"Frischer Fisch" für das Multimar Wattforum in Tönning

Multimar Wattforum
Die Forscher des Multimar-Wattforums waren zu Tauchgängen in Norwegen, um neue Fische für die Aquarien des Wattforums zu beschaffen. Foto: Carsten Rehder © DPA

In die Aquarien im Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum im nordfriesischen Tönning sind neue Fische aus Norwegen eingezogen. Multimar-Chef Gerd Meurs hat die Unterwasserlebewesen gemeinsam mit den Biologen Nicole Pekruhl und Timo Kaminski in einem norwegischen Fjord gefangen.

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Die seltenen Tiere fanden sie bei Tauchgängen in Wassertiefen von bis zu 30 Metern. Mitte vergangener Woche kehrte das Trio nach Deutschland zurück - im Gepäck acht Camping-Boxen und zwei große Transportbehälter mit Fisch, Schnecken, Muscheln und anderen wirbellosen Nordsee-Bewohnern.

Das Multimar Wattforum will Besuchern das schleswig-holsteinische Wattenmeer nahe bringen. Es zeigt die Welt der Nordsee vom Gezeitenbereich bis zum Tiefsee. In Ausstellungsbecken wird die Unterwasserwelt vom Eidersperrwerk bis zur Insel Helgoland abgebildet. "Unsere Aquarien stellen Biotope des Wattenmeers und der Nordsee dar: Wir versuchen, in diese Biotope jeweils genau die Flora und Fauna reinzutun, die da hingehört", erklärt Aquarienleiter Birger Kreutz.

Eine Welt im Kleinen also, in der gestorben, sich aber auch vermehrt wird. Warum braucht man dann Nachschub? Wie in der freien Natur geben Fische Eier und Spermien ins Wasser. Doch im Gegensatz zur Nordsee gibt es in den Aquarien meist keine erfolgreiche Befruchtung. Grund ist das Filtersystem, in dem Eier und Spermien hängenbleiben; daher können sich bei vielen Arten keine Larven entwickeln. Und manche Fische wie kleine Grundeln (Gobiidae) oder Scheibenbäuche (Liparidae) leben meist nur ein Jahr, ebenso wie viele der kleinen wirbellosen Tiere.

Jedes Jahr fahren Gerd Meurs und seine Mitarbeiter an die südnorwegische Schärenküste. Nicht auf gut Glück, sondern ganz gezielt und in Kooperation mit dortigen Meeresforschern. Mit einer ortsansässigen Fischerin holten sie dort unter anderem Dorsche, Lippfische, Krebse und Haarsterne - die zierlichsten der "Seesterne" - aus dem Wasser.

Bei den Tauchgängen gehe es jedoch nicht um gezieltes Sammeln, sondern um Zufallsfunde: "Man packt ein, was man sieht und benötigt", erklärt Kaminski. Zum Beispiel die Nordische Purpurschnecke (Nucella lapillus). Sie lebt unter anderem in der Nordsee vor Helgoland. Dort ist sie nach deutschem Recht geschützt. In Norwegen gilt dieser Schutz jedoch nicht. So kann die Purpurschnecke vor Norwegen ganz legal gesammelt werden, um sie den Gästen in Tönning zu zeigen.

Bevor die Purpurschnecke und die anderen Seetiere ihre Reise nach Deutschland antreten können, werden sie von den Behörden in Norwegen kontrolliert. "Man kann und darf nicht einfach irgendwelche Tiere der Natur entnehmen", erklärt Aquarienleiter Kreutz.

In den Aquarien des Multimar Wattforums leben rund 280 verschiedene Arten - rund 1000 Fische von "A" wie Aal bis "Z" wie Zwergseezunge - sowie etwa 20.000 Tiere ohne Wirbelsäule wie Muscheln, Schnecken, Krabben, Quallen und Würmer. Und alle fühlen sich fernab der Nordsee wohl, glauben die Biologen.

Doch woran erkennt man einen "glücklichen" Fisch? "An seinem Verhalten", sagt Kaminski. "Wenn ein Dorsch nicht zufrieden ist, würde er zwar fressen, aber er würde sich zurückziehen: Irgendwo in einer Ecke stehen, oft die Flossen zusammenkneifen und irgendwie ängstlich wirken."

Öffnungszeiten Multimar Wattforum:

1.4.-31.10. täglich von 9 bis 18 Uhr

1.11.-31.3. täglich von 10 bis 17 Uhr


dpa
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