Frank Sinatra und die gewisse Dosis Magie

Frank Sinatra
Frank Sinatra hat mit seiner Musik ganze Generationen geprägt © imago stock&people

Von Tobias Elsaesser

"Kurz nach dem Beginn meines Jazzgesang Studiums in Holland spielte mir ein Kommilitone das Album 'Sinatra at the Sands' vor, nachdem ich erklärte, dass ich Sinatra zwar bewundere, er mich aber noch nicht begeistere. Das änderte sich schlagartig nach dem Hören des genannten Albums. Es hat mich geradezu umgehauen". Das schreibt Roger Cicero in den Liner Notes seiner kürzlich erschienenen Sinatra-Tribut-CD 'Cicero sings Sinatra'.

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Und damit trifft er einen Punkt so exakt wie Sinatra die Töne. Francis Albert Sinatra war ein Gigant, mit einer einzigartigen Stimme und einem großartigen Talent gesegnet. Das alles kommt aber erst richtig zum Tragen, zum Leuchten, wenn er mit den Künstlern zusammenarbeitete, die er selbst bewunderte, wie eben auf dem Live-Album 'Sinatra at the Sands'. Begleitet wird Sinatra dort von Count Basie und dessen Big Band. Die Dynamik des Basie-Orchesters, seine Power und sein Drive waren einzigartig. Neben dem Sands-Album gibt es noch zwei Studio-Alben Sinatras mit Basie (Sinatra & Basie, It might as well be Swing), die ebenfalls zu dem besten gehören, was Sinatra aufgenommen hat.

Jeder kennt 'My Way' oder 'New York, New York', jeder sollte die Aufnahmen Sinatras mit Count Basie kennen. Ebenso die Platte 'Francis A. & Edward K.' mit Edward Kennedy 'Duke' Ellington und die mittlerweile auch auf DVD (Sinatra – A Man And His Music) dokumentierten Duette mit Ella Fitzgerald. Bei allen großartigen Alben, die 'The Voice' gemacht hat, wie zum Beispiel 'In the wee small hours oft he Morning', 'Songs for Swinging Lovers' oder 'A Swinging Affair', die Zusammenarbeit mit solch einzigartigen Jazz-Musiker wie Basie und Ellington hat noch einmal die gewisse Dosis Magie aus Sinatra herausgekitzelt.

Was für ein Vermächtnis

Diese Musik sagt im Grunde alles Wichtige über Frank Sinatra, sie ist ein einmaliges Vermächtnis, und das steht über allem. Er mag ein extrem zwiespältiger Charakter gewesen sein, der den Umgang mit ihm nicht gerade einfach gemacht hat. Er selbst sagte einmal, er sei ein "18-karätiger Manisch-Depressiver mit einem überfeinen Sinn für Freude und Traurigkeit". Er brachte sich selbst ins Kreuzfeuer der Kritik durch seine Kontakte zu Mafiagrößen, allen voran Sam Giancana. Wie eng auch immer diese Kontakte gewesen sein mögen, sie hatten Einfluss auf einen nicht unwesentlichen Teil der amerikanischen Politikgeschichte. Sinatra nutzte seine Beziehungen zu Giancana, um John F. Kennedy auf dem Weg ins Weiße Haus behilflich zu sein – auf Bitte von Kennedys Vater.

Und sonst? Hätte er sich früher von der Bühne verabschieden sollen? Die Anzeichen einer Demenz wurden zum Schluss immer deutlicher. Aber kann jemand, der die Musik so lebt und liebt, wirklich freiwillig aufhören? Die Größen seiner Zeit, wie Duke Ellington, Count Basie und Louis Armstrong spielten alle so lange sie konnten. Sie kannten es nicht anders und wussten es nicht besser. Zum Glück.

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