Gaby Hauptmann: "Ich weiß, was Existenzangst bedeutet"

Gaby Hauptmann: "Ich weiß, was Existenzangst bedeutet"
Gaby Hauptmann bei einer Veranstaltung in Stuttgart © ddp images

In ihrem neuen Roman "Zeig mir, was Liebe ist" (Piper, 256 Seiten, 9,99 Euro) schickt Erfolgsautorin Gaby Hauptmann (58) ein junges Pärchen nach Italien. Die beiden haben sich gerade erst kennengelernt, und eigentlich braucht die mittellose Valeska nur eine Fluchtmöglichkeit. Da trifft es sich gut, dass sie in Valentin einen Spross aus reicher Familie an der Hand hat. Im Oldtimer seines Vaters, zehn Millionen wert, machen sie eine kleine Spritztour, die allerdings ganz anders wird, als sich beide vorgestellt haben. Wie Hauptmann zu Geld und Autos steht, verrät sie im Interview mit spot on news.

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Neuer Roman "Zeig mir, was Liebe ist"

Ein teurer Ferrari-Oldtimer spielt in Ihrem neuen Buch "Zeig mir, was Liebe ist" eine zentrale Rolle. Sind Sie selbst auch ein Auto-Fan?

Gaby Hauptmann: Es gibt Menschen, die scheinen mit Benzin im Blut geboren zu sein - da gehöre ich dazu. Meine ältere Schwester hat mir schon in meinen jüngsten Jahren Spielzeug- Autos geschenkt und ein Kettcar war damals mein heftigstes Begehren. So ist auch klar, dass ich schon PS-starke Autos gefahren habe, als ich noch überhaupt keinen Führerschein hatte. Übrigens habe ich auch mein damaliges Zündapp-Mofa frisiert, und mein erster Gang an meinem 16. Geburtstag war zur Fahrschule: Ich wollte den Moped-Führerschein machen. Meine Mutter hat mich direkt wieder abgemeldet, dafür hat sie mir aber den Motorrad-Führerschein mit 18 versprochen.


Die beiden Hauptfiguren Leska und Valentin gehen in Ihren Roman auf einen eher unfreiwilligen Roadtrip durch Italien. Was hat Sie auf diese Idee gebracht?

Hauptmann: Ich bin den Großglockner Grand Prix zwei Mal (2013 und 2014) mitgefahren - und jedes Mal war es für mich ein Highlight, all die edlen Oldtimer zu sehen. Die Überlegung kam, als ein Ferrari für 10 Millionen Euro dabei war. Wenn das nun das Schätzchen eines superreichen Menschen ist, der in seinem Leben dafür gearbeitet hat und seine Beute nun als Wertanlage oder Liebhaberei genießt, mag das noch irgendwie passen. Wenn aber zwei junge Menschen nur einen Ausflug nach Italien machen möchten, um dort am Meer einen Rotwein zu trinken - Flausen, die jeder junge Mensch mal hat - wird es interessant. Denn für einen solchen Ausflug wäre ja auch ein Golf, eine Ente, ein Sonstwas denkbar. Nun ist es aber ein millionenschweres Gefährt, das sie zufällig fahren und dessen Wert Leska überhaupt nicht klar ist. Sie findet den Wagen nur alt und unbequem. Aber andere strecken ihre Fühler aus ... und damit geht die Hetzjagd los.


Neben der Beziehung der beiden spielt auch Geld eine Rolle, Valentin kommt aus reichem Haus, Leska ist mittellos auf der Flucht. Was bedeutet Geld für Sie persönlich?

Hauptmann: Ich habe Zeiten ohne Geld erlebt und weiß, was Existenzangst bedeutet. Vor allem, wenn man eben ein Kind geboren hat und nicht weiß, wie man nun als freie Journalistin wieder Fuß fassen soll. Also ist Geld zunächst mal eine Beruhigung. Zufriedenheit und Seelenheil haben aber etwas mit der inneren Einstellung zu tun. Meine Eltern, normal begütert, haben beispielsweise abends, wenn bei uns im Garten der Schatten einzog, das Abendessen in einen Picknickkorb gepackt und wir sind auf den nächsten Berg gefahren. Dort breiteten sie auf einer Wiese die Decke aus und wir saßen inmitten der Blumen und Gräser, unter dicken Sommerwolken und der wärmenden Abendsonne und waren glücklich. Für dieses Gefühl braucht man kein Geld.


Seit Ihrem ersten Bestseller "Suche impotenten Mann fürs Leben" sind 20 Jahre vergangen. Sie gelten als die einzig Überlebende des ersten Frauenbuch-Booms und sind inzwischen die erfolgreichste deutsche Schriftstellerin. Haben Sie in dieser Zeit mal ans Aufhören gedacht?

Hauptmann: Das Leben ist voller Geschichten. Wo ich hinschaue, tut sich eine neue auf. Manchmal im Stundentakt. Einige taugen für Kurzgeschichten, andere fangen an, sich in meinem Kopf auszubreiten. Da kann ich nicht aufhören - zumal ich auch eine studierende Tochter mit Pferden und eine Mitarbeiterin habe, die beide für mich da sind - und für die ich da bin. Also muss ich was tun.


Die Beziehung zwischen Männern und Frauen ist und war in Ihren Büchern ein wichtiges Thema, auch hier hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge getan, vor allem durch Internet, Dating-Apps etc. Wie sehen Sie diese Entwicklungen?

Hauptmann: Menschen bleiben die gleichen. Sie haben die Sehnsucht nach einem Partner, die Sehnsucht nach Geborgenheit und möchten schöne Momente teilen. Sie möchten das Gefühl haben, zu zweit stark zu sein, sich gegenseitig zu versorgen, eine schlagkräftige Einheit zu bilden. Und sie möchten das Kribbeln spüren, das Männer und Frauen anzieht. Manche planen länger, manche kürzer, manche wechseln häufiger, andere möchten eine lebenslange Gemeinschaft bilden. Ich denke, da unterscheiden sich unsere Vorfahren mit den Höhlenzeichnungen wenig von den Zukunftsmenschen. Geändert haben sich die Möglichkeiten und die Geschwindigkeit. Der Vorteil ist, dass man recht schnell eventuell passende Partner finden kann, der Nachtteil ist, dass man bei näherem Kennenlernen schneller mal den Hut zieht und weitersucht. Auf der Strecke bleiben könnte die Anstrengung, den anderen wirklich kennen und verstehen zu lernen. Vielleicht bleibt man mit einer größeren Einsamkeit zurück, weil das stete Weiterziehen innere Leere erzeugt.

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