Explosionen ist und nicht auf sexy Mädels in knappen Bikinis verzichten will – der sollte auf jeden Fall die Finger von diesem Film lassen und sich das nächste Bond-Abenteuer 'Skyfall' mit Daniel Craig vormerken. Allen anderen aber, die zahllose Dialoge in verrauchten Hinterzimmern nicht scheuen und Lust auf einen undurchsichtigen Thriller mit einer äußerst labyrinthischen Handlung haben – denen sei dieser Film sehr empfohlen. Alleine die große, beeindruckende Schauspielkunst von Firth und Oldman lohnt allemal – und letzterer darf sich vielleicht auf den ersten Oscar in seiner Karriere freuen.

Von Norbert Dickten

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