Frischer denn je: 45 Jahre "Aqualung" von Jethro Tull

Jethro Tull
Männer mit langem Haar: Jethro Tull. Foto: Chrysalis Records Ltd © DPA

Wer die Band Jethro Tull entdecken will, greift am besten zu "Aqualung", eines der besten und legendärsten Alben der britischen Gruppe.

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Die Scheibe aus dem Jahr 1971 mit dem schäbig-gekleideten alten Mann auf dem Cover hat sich über 7 Millionen Mal verkauft und in Deutschland seinerzeit Platz 5 der Albumcharts erreicht.

Obwohl "Aqualung" zigmal neu aufgelegt wurde, ist die Zusammensetzung dieser Veröffentlichung doch anders. Das vierte Jethro-Tull-Album ist mit allerlei Bonus-Material als Überarbeitung der 40-Jahre-Jubiläumsedition im 2CD/2DVD-Set jetzt erschienen. Es ist natürlich ein Must-have für jede Sammlung.

Remastering-Guru Steve Wilson hatte erst vor einigen Jahren dem Meilenstein neues Leben eingehaucht. Nun sind neue Feinheiten dazugekommen.

Nach der Auffrischung des britischen Produzenten klangen Lieder wie der Superhit "Locomotive Breath" grandioser als je zuvor und Gitarren-Soli von Martin Barre gingen so richtig unter die Haut. Dasselbe gilt nun für diverse Zusatztracks im 5,1 Surround Sound, darunter eine EP, die auf der 2011er Veröffentlichung nicht enthalten war. Weitere Sahnestücke befinden sich im DVD-Teil, darunter ein Promo-Film und ein Booklet mit 80 Seiten.

Man kann nur staunen über die Frischzellenkur für diese LP, die vorher eher dumpf klang: Der Sound ist rein und aufregend und wurde geschickt an moderne Hörgewohnheiten angepasst. Man hat das Gefühl, dass die dicken Samtvorhänge der Vergangenheit endlich weggezogen wurden. Oder wie Wilson es formulierte: "Musikalisch gesehen war es ein wenig wie die Reinigung der Sixtinischen Kapelle".

Jethro-Tull-Mastermind Ian Anderson (68) freut sich wie ein Schneekönig über die jüngste Wiederveröffentlichung: "Als ich damals diese Songs schrieb und aufnahm, hätte ich nie gedacht, dass wir jemals überhaupt eine '40th Anniversary Version' feiern würden!" sagte er.

Andersons Bemerkung bezog sich eher auf technische Probleme im Studio. Aber mit seinem thematischen Zusammenhang schaffte "Aqualung" sehr wohl einen kühnen Übergang zu neuen Tulls, weg von den alten Blues-Wurzeln.

Bei der Mischung aus Progressive-Rock, Folk und geradlinigem Rock'n' Roll kam nicht jedes Lied bei den Fans gut an. Treue Anhänger mussten sich an den neuen Bassist Jeffrey Hammond und Keyboarder John Evan gewöhnen und gleichzeitig vom Trommler Clive Bunker Abschied nehmen.

Auf seinen Deutschland-Konzerten als "Jethro Tull's Ian Anderson" in diesem Sommer wird der begnadigte Querflötist wohl wie immer alles geben. Er tourt unermüdlich. Eingefleischte Fans hören seit Jahren über die altersbedingte Veränderung seiner Stimme hinweg. Nun sollte er vielleicht damit aufhören: Wie alle Alben der Gruppe verlangt die Live-Versionen der Songs auf Tulls Opus magnum "Aqualung" nach Full-Power. Ist nun die Zeit gekommen, in der der selbsterklärte Perfektionist Anderson besser beraten wäre, die Pflege seines musikalischen Erbes ganz Steve Wilson zu überlassen?


dpa
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