Game Over?! Na, hoffentlich: 'Saw 3D - Vollendung'

Game Over?! Na, hoffentlich: 'Saw 3D - Vollendung'

Der Titelzusatz ‚Vollendung‘ klingt im Zusammenhang mit ‚Saw‘ äußerst vielversprechend, verheißt das immerhin, dass die mittlerweile doch ziemlich ausgelutschte Schlachtserie ihr lang überfälliges Ende findet. Und tatsächlich wird uns mit dreidimensionalen Splattereffekten, die uns Gedärme und eine ganze Menge Blut in HD entgegenfliegen lassen, des Rätsels Lösung präsentiert. Doch bis dahin ist es ein langer, beschwerlicher Weg für den Zuschauer.

Natürlich wird in ‚Saw 3D – Vollendung‘ das letzte Puzzleteil nicht eingefügt, ohne in einer weiteren, ach so clever durchdachten Metzelorgie zu beweisen, dass es noch immer sadistischer, ekeliger und expliziter geht. Allerdings zerrt das und die vorhersehbare Story lange nicht mehr so an den Nerven wie der gute alte erste Teil. Bestenfalls die letzten zehn Minuten befriedigen den Horror-Fan mit dem kleinen Twist, auf den er gewartet hat und der ihn eventuell doch mit einem kurzen Moment des Schocks zurücklässt.

Schon seit geraumer Zeit hat Jigsaw (Tobin Bell) das Zeitliche gesegnet, jedoch nicht ohne vorher seiner Frau Jill (Betsy Russell) den Auftrag zu geben, seinem Jünger Detective Hoffman (Costas Mandylor) die berüchtigte, mörderische Ganz-Kopf-Zahnspange anzulegen. Allerdings überlebt Hoffman das Attentat, näht sich selbst seine demolierte Wange zu und sucht fortan Vergeltung, während die Witwe des krebskranken Killers Detective Gibson (Chad Donella) aufsucht. Sie bittet ihn um Schutz und erzählt ihm im Gegenzug die ganze Geschichte.

Parallel dazu muss diesmal Bobby (Sean Patrick Flanery) – Buchautor eines biographischen Beststellers über das eigene Überleben einer Jigsaw-Falle – seine Frau Joyce (Gina Holden), seine Arbeitskollegen und sich selbst aus der neuen, fiesen Folterkammer retten. Warum? Die Geschichte in dem Buch ist natürlich erstunken und erlogen und bloß eine ähnliche Geldscheffelmaschine wie der Film selbst.

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Game Over?! Na, hoffentlich: 'Saw 3D - Vollendung'

Aber eigentlich kann uns diese ziemlich lahme Story auch völlig egal sein, schließlich geht es hauptsächlich um die Motorsägen, die einen armen Teenie vor den Augen hunderter Passanten einmal langsam in der Mitte teilen, um ausgestochene Augen, abgerissene Gliedmaßen, den Cameo-Auftritt des gehäuteten Chester Bennington (Frontman der Band ‚Linkin Park‘) und um all die anderen perversen Spielchen, die sich das Autorenduo Patrick Melton und Marcus Dunstan noch so ausgedacht hat.

Aus dem Ganzen musste natürlich ein 3D-Spektakel werden, damit auch der letzte zahlungswillige Kunde ins Kino gelockt wird. An sich funktioniert das auch relativ gut, und auch die übrigen Effekte können meist durchaus beeindrucken, allerdings geht durch die Verwendung allerneuster Techniken der dreckig morbide Low-Budget-Look der ersten Teile verloren. Und gerade der verlieh einst dem ganzen Spaß in schimmeligen Kellern seine düstere Atmosphäre.

Es ist wirklich erstaunlich, dass die ‚Saw‘-Reihe mit ihren konsequent langweiliger werdenden Episoden an den Kinokassen immer noch Millionen einbringt und die Lichtspielhäuser jedes Jahr zu Halloween von Metzelmovie-Fans belagert werden. Schon am ersten Wochenende spielte der vermeintlich letzte Teil das Budget von 20 Millionen Dollar wieder ein und legte damit einen besseren Start hin als der Konkurrent ‚Paranormal Activity 2‘. Da fällt es schwer zu glauben, dass uns Jigsaw in Zukunft tatsächlich verschonen soll.

Hollywood wäre schließlich nicht Hollywood, wenn man dem erfolgreichste Horror-Franchise aller Zeiten (mit Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde) ein Ende machen würde. Und siehe da: Erst kürzlich verkündete Regisseur Kevin Greutert, dass es zwar keine Fortsetzung geben werde, aber man bereits Gespräche über ein Remake geführt haben soll, das in einigen Jahren in den Kinos anlaufen könnte. Tja, das war’s dann wohl mit der ‚Vollendung‘.

Von Mihaela Gladovic

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